Mit dem Handy im Ausland Das ändert sich beim Roaming in der EU

Ab Sommer 2017 sollen innerhalb der EU die Roamingkosten beim mobilen Surfen und Telefonieren wegfallen. Doch vorher ändern sich noch einmal die Regeln.

Mobiltelefonat im Ausland
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Mobiltelefonat im Ausland


Auslandsgebühren für Telefonate und den Internetzugang per Mobiltelefon sind in der EU bald Geschichte. Seit Jahren müssen Mobilfunkanbieter die sogenannten Roamingkosten auf Druck der EU-Kommission senken, 2017 sollen sie ganz abgeschafft werden.

Doch vorher wird es noch einmal kompliziert. Ab dem 30. April gelten neue Gebührenobergrenzen, und wieder einmal wird alles anders. Gerade Flatrate-Kunden sollten sich vor dem Urlaub über die Auslandspreise informieren. Eine Übersicht:

Was ändert sich beim Roaming in diesem Jahr?

Wer im Ausland mit seinem Handy telefoniert oder ins Internet geht, muss bald kaum mehr als in seinem Heimtarif zahlen. Seit dem 30. April dürfen Mobilfunkbetreiber nur noch geringe Aufschläge auf die gebuchten Inlandstarife verlangen: Höchstens 6 Cent pro Minute für Anrufe, 2 Cent pro SMS oder 6 Cent pro Megabyte bei Datentarifen (alle Preise inklusive Mehrwertsteuer). Wird man angerufen, kostet das noch maximal 1,2 Cent extra pro Minute. Maximal darf die Summe aus Inlandspreis und Aufschlägen nicht mehr betragen als die bisherigen Höchstpreise von 23 Cent pro Minute für abgehende Anrufe, 7 Cent pro SMS und 24 Cent je Megabyte Datenvolumen.

Was gilt bei Flatrate-Tarifen?

Tatsächlich hat der Gesetzgeber zu Roaminggebühren bei Flatrate-Verträgen keine Regelung getroffen, sagt André Schulze-Wethmar vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (ECC). Möglich sei, dass Anbieter im Ausland nur die Aufschläge allein berechnen - garantiert sei dies aber nicht. Die Mobilfunkbetreiber könnten etwa in ihren Geschäftsbedingungen eine Klausel einfügen, dass die angebotenen Flatrates nur in Deutschland gelten. Dann würden Telefonate im Ausland auf Minutenbasis abgerechnet, erklärt Schulze-Wethmar.

Nach Sicht von Miriam Rusch-Rodosthenous von der Verbraucherzentrale NRW zeige dies, dass es bei Roaminggebühren weiter Schlupflöcher geben könnte. Verbraucher sollten sich vor dem Urlaub nach den Kosten erkundigen, rät sie. Manche Anbieter haben bereits reagiert. In einigen Flatrate-Tarifen sind mittlerweile Auslandskontingente enthalten, oder die gebuchten Tarife gelten auch im EU-Ausland. In einigen Tarifen gibt es gar keine Roaminggebühren mehr.

Wann kommt das Ende der Roaminggebühren?

Am 15. Juni 2017 fallen die Zusatzgebühren komplett weg. Ganz in trockenen Tüchern ist die Regelung allerdings noch nicht: Die Mobilfunkbetreiber könnten bei der EU noch Ausnahmeregeln heraushandeln, falls sie auf den Kosten sitzen bleiben sollten. "Für den Verbraucher kann eine solche Regel bedeuten, dass Roaminggebühren in einer bestimmten Form doch noch erhoben werden könnten", sagt Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Welche Ausnahmen gibt es?

Wer eine Sim-Karte aus dem Ausland mit billigeren Tarifen auch zu Hause nutzen möchte, muss weiter mit Zusatzgebühren rechnen. Das sogenannte permanente Roaming könnte marktschädigend wirken, fürchtet die EU-Kommission. Daher dürfen Anbieter ab einer gewissen Menge an Anrufen, SMS oder Daten Aufschläge verlangen. Der günstige Vertrag aus England wäre in Deutschland auf Dauer also nicht attraktiv. Der Wegfall der Roaminggebühren heißt auch nicht, dass Anrufe von Deutschland ins EU-Ausland nun kostenlos sind.

Wo drohen weiterhin versteckte Kosten?

An zwei Stellen. Einmal, wenn ohne entsprechenden Tarif viel Datenvolumen umgesetzt wird. Der IT-Verband Bitkom rät deswegen dazu, die Datenverbindung im Ausland manuell auszuschalten. So werden Kosten durch Datenübertragungen im Hintergrund minimiert. Vorsicht auch auf dem Wasser. Auf Kreuzfahrtschiffen gilt: Handy aus. "Roamingkosten gelten nicht für Schiffe oder im Flugzeug. Da gibt es keine Preishöchstgrenzen", sagt Verbraucherschützerin Elbrecht.

Der Grund: Die dortigen Netze in Schiffen und Flugzeugen nutzen teure Satellitenverbindungen. Hierdurch können Kosten von bis zu zehn Euro pro Minute entstehen. Datenverbindungen sind noch teurer: In einem Fall hatte ein Mobilfunkbetreiber laut der Berliner Verbraucherzentrale bei einem Kreuzfahrtpassagier rund 21 Euro pro Megabyte abgerechnet.

Gibt es noch mehr Ausnahmen?

An der Grenze zu Nicht-EU-Ländern - etwa zur Schweiz oder zur Türkei - könnte sich das Handy versehentlich in ein fremdes Netz einwählen. "Da greift die Regelung natürlich nicht", sagt Schulze-Wethmar. Sie empfiehlt, an den EU-Außengrenzen die automatische Netzauswahl unbedingt abzuschalten - und bei einem längeren Aufenthalt eine Sim-Karte des Reiselands zu kaufen.

Anmerkung der Redaktion (29.04.2016): Die Nachrichtenagentur dpa hat den obigen Bericht hinsichtlich der Einrechnung der Mehrwertsteuer aktualisiert, wir haben die Passage "Was ändert sich beim Roaming in diesem Jahr?" entsprechend angepasst.

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David Fischer, dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
Untertan 2.0 28.04.2016
1. Ausnahmen über Ausnahmen
Der wegfall der Roaminggebühren könnte wirklich das erste mal sein, wo der Bürger einen spürbaren Vorteil von der EU hat. Wäre bei all dem Hass, der Brüssel derzeit entgegenschwappt wirklich begrüßenswert. Aber was lese ich: Ausnahme hier, Ausnahme dort. Vor der Reise lieber ein Semester Tarifwissenschaften studieren. Was soll der Käse?
Methusalixchen 28.04.2016
2. Da unten steh als Überschrift einer Anzeige:
Wenn die in Brüssel weiterhin solch hyperbürokratisierte, halbgar gekocht Sch ... abliefern, ist das wirklich nur noch eine Frage der Zeit
DerDifferenzierteBlick 28.04.2016
3. Unpräzise
Ich vermute, für Freieinheiten (Minuten/SMS) und begrenzte Flatrates gilt das gleiche wie für unbegrenzte Flatrates, nämlich dass die Anbieter im Ausland davon unabhängig Minuten/MB-Preise berechnen können? Gelten für diese dann auch obere Grenzen? Oder können die Anbieter einfach die hohen Folgepreise in solchen Tarifen mit Aufpreis im Ausland verlangen? Dann könnten sie bei begrenzten Datentarifen (z.B. 300MB) ja einfach fürs Ausland Mondpreise pro MB festlegen, da es hier ja i.d.R. keine Folgepreise gibt, sondern nur eine Geschwindigkeitsdrosselung.
petra.blick 28.04.2016
4. Schlupfroaming
Da die Grossindustrie Flatrateverträge mit Juristen haben, werden Sie die kleinsten Öffnungen suchen an Gebühren zu kommen aber geworben wird mit: Megabillig und Superflat. Man sollte sich eigentlich fragen ob einem sein Gesabbel über das Telefon im Monat wirklich bis zu 50 € wert ist. Inhaltlich bewegt es sich doch mehr im Centbereich, oder ?
mimas101 28.04.2016
5. Auf gut Deutsch
Der Roaming-Wegfall ist eine Mogelpackung, man kaufe sich doch im Ausland besser gleich eine entsprechende Verbindung was gemeinhin auch sehr viel billiger ist. Mehr steht im SPON-Artikel nun wirklich nicht drinnen.
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