Vorwurf der Kungelei Abschaffung der Roaming-Gebühren in Gefahr

Die vom EU-Parlament geplante Abschaffung von Roaming-Gebühren ist in Gefahr. Die ehemalige EU-Kommissarin Viviane Reding kritisiert die Kungelei der Staaten mit den Telekomkonzernen.

Mobilfunknutzung im Ausland
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Mobilfunknutzung im Ausland

Von , Brüssel


Die EU-Staaten wollen die europaweite Abschaffung der Roaming-Gebühren zum 1. Juli 2017 teilweise rückgängig machen. Nutzer von Mobiltelefonen müssten in der Praxis mit deutlichen Einschränkungen rechnen, wenn sie im europäischen Ausland das Internet nutzen. Die etablierten Telekomkonzerne würden dagegen von der Regelung profitieren.

An diesem Freitag wollen die für Telekommunikation zuständigen Minister beschließen, dass die Großhandelspreise für Mobilfunkanbieter für 2017 erst bei zehn Euro für ein Datenpaket von einem Gigabyte gedeckelt werden. Bis 2021 soll der Maximalpreis dann schrittweise auf fünf Euro sinken. Das geht aus dem Beschlussentwurf der 28 EU-Botschafter vor, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Verbraucherschützer fürchten bei einer Verwirklichung dieser Pläne, dass damit die eigentlich von der EU beschlossene Abschaffung der Roaming-Gebühren gefährdet wird.

Würden die Pläne umgesetzt, müssten kleine, preisaggressive Anbieter Datenvolumina im Ausland zu relativ hohen Preisen einkaufen. Das wiederum könnte dazu führen, dass diese Firmen weiterhin Roaming-Gebühren kassieren oder die nutzbare Datenmenge beispielsweise in klassischen Urlaubsländern wie Spanien und Italien begrenzen.

Reding kritisiert Gemauschel

"Die EU-Staaten kungeln mit den Telekomkonzernen, um die Abschaffung des Roaming aufzuweichen. Zum Nachteil der Verbraucher, zum Vorteil der Großkonzerne", sagt die EU-Abgeordnete Viviane Reding, die sich schon als frühere EU-Kommissarin gegen Roaming-Gebühren engagiert hat.

Das Gemauschel zwischen nationalen Ministern und Großkonzernen sei "an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Ich fordere die Minister auf, im Interesse der Konsumenten zu agieren und ihr Versprechen, die Roaming-Gebühren abzuschaffen, einzuhalten."

Das EU-Parlament hatte in seinem Gesetzentwurf einen Maximalpreis von vier Euro pro Gigabyte vorgesehen, der in den Jahren danach weiter fallen sollte. In den sogenannten Trilogverhandlungen mit der EU-Kommission und den 28 EU-Ländern muss nun ab der nächsten Woche ein Kompromiss gefunden werden.

Bisher liegt der durchschnittliche Großhandelspreis für ein Gigabyte Datenvolumen in Europa bei 2,80 Euro. Doch in der Praxis müssen die Mobilfunkkunden im Ausland deutlich mehr zahlen. "Durch den weiterhin rasch ansteigenden Datenverkehr kann sich der Durchschnittspreis für Daten weiter nach unten bewegen. Deshalb sollte der Großhandelspreis normalerweise unter diesem Durchschnitt liegen", sagt der österreichische Abgeordnete Paul Rübig.



insgesamt 58 Beiträge
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Kristallkugel 01.12.2016
1. Genau deshalb..
taugt die EU nichts...weil die Konzerne das sagen haben! Und das ist aber so nicht gewollt! Aber hinnehmen müssen wir es trotzdem! hüh und hott und keiner weiß Bescheid! Und das sollte wohl auch so sein!
divStar 01.12.2016
2. Ganz ehrlich.. wen wundert es?
"Die EU-Staaten kungeln mit den Telekomkonzernen, um die Abschaffung des Roaming aufzuweichen. Zum Nachteil der Verbraucher, zum Vorteil der Großkonzerne" Das ist es was die ganze Zeit passiert. Angesichts dieser Tatsache muss man sich eigentlich nicht fragen warum Menschen von der Globalisierung die Schnauze voll haben (Angst haben sie sicher keine; sie sind schlicht unzufrieden). Politiker sollten /VOR ALLEM/ im Interesse der Bürger entscheiden. Die Telekommunikationsunternehmen werden so oder so nicht untergehen und ob die jetzt x Gewinn haben oder x+y Gewinn haben, kann den Bürgern egal sein. Da aber die Politiker dann y/z Gewinn kassieren, treffen die gerne mal Entscheidungen für die Lobby - immerhin gibt es da die Geldkoffer. Der dumme Mob zahlt die Steuern ja sowieso. Ganz ehrlich: wer sich angesichts dessen wundert warum die Leute die Globalisierung nicht als Chance sehen, die sie ja wirklich sein könnte, der verschließt einfach absichtlich seine Augen.
seit1973 01.12.2016
3. Und wieder Futter für...
...die Rechten in Europa! Kein Wunder, dass die Menschen von unsren Volksvertretern genug haben.
unzensierbar 01.12.2016
4.
Kritik? Unternehmen sollten nichts mit der Infrastruktur zu tun haben und dazu zählt auch die digitale Infrastruktur, die in Deutschland total untergegangen ist.
Lemmingeforscher 01.12.2016
5. EU vergibt riesige Change
Die vielfach versprochene Abschaffung der mafiösen Strukturen der Mobilfunkanbieter wäre für die EU eine vertraunesbildenden Massnahme von einzigartiger Qualität gewesen: Weil nahezu jeder EU Bürger direkt von der Befreiung dieser Plage profitieren würde. Durch eine Aufkündigung dieser seit Jahren versprochenen Regelung richtet die EU erneut einen ungeheuerlichen Imageschaden an, welcher das ohnehin noch kaum existierende Vertrauen der Bürger vollends zerstören wird. Und die EU beweist einmal mehr, dass dieser Planet der Industrie gehört. Und die überwiegende Mehrheit der Politiker nichts anderes sind als die Vasallen der Industrie. Und die Bürger sind die Leibeigenen. Schade um die grosse Idee einer europäischen Union.
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