Saugroboter Roborock S7 im Test Der kriegt den Hintern hoch

Saugroboter, die den Boden auch wischen, gibt es schon eine Weile. Dieses Modell hat dabei allerdings noch einen besonderen Trick drauf. Was der bringt, zeigt der Test.
Roborock S7: Von außen ist ihm seine neue Fähigkeit nicht anzusehen

Roborock S7: Von außen ist ihm seine neue Fähigkeit nicht anzusehen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Viele Saugroboter sind in den vergangenen Jahren zu Hybridgeräten geworden, die wahlweise saugen oder wischen können. Meist aber nur entweder das eine oder das andere. Meist, so wie beim Roborock S6 MaxV, muss man den Wischmopp händisch anklemmen, um den Sauger zum Wischer zu machen. Der Roborock S7 soll nun beides in einem Angang erledigen.

Sein Trick dafür: Wenn er mithilfe von Ultraschallsensoren einen Teppich erkennt, hebt er den Wischmopp an seiner Rückseite an. Auto-Lifting nennt der Hersteller diese Technik, für die der Roboter sozusagen seinen Hintern fünf Millimeter anhebt. Im Test klappte das problemlos, war aber unterschiedlich sinnvoll. Bei dem dünnen Läufer im Hausflur hatte der Mopp so keine Berührungspunkte mit dem Teppich mehr. Bei der Fahrt über einen hochflorigen Berberteppich hingegen sank der Roboter so tief ein, dass er den Mopp trotz Anheben über die Wolle zog.

Wenn der Roboter den Mopp jedoch tatsächlich zum Wischen über den Boden zieht, ist das Ergebnis ansehnlich. Denn statt den feuchten Lappen einfach nur hinter sich herzuziehen, lässt eine Mechanik den zentralen Teil des Mopps dabei auch noch bis zu 3000 Mal pro Minute vibrieren. Gegenüber anderen Wischsaugern erhöht das zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass er Flecken auch tatsächlich beseitigt.

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Die Reinigungselemente des Roborock S7

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Im Test auf Küchenboden und Hausflur klappte das recht gut, bei richtig hartnäckigen oder längst eingetrockneten Flecken muss man aber doch selbst ran. Und bloß weil der Sauger jetzt auch wischt, sollte man sich nicht einbilden, dass nun alles automatisch ginge. Ebenso regelmäßig wie der Staubbehälter entleert werden muss, muss man auch den Wasserbehälter auffüllen. Und zwar bitte nur mit klarem Wasser, Reinigungsmittel und Seifen müssen draußen bleiben. Bitte nicht vergessen: Auch der Wischlappen muss regelmäßig gewaschen werden.

Gib Gummi!

Ebenso ungewöhnlich wie der Wischmopp ist die Bürste, mit der sich der Sauger Staub und Dreck ins Maul wirbelt. Statt aus Borsten besteht sie aus parallel zueinander angeordneten Gummilippen, ist also eher eine Walze. Das ist einerseits gut, weil Staub, Sandkörner und heruntergefallene Gemüseschalen davon ziemlich gut erfasst werden. Gleichzeitig haben die fehlenden Borsten aber den Nachteil, dass beispielsweise Haare nicht so zuverlässig aufgesammelt werden wie von einer Bürste mit Borsten.

Hinzu kommt, dass die Bürste etwas empfindlich reagiert, wenn sich beispielsweise liegen gelassene Bindfäden um sie wickeln. Beim Testgerät hat so etwas nach dem manuellen Abwickeln tiefe Spuren im Gummi hinterlassen.

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Die App des Roborock S7

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Matthias Kremp / DER SPIEGEL

In der Praxis sorgt die beweglich aufgehängte Gummibürste allerdings dafür, das fast alles, was sich auf dem Boden angesammelt hat, auch im Schlund des Saugers landet. Nur auf Teppichen ist er ganz auf seine Saugkraft angewiesen, weshalb ich ihn per App angewiesen habe, den bereits erwähnten Berber mit voller Leistung abzusaugen. Meist reicht das aus, nur gelegentlich hole ich noch meinen Handstaubsauger hervor, der einfach noch tiefer in den Stoff reinsaugt.

Lidar ja, aber keine Kamera

Zur Navigation nutzt der S7 einen sogenannten Lidar, einen technischen Verwandten des Radars, der unabhängig von der Beleuchtung funktioniert. Bei seiner ersten Fahrt durch die Wohnung fertigt er damit eine Karte an, die man im Anschluss per App in Räume aufteilen kann. Und wenn man schon dabei ist, kann man dort auch festlegen, in welcher Reihenfolge die Räume angefahren werden sollen, man kann virtuelle Wände ziehen, festlegen, wo mit welcher Intensität gewischt oder gesaugt werden soll, und vor allem kann man Sperrzonen definieren. Eine solche musste ich etwa um einen Sessel ziehen, dessen Fußkreuz den Roboter immer wieder zu Kletterversuchen animierte.

Findet sich auch bei Dunkelheit zurecht: Der Lidar des S7

Findet sich auch bei Dunkelheit zurecht: Der Lidar des S7

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ist die Kartierung abgeschlossen, geht der S7 künftig sehr zügig zu Werke. Weil er die Räume dann ja bereits kennt, fährt er zunächst Wände und Ecken ab, um größere Freiflächen anschließend in parallelen Bahnen abzusaugen – oder zu wischen. Für die rund 50 Quadratmeter meiner Wohnung brauchte er inklusive Wischen von Küche und Flur 38 Minuten.

Was dabei auffällt: Ganz so rücksichtsvoll wie der S6 MaxV geht der S7 mit herumliegenden Gegenständen nicht um. Das liegt dran, dass das neue Modell nicht die Kameras hat, mit denen eine künstliche Intelligenz auf dem S 6 MaxV herumstehende Hausschuhe, Spielzeug und anderes erkennen und umfahren kann. Positiv ausgedrückt, muss man damit beim S7 keine Angst haben, beobachtet zu werden.

Verglichen mit seinem Vorgänger, dem S6 MaxV, hat Roborock beim S7 am Zubehör gespart. Die kleine Bürste neben dem Staubbehälter etwa, die zum Reinigen von Sensoren und Bürstenwalze taugt, wurde eingespart. Und auch die transparente Kunststoffunterlage, die am Parkplatz seines Vorgängers dafür sorgte, dass der Boden auch mit angeklemmtem Wischmopp trocken blieb, fehlt. Mein Testgerät musste deshalb aus dem Wohnzimmer ausziehen, der dauerhaft montierte Wischlappen tränkte den Holzboden mit Wasser. Holz mag das nicht.

Fazit

Für Wohnungen, in denen sich Hartböden und Teppiche abwechseln, gibt es derzeit wahrscheinlich keinen besseren Saug-Wisch-Roboter als den Roborock S7. Er arbeitet schnell und gründlich, seine App bietet sehr viele Möglichkeiten zur individuellen Anpassung und für Automationen. Der Preis von 499 Euro ist dafür angemessen.

Auf meiner Wunschliste fehlen trotzdem ein paar Häkchen. Ein zweiter Wischlappen etwa wäre prima, damit der Roboter auch dann noch voll funktionsfähig ist, wenn der andere Lappen gewaschen werden muss. Könnte man das Stromkabel von beiden Seiten an die Basisstation anstecken, wäre man bei der Wahl des Aufstellorts flexibler. Und ich persönlich würde mir eine Kunststoffunterlage für den Roboterparkplatz wünschen. Dem Holzboden zuliebe.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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