Royal Wedding Profitipps für Hochzeitsfotos

In die Westminster Abbey wird man Sie am Freitag wohl nicht lassen, um die Trauung zu dokumentieren. Doch fast jeder Hobbyfotograf kommt irgendwann in die Verlegenheit, ein Brautpaar ablichten zu müssen. Der Profi Scott Kelby gibt Tipps für ungewöhnliche, wunderschöne Hochzeitsbilder.

Das Fotografieren auf Hochzeiten ist nicht ganz einfach. Wenn Sie Freunde haben (und diese wissen, dass Sie im Besitz einer recht guten Kamera sind), ist es nur eine Frage der Zeit, bevor Sie in einer Kirche stehen und Dinge sagen wie: "Okay, jetzt brauche ich die Großeltern des Bräutigams." Sobald Sie diesen Satz laut in einer Kirche aussprechen, sind Sie offiziell als vorübergehender Hochzeitsfotograf abgestempelt. Nur weil Sie die Aufnahmen umsonst machen (als Freundschaftsdienst beispielsweise), brauchen Sie nicht denken, dass die Braut etwas anderes als die allerbeste Qualität erwartet. Noch schlimmer: Je besser Ihre Ausrüstung, desto höher sind die Erwartungen an Ihre Bilder.

Auch wenn Sie bisher nur Sport- oder Landschaftsfotograf waren, sind Sie am Tag der Hochzeit ein Hochzeitsfotograf - der härteste Fotografiejob auf der ganzen Welt. Der Grund ist ganz einfach: Es gibt keinen zweiten Versuch. Diese eine Hochzeit, für die Sie verantwortlich sind, gibt es nur einmal. Es gibt kein "Huch, ich glaube, meine Kamera ist kaputt" oder "Oh, ich habe gar nicht genug Speicherkarten dabei" oder "Jetzt habe ich das Ladegerät für den Blitz vergessen".

Sollte eines dieser Szenarien eintreten, können Sie sicher sein, dass die Braut Ihnen so lange die Kehle zudrückt, bis Ihr Körper leblos zu Boden fällt wie ein Sack Zement. Denn die Braut hat, egal, ob Sie bezahlt werden oder nicht, diesen speziellen Tag minutiös geplant und schon lange davon geträumt. Wenn Sie dann einen der wichtigen Momente verpassen (das Anstecken der Ringe, den Kuss, das Anschneiden der Torte, den ersten Tanz etc.), haben Sie alles verspielt. Deshalb dreht sich in diesem Kapitel alles nur um die eine Sache: Erhöhen Sie Ihre Lebenserwartung.

Ihr Hauptjob: Verfolgen Sie die Braut

Foto: Scott Kelby

Die Hauptaufmerksamkeit bei einer Hochzeit liegt auf der Braut. Achten Sie also darauf, vor, während und nach der Zeremonie immer in der Nähe der Braut zu sein. Lassen Sie sie am besten nicht aus den Augen - erst recht nicht, wenn Sie die Fotos anschließend verkaufen wollen, denn die Braut bringt (ob nun direkt oder indirekt) das meiste Geld. Machen Sie sie zum Star der Fotos.

Formalitäten: Wen Sie zuerst fotografieren sollten

Nach der Trauung werden Sie wahrscheinlich die formellen Fotos aufnehmen - Braut und Bräutigam zusammen mit diversen Verwandten. Der schwierige Teil dabei ist, die Personen vor Ort zu haben, wenn Sie sie benötigen. Das kann 30 Minuten dauern, aber auch bis zu drei Stunden - das liegt an Ihnen und wie organisiert Sie sind.

Hier ist ein Tipp, mit dem Sie alles etwas beschleunigen können: Scharen Sie alle, die Sie benötigen, von Beginn an um sich. Wenn alle Platz genommen haben, nehmen Sie zuerst die formellen Porträts von Braut und Bräutigam auf (Sie werden gleich sehen, warum). Ist das vollbracht, fotografieren Sie die größten Gruppenaufnahmen (Familienfotos). Danach die kleineren Gruppen, die Sie nach getaner Arbeit feiern schicken können (z.B. die Großeltern). Fangen Sie also mit allen Personen an und schicken Sie nach und nach diejenigen weg, die Sie nicht mehr benötigen, bis wieder nur noch das Hochzeitspaar übrig ist.

Wenn Sie nicht so vorgehen, kann es schnell passieren, dass Sie auf einige Personen sehr lange warten müssen. Braut und Bräutigam sollten Sie als Erstes fotografieren, weil beide ja dann irgendwann auf der Feier erwartet werden und der Druck auf sie wächst, je mehr Zeit verstreicht. Machen Sie es sich also nicht schwerer als unbedingt nötig - beginnen Sie groß (also mit allen Beteiligten) und verkleinern Sie die Gruppe schrittweise.

Das perfekte Licht für die Braut

Foto: Scott Kelby

Bei den meisten Hochzeiten gibt es eine Stelle mit spektakulärem Licht, die nur darauf wartet, von Ihnen entdeckt zu werden. Wenn Sie die gefunden haben, müssen Sie nur noch wissen, wie Sie sie nutzen. Bei dem Licht sollte es sich um natürliches Licht handeln, das durch ein Fenster scheint (unter diesen Umständen ist es schwierig, ein wirklich schlechtes Bild zu machen). Halten Sie nach einem Fenster Ausschau, durch das das Sonnenlicht nicht direkt hineinscheint (beispielsweise ein Nordfenster).

Wo sollen Sie dann die Braut platzieren, wenn Sie das passende Fenster gefunden haben? Am besten in 1,5 bis 2,5 Meter Entfernung zum Fenster, damit das Licht gleichmäßig und weich auf die Braut fällt. Diese Situation eignet sich, um ein paar Aufnahmen von der Braut vor der Trauung zu machen - nur von der Braut oder von der Braut mit ihrer Mutter oder ihrem Vater.

Wie Sie die Braut mit anderen arrangieren

Foto: Scott Kelby

Wenn Sie die Braut zusammen mit anderen Personen posieren lassen und eine gewisse Vertrautheit vermitteln wollen, sollten sich die Köpfe sehr dicht beieinander befinden. Das klingt jetzt nicht nach einem Problem, aber Sie werden feststellen, dass es gar nicht so einfach ist. Wenn sie in natürliche Posen verfallen, wird der Zwischenraum zwischen den Köpfen automatisch größer - die Personen scheinen dann nicht mehr so vertraut miteinander zu sein. Ich erlebe diese Situation immer wieder und wieder und muss auch die Braut regelmäßig daran erinnern, den Kopf etwas näher zu der anderen Person zu bewegen, damit die Fotos nicht unnatürlich wirken. Achten Sie bei Ihren nächsten Hochzeitsfotos darauf - Sie werden erstaunt sein, was es ausmacht, wenn die Köpfe näher beieinander sind.

Formalitäten: Worauf sie sich konzentrieren sollten

Wenn Sie für die formellen Porträts große Gruppen fotografieren, sollten Sie eine Blende wählen, bei der alle Personen im Fokus sind. Versuchen Sie es mit Blende f/11 für eine gute Schärfentiefe. Auf welchen Punkt sollen Sie nun fokussieren? Wenn es mehr als eine Reihe gibt, gilt immer noch die alte Regel: Fokussieren Sie auf die Augen der Personen in der ersten Reihe. Da das Bild nach hinten tiefer ist als nach vorn, sieht der Rest dann auch gut aus. Ist die erste Reihe unscharf, ist das ganze Bild ruiniert.

Tipps für schöne Posen der Braut

Ein weiterer Tipp, den ich von David Ziser übernommen habe, betrifft die Posen bei den Standardfotos der Braut. Dabei liegt die von der Lichtquelle abgewandte Schulter etwas tiefer, um zwischen den Schultern eine Diagonale zu erzeugen. Sagen Sie der Braut, sie möge die Füße in V-Form ausrichten (wie auf dem Foto zu sehen).

Fotos von der Hochzeitsfeier: Tanz

Foto: Scott Kelby

Bei Fotos von tanzenden Personen gibt es ein Problem: Wenn Sie sie mit Blitz fotografieren (was meistens der Fall sein wird), werden die Bewegungen eingefroren und es sieht aus, als ständen sie still, allerdings in sehr merkwürdigen Posen. Die Kamera nimmt einfach keine Bewegungen auf, wenn Sie ihr nicht sagen, dass sie es tun soll.

Dafür gibt es zwei Techniken: Die erste befindet sich in der Kamera. Verfolgen Sie die Bewegungen einfach mit der Kamera (schwenken Sie mit) und verwenden Sie dabei eine lange Verschlusszeit, damit auf die Personen, die Sie nicht verfolgen, Bewegungsunschärfe angewendet wird - das sieht dann so aus (ja, richtig), als würde sie tanzen.

Wenn Sie vergessen haben, diese Technik beim Fotografieren anzuwenden, können Sie die Bewegungsunschärfe auch im Nachhinein in Photoshop hinzufügen. Dazu müssen Sie zunächst die Hintergrundebene duplizieren. Wählen Sie anschließend FILTER/WEICHZEICHNUNGSFILTER/ BEWEGUNGSUNSCHÄRFE. Bestimmen Sie einen Winkel von 0° und erhöhen Sie die Distanz, bis die Menschen so aussehen, als würden sie sich bewegen. Anschließend müssen Sie mit dem Radiergummi und einer großen, weichen Pinselspitze (z.B. 200 Pixel) über die Person malen, die im Fokus sein soll (z.B. die Braut) - alle anderen drumherum tanzen und haben Spaß.

Details fotografieren (vor allem: welche?)

Hochzeitsfotos im Pressestil sind momentan sehr beliebt (dabei erzählen Sie die Hochzeit als Fotogeschichte wie für eine Zeitung oder eine Zeitschrift). Ein wichtiger Baustein dieser Technik ist, auch die kleinen Details der Hochzeit - besonders die hinter den Kulissen und vor der eigentlichen Trauung - aufzunehmen. Hier ist eine Liste der Dinge, die Sie fotografieren sollten und die als Einzelfotos oder als Hintergründe verwendet werden können:

  • Die Schuhe der Braut
  • Das Hochzeitskleid auf dem Kleiderbügel
  • Der Brautschmuck
  • Die Hochzeitseinladungen
  • Die Notenblätter der Trauung
  • Das Gästebuch (mit einigen Einträgen)
  • Die Sektgläser der beiden
  • Tischkärtchen auf der Feier
  • Die Eheringe (vielleicht auf der Einladung mit ein paar Rosenblättern daneben)
  • Die Flugtickets für die Flitterwochen
  • Die CD für den ersten Tanz
  • Den Blumenschmuck des Bräutigams
  • Den Brautstrauß
  • Details auf dem Brautkleid

Legen Sie eine Fotoliste an

Foto: Scott Kelby

Bevor Sie Ihr Büro verlassen und sich auf den Weg zur Hochzeit machen, sollten Sie eine Fotoliste mit allen wichtigen Fotos und Motiven, die für das Hochzeitsalbum notwendig sind, erstellen. Bei Hochzeiten gibt es keine zweite Chance, deshalb brauchen Sie eine Liste der benötigten Aufnahmen - Fotos von der Braut, dem Bräutigam, Detailaufnahmen (die Einladungen, die Ringe, der Blumenstrauß etc.), Fotos vom Empfang, dem Anschneiden der Torte und so weiter. Ohne Liste können Sie davon ausgehen, dass Sie mindestens ein wichtiges Foto, das Ihre Kunden unbedingt in ihrem Hochzeitsalbum haben wollen, vergessen. Die Vorbereitung lohnt sich.

Auch wenn Sie kreativ werden und eigene Motive einfangen können, müssen Sie sicherstellen, die wichtigsten Motive fotografiert zu haben. Sprechen Sie, bevor Sie die Fotoliste fertigstellen, mit dem Brautpaar, damit Sie genau wissen, dass Sie auch wirklich alle gewünschten Fotos auf die Liste gesetzt haben (vielleicht werden spezielle Aufnahmen mit alten Schulfreunden oder ganz besonderen Verwandten gewünscht etc. - solche Sachen finden Sie nur heraus, wenn Sie im Vorfeld mit den beiden Hauptakteuren sprechen).

Ausbalancierter Blitz in einer Kirche

Foto: Scott Kelby

Für die offizielle Aufnahme in der Kirche (vor oder nach der Zeremonie) zeige ich Ihnen hier einen Trick, um mit Blitz und Umgebungslicht gemischt in der Kirche möglichst natürliches Licht zu erzeugen: Wählen Sie ISO 800 sowie eine Verschlusszeit von 1/60 Sekunde und die Blendezahl f/5.6 oder kleiner, wenn möglich (z.B. f/4, f/3.5 oder sogar f/2.8). Bei dieser Verschlusszeit hat die Kamera ausreichend Zeit, den Hintergrund zu belichten (er wird durch das im Raum zur Verfügung stehende Licht aufgehellt), der Blitz friert die Bewegung ein.

Sobald Sie diese beiden Einstellungen vorgenommen haben, müssen Sie nur noch eine Probeaufnahme machen. Sollte der Blitz das Umgebungslicht im Raum übertreffen (der Hintergrund schwarz aussehen), stellen Sie einfach den Blitz dunkler, damit die Person zwar schön ausgeleuchtet, aber auch noch das natürliche Licht der Kirche zu sehen ist. So erzeugen Sie eine gute Balance zwischen natürlichem Licht (das 30 bis 35 Prozent des Lichts im Foto ausmachen sollte) und dem Blitz (60 bis 65 Prozent des Lichts).

Ein wirklich cooler Tipp: Wenn Sie mit sehr hohen ISO-Werten arbeiten, sollten Sie das bei Hochzeitsfotografen so beliebte Photoshop-Plug-In namens Dfine 2 (von NikSoftware.de ) kennen. Damit können Sie nicht nur Störungen reduzieren, sondern auch die Haut glätten.

Foto: Scott Kelby

Weiches, diffuses Licht mit einem Blitz, Teil 1

Foto: Scott Kelby

Wenn Sie auf der Hochzeit Innenaufnahmen machen und mit einem Blitz arbeiten, erzeugen Sie harte Schatten und ein flaches Licht. Aber das muss nicht sein. Damit der eingebaute Blitz stattdessen weiches und diffuses Licht erzeugt, sollten Sie einen Blitzdiffusor verwenden (ein durchscheinendes Stück Papier, das vor dem Blitz montiert wird und das Licht streut).

Wenn Ihre Digitalkamera mit einem eingebauten Popup-Blitz ausgestattet ist, können Sie beispielsweise den LumiQuest Soft Screen Diffuser (erhältlich über Novoflex) verwenden, bei einem externen Blitz empfehlen sich Diffusor-Aufsätze der Blitzhersteller. Die Lichtqualität ändert sich dadurch deutlich - die Ergebnisse sehen viel professioneller aus und Sie müssen nicht einmal viel Geld ausgeben.

Nutzen Sie Ihren Blitz für Außenaufnahmen

Foto: Scott Kelby

Ein Trick, den Hochzeitsfotografen schon seit Jahren verwenden: Nutzen Sie den Aufhellblitz an sonnigen Tagen auch bei Außenaufnahmen. Ich weiß, dass es etwas verrückt klingt, den Blitz zu verwenden, wenn die Sonne scheint, aber Hochzeitsfotografen tun das, um die harten Schatten in den Gesichtern zu minimieren und die Personen unter diesen Bedingungen natürlicher aussehen zu lassen (außerdem entstehen in den Augen nette Spiegellichter).

Kontrollieren Sie die Ergebnisse sofort auf dem Monitor, um zu sehen, ob das Licht gut ausbalanciert ist. Hier sehen Sie ein Bild von mir, als ich gerade auf einer Hochzeit fotografierte. Sie sehen, dass der Blitz nicht direkt auf die Personen ausgerichtet ist. Stattdessen habe ich ihn etwas nach rechts (oder links) gedreht und auf 45º geneigt. Solange Sie sich nicht mehr als zweieinhalb Meter von den Personen weg befinden, brauchen Sie sich auch keine Sorgen zu machen - der Blitz wirkt trotzdem, auch wenn er nicht direkt auf die Personen ausgerichtet ist.

Noch ein cooler Blitz-Tipp: Hier ist noch ein Tipp, der Ihren Blitz weniger nach Blitz aussehen lässt, wenn Sie Außenaufnahmen machen: Ändern Sie die Blitzbelichtung mit der Korrekturtaste auf -1 (das funktioniert wie die normale Belichtungskorrektur, nur eben für die Blitzbelichtung). Der Blitz hellt die Schatten immer noch auf, ist aber nicht mehr so offensichtlich.

Zusätzliche Speicherkarten in der Jackentasche

Für Hochzeitsfotografen ist es nicht ungewöhnlich, bis zu 750 Aufnahmen zu machen - vor der Trauung, während der Zeremonie, Gruppenfotos und später bei der Hochzeitsfeier. Deshalb können auch auf Sie so viele Bilder zukommen (vielleicht ein paar mehr oder weniger, aber es werden sicherlich Hunderte sein).

Das Letzte, was Ihnen passieren darf, ist, dass Ihnen die Filme ausgehen (sprich, die Speicherkarte Ihrer Kamera voll ist und Sie keinen Ersatz dabei haben). Tragen Sie deshalb immer ausreichend Speicherkarten bei sich - eine direkt in Ihrer Jackentasche, damit Sie sie im Bedarfsfall sofort zur Hand haben. Es ist eigentlich immer so, dass die Speicherkarte genau im wichtigsten Moment voll ist - wenn Sie die leere Karte dann erst in Ihrer Kameratasche (oder irgendwo anders) suchen müssen, kann es sein, dass Sie diesen Moment verpassen (ich selbst musste das schon einmal leidvoll erfahren). Sie sollten auf die Ersatzspeicherkarte also immer innerhalb weniger Sekunden zugreifen können.

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