Sicherheitsrisiko Samsung-Software blockiert Windows-Updates

Samsung verhindert auf einigen Computern die Installation von Windows-Updates. Man wolle Treiberkonflikte vermeiden, argumentiert der Konzern. Microsoft warnt vor dieser Praxis.
Samsung-Notebook: Angst vor Standard-Treibern

Samsung-Notebook: Angst vor Standard-Treibern

Foto: Samsung

Der Elektronikhersteller Samsung setzt bei Software-Updates lieber auf eigene Programme - und bremst damit das in Windows integrierte Update-System aus. Laut einem Blogbeitrag des Microsoft-Experten Patrick Barker  hat das Unternehmen auf einigen der von ihm angebotenen Computer eine Software installiert, die Microsofts Windows-Update-Funktion abschaltet. Betroffen sind einige Modelle, mit Windows Vista, Windows 7 und Windows 8. Auch auf einigen Windows XP-Rechnern wird das Update deaktiviert - doch dafür hat Microsoft den Support sowieso längst eingestellt.

Wie viele Samsung-Rechner von der Update-Blockade betroffen sind, ist unklar. Für die betroffenen Computer bedeutet das Verfahren jedoch ein Sicherheitsrisiko, da per Windows-Update nicht nur Treiberprogramme und Software-Aktualisierungen für das Microsoft-Betriebssystem installiert, sondern auch Sicherheitslücken geschlossen werden.

Ein von Samsung vorinstalliertes Programm namens "Disable_Windowsupdate.exe" verhindert laut Barker auf den betroffenen Samsung-Computern bei jedem Rechnerstart erneut, dass Dateien von den Microsoft-Servern geladen werden. Zu finden ist das Programm im Ordner ProgramDataSamsung.

Samsung will offenbar Treiberkonflikte vermeiden

Der 22-Jährige berichtet außerdem, dass die Datei nicht ab Werk installiert, sondern von der Samsung-Software "SW Update" aus dem Internet heruntergeladen wird. Das Tool soll seinerseits automatisch nach neue Treibern und Software-Updates suchen.

Mit der Blockade der Windows-Update-Funktion will Samsung nach eigener Aussage verhindern, dass von Microsoft installierte Treiber zu Konflikten mit Samsung-Software führen.

Auf eine Anfrage von Barker erklärte der Samsung-Support: "Wenn Sie Software per Windows-Update installieren, werden die Standardtreiber für die Hardware installiert, mit denen der Laptop funktionieren kann oder auch nicht." Wenn der Rechner beispielsweise einen USB-3.0-Anschluss besitze, könne es sein, dass die Ports nicht funktionieren. "Um das zu verhindern, unterbindet das SW-Update-Tool automatische Windows-Updates."

Keine neuen Samsung-Notebooks in Deutschland

Das Techportal "Venturebeat " konnte die Aussagen von Patrick Barker bestätigen. Ein Microsoft-Sprecher sagte der Nachrichtenseite, man rate davon ab, Windows Update abzustellen oder zu verändern, da man sich damit einem erhöhten Sicherheitsrisiko aussetze.

Samsung reagierte wenig später und erklärte, man untersuche die Vorwürfe und sei sich "der Behauptungen bewusst, die Herr Barker bezüglich Windows-8.1-Updates auf unseren Computern erhebt" und arbeite mit Microsoft an einer Lösung des Problems.

Unklar ist, wie viel Anwender in Deutschland von dieser potenziellen Gefahrenquelle betroffen sind. Neukunden jedenfalls werden kaum darunter sein. Im September 2014 kündigte Samsung an, sich aus dem Notebook-Geschäft in Europa zurückziehen zu wollen. Im Handel sind die Produkte nur noch vereinzelt zu finden, von der deutschen Webseite des Unternehmens wurde die Rubrik Notebooks bereits entfernt.

Update, 25. Juni 2015: Ein Samsung-Sprecher schreibt in einer Nachricht an SPIEGEL ONLINE, dass es nicht den Tatsachen entspreche, "dass wir auf unseren Notebooks Updates für das Betriebssystem Windows 8.1 verhindern. Vielmehr bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob und wann sie Updates von Windows auf ihren Geräten vornehmen möchten."

jbr
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