Notebooks von Samsung und LG im Test Ein Farbwandler, ein Formwandler und ein leichter Riese

Bildschirme, die auf TV-Technik basieren, und Touchpads, die Handys aufladen: Samsung und LG steigen mit ungewöhnlichen Gimmicks wieder in den deutschen Notebookmarkt ein. Wir haben die ersten Modelle getestet.
Die drei getesteten Notebooks: Links das große LG Gram, rechts Samsungs Galaxy Book Ion und darunter das aufgeklappte Galaxy Book Flex

Die drei getesteten Notebooks: Links das große LG Gram, rechts Samsungs Galaxy Book Ion und darunter das aufgeklappte Galaxy Book Flex

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Samsung Galaxy Book Flex

Das Galaxy Book Flex ist ein Notebook für Leute, die gern auffallen. Dafür sorgt zum einen der Farbton, eine dunkles Metallicblau, zum anderen das kantige Gehäuse. Das wirkt edel. Die Bezeichnung Flex kommt vom Bildschirm, der sich komplett umklappen lässt. So kann man ihn in einem beliebigen Winkel arretieren oder auf die Rückseite klappen und das Notebook wie ein sehr dickes Tablet benutzen. Oder man dreht ihn um 270 Grad, sodass die Tastatur unten liegt und man das Gerät wie einen kleinen Fernseher benutzen kann.

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Samsung Galaxy Book Flex

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Genau dafür eignet sich das Flex auch deswegen, weil es einen Bildschirm auf Basis von Samsungs QLED-Technologie hat, die sonst nur in Fernsehern zum Einsatz kommt. Das Bild ist beispielsweise bei Netflix hervorragend, mit kräftigen Kontrasten. Leider stören zumindest tagsüber und in hell beleuchteten Räumen Spiegelungen den guten Gesamteindruck. Mit 1920 x 1080 Pixeln ist die Auflösung hoch genug für ein 13-Zoll-Display, wie bei meinem Testgerät, aber nicht herausragend.

Die Leistung des Intel-Core-i5-Prozessors reicht bei meinem Testgerät für Büroarbeiten, Internet und Filme dicke aus, der Lüfter muss nur selten zur Kühlung anspringen. Das ändert sich, wenn man versucht, Games zu spielen. Sobald irgendetwas in 3D läuft, schaltet der Ventilator auf Dauerbelüftung um und zeigt damit an, dass der Prozessor am Anschlag ist. Die paar Spiele, die ich auf dem Flex ausprobiert habe, liefen bestenfalls im Schneckentempo.

Die Tastatur verfügt über angenehm große Tasten, die nur sehr wenig Hub haben und nach jedem Tastendruck regelrecht zurückspringen. Leider kippeln sie etwas, wenn man sie seitlich trifft. Vielschreiber werden sich umgewöhnen müssen, um damit klarzukommen. Bei der Tastatur fällt auch der einzige Nachteil der coolen dunkelblauen Farbe auf: Wirklich ergonomisch ist sein Tastenfeld nicht. Bei hellem Licht ist die weiße Beschriftung der dann hellblau leuchtenden Tasten kaum noch zu erkennen. Gut, wenn man tippen kann, ohne hinzusehen.

Für Spielkinder wie mich hat Samsung das Galaxy Book Flex mit ein paar netten Gimmicks bestückt. Zum einen sind die beiden Buchsen auf der rechten Gehäuseseite keine einfachen USB-C-Anschlüsse, sondern Thunderbolt-Schnittstellen, die wie bei Apples MacBooks weit mehr Datendurchsatz ermöglichen als USB-C. Zum anderen ist seitlich im Gehäuse ein Stift versteckt, mit dem man auf dem Bildschirm schreiben, zeichnen oder Screenshots machen kann, ganz wie bei den Galaxy-Note-Smartphones.

Als drittes Gimmick lässt sich das Trackpad per Tastenkombination zur drahtlosen Ladestation für Smartphones umschalten. Witzig ist das schon, praktisch aber nicht, denn mit dem Handy auf dem Trackpad ist das Notebook nicht mehr nutzbar - außer als Fernseher. Im Video-Dauertest war der Akku nach 9 Stunden und 50 Minuten am Ende.

Fazit

Das Galaxy Book Flex ist ein in mancher Hinsicht ungewöhnliches und ungewöhnlich schickes Notebook mit einigen Extras. Der voll klappbare Bildschirm ist eine Wucht, die Leistung reicht aber nur für wenig anspruchsvolle Arbeiten. Das Testgerät, mit 13-Zoll-Display, 1,1 Gigahertz schnellem Core-i5-Prozessor, 8 Gigabyte RAM und 256 Gigabyte SSD kostet 1599 Euro.

Samsung Galaxy Book Ion

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Samsung Galaxy Book Ion

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Das Ion könnte man als pragmatische Variante des Flex ansehen, mit dem es vieles, aber nicht alles teilt. So steckt auch dieses Modell in einem kantigen Gehäuse, dass hier allerdings in einem Farbton lackiert ist, den Samsung als Aura-Silber bezeichnet, der aber nur selten wirklich silbern glänzt. Denn je nach Farbe der Umgebung kann dieser Farbton auch mal rötlich oder grünlich leuchten. Nur der Fingerabdrucksensor nicht, den den gab es offenbar nur im Dunkelblau des Galaxy Book Flex.

Die drei getesteten Notebooks in zwei unterschiedlich beleuchteten Umgebungen: Das Galaxy Book Ion (oben auf dem Stapel) zeigt passend zur Umgebung changierende Farben
Die drei getesteten Notebooks in zwei unterschiedlich beleuchteten Umgebungen: Das Galaxy Book Ion (oben auf dem Stapel) zeigt passend zur Umgebung changierende Farben

Die drei getesteten Notebooks in zwei unterschiedlich beleuchteten Umgebungen: Das Galaxy Book Ion (oben auf dem Stapel) zeigt passend zur Umgebung changierende Farben

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL / Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Neben der gleichen Gehäuseform und dem Fingerabdrucksensor hat das Galaxy Book Ion auch denselben QLED-Bildschirm wie das Flex, mit denselben Vorzügen und Nachteilen. Auch die Tastatur ist offenbar identisch. Nur ist sie hier auch bei starker Sonneneinstrahlung gut ablesbar, weil die dunkle Beschriftung auf hellem Hintergrund mehr Kontrast hat. Ohnehin eignen sich das Ion und das Flex gut, um im Sommer auch mal auf der Terrasse zu arbeiten. Mit einer Helligkeit von 600 Nits kommen die Bildschirme gut gegen Sonnenlicht an. Im Test waren sie selbst bei direkter Sonneneinstrahlung ins Dachfenster des Homeoffice sehr gut nutzbar. Selbstverständlich ist das nicht.

Erstaunlich war, dass der nominell etwas schnellere Prozessor des Ion weder im Alltag, noch in Benchmarks spürbar mehr Leistung liefert als sein Gegenstück im Flex. Dafür schaffte das Gerät im Ausdauertest, dem Streaming von TV-Serien, eine sehr gute Akkulaufzeit von 11 Stunden und 42 Minuten.

Zur pragmatischen Ausstattung zählt, dass man hier noch zwei USB-3-Buchsen im alten Format findet. Außerdem gibt es eine HDMI-Buchse für Monitor oder Fernseher und einen einzelnen Thunderbolt-Port. Das Netzteil wird mit einem altmodischen Rundstecker angestöpselt.

Fazit

Das Galaxy Book Ion bietet ein bisschen von dem Chique des Galaxy Book Flex, ist mit USB-A, Rundsteckernetzteil und HDMI im Kern aber ein konservativer Knochen. Das muss nicht schlecht sein, könnte aber billiger sein. Das Testgerät, mit 13-Zoll-Display, 1,6 Gigahertz schnellem Core-i5-Prozessor, 8 Gigabyte RAM und 256 Gigabyte SSD kostet nach Liste 1399 Euro.

LG Gram

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LG Gram

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Mit seinem 17-Zoll-Bildschirm ist das LG Gram ein Riese unter den Notebooks und nicht sonderlich schlank. Dafür scheint es fast nichts zu wiegen, wenn man es anhebt. Laut Datenblatt soll es 1350 Gram wiegen, mein Testgerät war sogar ein wenig leichter. Ein zum Vergleich gewogenes 13-Zoll-MacBook-Pro von Apple brachte 1360 Gramm auf die Waage. Diese Leichtigkeit verdankt das große Gram zum Teil seinem Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung. Eigentlich ist das eine feine Sache, nur wirkt das dünne Metallchassis wie billiges Plastik, es lässt sich mit den Fingern leicht eindrücken.

Der Bildschirm bietet mit 2560 x 1600 Pixeln für seine Größe eine gute Auflösung, ist scharf und bildet kräftige Farben und ein sehr dunkles Schwarz ab. Darauf Filme anzuschauen, ist schon des üppigen Formats wegen eine Freude, zumindest wenn es dunkel ist. Leider spiegelt er stark, sodass beispielsweise Fenster, Lampen und auch der Betrachter hell im Bild erscheinen. Beim Fernsehen empfand ich es angenehm, leicht von der Mittelachse versetzt auf den Bildschirm zu schauen, um das eigene Spiegelbild zu eliminieren.

Die Leistung des mit 1,3 GHz getakteten Intel-Core-i7-Prozessors ist für die meisten 2D-Anwendungen ausreichend. Büroarbeiten, Websurfen, Filmegucken - alles kein Problem. Allerdings läuft selbst bei Netflix schon öfter mal der Lüfter an. Spiele mit 3D-Grafik hingegen machen dem Gerät sehr zu schaffen. Die Städtebausimulation "Cities: Skylines" etwa lief teils in kaum spielbarer Langsamkeit ab.

Kein Wunder, dass LG einen Monat nach der Einführung der Gram-Serie auch Business-Versionen mit Windows 10 Pro und Trusted-Platform-Modul auf den Markt gebracht hat. Dazu passt auch die sehr ordentliche Akkulaufzeit. Der Herstellerangabe von 18,5 Stunden bin ich zwar nicht mal nahegekommen, aber zehn Stunden hat es unter Normalbedingungen immer geschafft. Im Video-Dauertest schaltete es sich nach 9 Stunden und 18 Minuten ab.

Fazit

Das LG Gram ist verwirrend: Es ist viel leichter, als es aussieht, hat einen sehr schönen, aber zu sehr glänzenden Bildschirm. Für seinen Preis sieht es zu billig aus, und seine Leistung reicht nicht für Spiele. Für Office-Multitasker, Excel-Megatabellen-Liebhaber und Netflix-Gucker dürfte es die richtige Wahl sein. Mein Testgerät mit 1,3 Gigahertz schnellem Intel-Core-i7-Prozessor, 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und einer SSD mit einem Terabyte Kapazität hat einen Listenpreis von 1649 Euro.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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