Fotostrecke

Samsung Galaxy Fold 5G im Test: Klappen, Falten, Schmieren

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Samsung Galaxy Fold 5G im Test Der Knick bleibt im Blick

Nach dem Desaster mit den ersten Testgeräten hat Samsung jetzt eine neue Version des Galaxy Fold auf den Markt gebracht. Nach einer Woche des Ausprobierens steht fest: Das kann was. Aber nicht alles.

Endlich ist das Samsung Falthandy lieferbar. Mit der ziemlich stillen Markteinführung vor ein paar Wochen endete eine monatelange - und für den Elektronikkonzern ziemlich peinliche - Wartezeit. Immerhin war das innovative Smartphone, das beim Aufklappen einen Bildschirm von gewaltigen 7,3 Zoll entfaltet, der Welt schon im Februar mit großem Brimborium präsentiert worden.

Eigentlich hatte es im Mai in den Läden stehen sollen. Dann aber stellten Journalisten bei den ersten Testgeräten eklatante technische Mängel fest, vor allem am Bildschirm.

Die sollen nun behoben sein. Und so habe ich nun eine gute Woche lang die überarbeitete Version des Samsung-Handys testen können. Verkauft wird es unter der Bezeichnung Galaxy Fold 5G, weil das überarbeitete Modell mit einem 5G-Chip bestückt ist, der ursprünglich nur bestimmten Modellen vorbehalten sein sollte. Ob man den angesichts des derzeit noch mageren 5G-Angebots in Deutschland braucht, steht auf einem anderen Blatt. Sicher ist, dass er das Gerät noch einmal teurer gemacht hat, bei Samsung steht es mit 2100 Euro in der Preisliste.

Dafür bekommt man freilich eine umfangreiche Ausstattung, zu der neben üppigen 512 Gigabyte Speicher auch die kabellosen Galaxy-Buds-Kopfhörer gehören, die man bei anderen Samsung-Smartphones für 149 Euro hinzukaufen muss.

Fotostrecke

Samsung Galaxy Fold 5G im Test: Klappen, Falten, Schmieren

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Auch wenn ich beim ersten Ausprobieren der ersten Version des Galaxy Fold gedacht habe, dass mir die Falte in der Mitte des Bildschirms schon nach kurzer Zeit nicht mehr auffallen würde: Auch nach einer Woche Dauernutzung kann ich sie nicht ausblenden. Helle Hintergründe helfen, den Knick zu kaschieren. Beim Lesen auf SPIEGEL ONLINE beispielsweise fällt die Falz wirklich nicht auf. Sobald der Bildschirm dunkel wird, ist sie aber unübersehbar. Der stromsparende Dark Mode und düstere Filme sind insofern verräterisch.

Im Alltag brachte ich das Galaxy Fold bei normaler bei intensiver Nutzung nie an die Grenzen seine Akkukapazität. Als Extremtest ließ ich es einen Full-HD-Film bei voller Helligkeit in einer Endlosschleife abspielen. Mit seinen beiden Akkus hielt Samsungs Falt-Smartphone dabei fast zwölf Stunden durch, was ein guter Wert ist.

Wie viele Fenster hätten Sie denn gern?

Der eigentliche Mehrwert des großen Innen-Bildschirms ist schlicht und einfach, dass man damit mehr sieht. Verglichen mit anderen Smartphones macht damit so ziemlich alles mehr Spaß, ganz egal ob man im Web surft, Nachrichten liest, E-Mails schreibt oder Spiele spielt. Sogar beim Fotografieren zahlt sich das Plus an Bildschirmfläche aus. Es ist einfach so, als hätte man ein kleines Tablet in der Hand. Nur dass man es zusammenklappen kann.

Die einzige Schwäche ist das altbacken wirkende Seitenverhältnis von 4,2:3. Es hat zur Folge, dass Filme immer mit dicken schwarzen Balken angezeigt werden.

Die Möglichkeit, auf dem 7,3 Zoll großen Display bis zu drei Apps parallel zu nutzen, ist reine Zahlenschinderei. Während es gelegentlich sinnvoll sein mag, zwei Apps nebeneinander zu verwenden, etwa E-Mail und Kalender, werden die Fenster bei drei Apps zu klein, um damit noch etwas Sinnvolles anfangen zu können.

Mit drei Apps wird es eng auf Samsungs Bildschirm

Mit drei Apps wird es eng auf Samsungs Bildschirm

Foto: SPIEGEL ONLINE

An der irrwitzigen Ansammlung von Kameras hat Samsung bei der überarbeiteten Version nichts geändert. Insgesamt sechs Kameras stecken im Galaxy Fold: Das Trio auf der Rückseite entspricht dem im Galaxy S10+, innen steckt eine 12-Megapixel-Kamera für Selfies, der ein 8-Megapixel-Tiefensensor für Unschärfeeffekte zur Seite steht. Dazu kommt eine weitere Selfie-Kamera mit 10 Megapixeln auf der Vorderseite.

Unabhängig von der Vielzahl der Linsen ist die Fotoqualität erwartbar gut, entspricht der des Galaxy S10+ und gehört zur Spitzenklasse. Die Detailschärfe und Farbwiedergabe meiner Testfotos war, zumindest bei Tagaufnahmen, hervorragend. Der derzeit hippe Nachtmodus konnte mich dagegen nicht so überzeugen, wie die entsprechenden Funktionen im Google Pixel 4 und iPhone 11.

Innen hui, außen pfui

Samsung liefert zwei dünne Schutzhüllen in Kevlaroptik mit, die man tunlichst montieren sollte, wenn man keine Lust hat, immer ein Putztuch mitzunehmen. Denn so edel die metallisch glänzenden Rückseiten der beiden Gehäusehälften auch sein mögen, so schmutzempfindlich sind sie auch. Bei normaler Nutzung sehen sie schnell so unansehnlich aus, dass man sie mit einem Putztuch bearbeiten oder wenigstens am Hosenaufschlag sauber reiben will.

Ohne Schutz wird das Galaxy Fold 5G schnell schmuddelig

Ohne Schutz wird das Galaxy Fold 5G schnell schmuddelig

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Dasselbe gilt im Übrigen auch für das 4,6 Zoll große Außendisplay. Der Faltbildschirm erwies sich bei mir als deutlich weniger anfällig für Fingerschmutz, obwohl ich intensiv darauf herumtippte. Das mag zum einen daran liegen, dass er im Geräteinneren gut geschützt ist, zum anderen an der Konstruktion aus Kunststoff.

Fazit

In der nach dem Debakel vom Frühjahr überarbeiteten Version erfüllt Samsungs Galaxy Fold meine schon im Februar geäußerte Hoffnung, der Anfang einer neuen Generation von Smartphones zu sein. Das große Faltdisplay auf seiner Innenseite ist ähnlich faszinierend wie seinerzeit der Touchscreen im ersten iPhone. Man kann damit Dinge machen, die bisher mit einem Smartphone so nicht möglich waren. In erster Linie kann man es wie ein Tablet benutzen.

Und genau wie das iPhone könnte auch das Galaxy Fold einen neuen Trend definieren und Falthandys zum Mainstream machen. Damit das klappt, muss die Falttechnik aber noch verbessert werden, sodass man keine Falte mehr im Bildschirm sieht, und die Geräte müssen schlanker und leichter werden.

Vor allem aber müssen sich die Preise ändern. 2100 Euro für ein Smartphone auszugeben, lässt sich nicht mehr mit rationalen Argumenten begründen. Ein Galaxy Fold zu haben, ist cool, eines zu bezahlen, ist schmerzhaft.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das Galaxy Fold stehe mit 2300 Euro in Samsungs Preisliste, es sind aber 2100 Euro. Wir haben den Fehler korrigiert.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.