Experten zerlegen Galaxy Fold Das steckt in Samsungs Falt-Smartphone

Dieses Mal hat es sich nicht selbst zerlegt, dieses Mal wurde es zerlegt, fachmännisch: Die Experten von iFixit haben ein Galaxy Fold zerlegt. Ihr Urteil: Das teure Handy ist verdammt fragil.
Bei der Akku-Entnahme aus dem Galaxy Fold zieht sich der Klebstoff

Bei der Akku-Entnahme aus dem Galaxy Fold zieht sich der Klebstoff

Foto: iFixit

Woher sie es haben, verraten die Experten der Reparatur-Plattform iFixit nicht. Dass sie eines haben, steht außer Zweifel, denn auf ihrer Website zeigen sie in vielen Bildern, wie sie ein Galaxy Fold von Samsung in seine Baugruppen zerlegen . Und das lange vor dem Verkaufsstart - von dem wir noch nicht wissen, wann er denn nun wirklich stattfinden wird.

Eigentlich wollte Samsung sein erstes faltbares Smartphone Ende April in den Handel bringen. Doch dann wurde der Starttermin auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, nachdem mehrere US-Journalisten, denen das Unternehmen bereits Testgeräte gegeben hatte, teils signifikante Probleme mit dem Falt-Bildschirm gemeldet hatten.

Nun wolle man das Gerät zunächst weiteren Prüfungen unterziehen, hieß es von Samsung. Unter anderem soll die Funktion des Scharniers getestet werden. Außerdem sollen der Schutz und die Stabilität des Displays verstärkt werden. Ein neuer Veröffentlichungstermin für das 2000 Euro teure Gerät werde in den kommenden Wochen bekannt gegeben werden, kündigte Samsung an.

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Faltbares Smartphone: Das ist Samsungs Galaxy Fold

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die Wartezeit auf diesen Termin hat iFixit nun mit Einblicken in das Innere des elektronisch und mechanisch aufwendig konstruierten Geräts verkürzt. Normalerweise liefern die Profibastler solche Bilder erst, wenn ein neues Gadget in den Handel kommt.

Auf der Suche nach Wegen, das Gerät zu öffnen, staunten die Experten über die vielen Möglichkeiten, wie beispielsweise Staub und andere Partikel in das Galaxy Fold eindringen könnten. Allein um den Bildschirm und das Scharnier herum stießen sie auf mehrere Öffnungen, in die sie ein Plastikwerkzeug von der Größe und Form eines Gitarrenplektrums einschieben konnten. Kein Wunder also, dass das teure Smartphone nicht wasserdicht ist.

Für iFixit eine Art Siegerbild: Das in seine Komponenten zerlegte Samsung-Smartphone

Für iFixit eine Art Siegerbild: Das in seine Komponenten zerlegte Samsung-Smartphone

Foto: iFixit

Im nächsten Schritt wunderten sich die Bastler, wie leicht es ist, die Rückendeckel aus Metall und den vorderen Bildschirm zu entfernen. Ein bisschen Wärme reichte, um den Klebstoff, der diese Teile festhielt, hinreichend aufzuweichen. Im Inneren stießen sie dann auf die beiden mit Klebstoff fixierten Akkus und die insgesamt sechs Kameras.

Der flexible Bildschirm wird innen nur von einem dünnen Klebstoffstreifen festgehalten, ist entsprechend leicht zu entfernen. Weil er statt aus Glas aus Kunststoff hergestellt wird, geht die Gefahr, ihn zu zerbrechen gegen Null.

Die Chance, dass das von iFixit als fragil bezeichnete Display aus anderen Gründen Schaden nimmt, ist dafür umso höher. Zwar seien die Hälften des Displays auf dünne Metallplatten geklebt, um ihnen Stabilität zu geben, doch genüge schon ein bisschen zu starker Druck, um das dünne Display zu beschädigen. Ganz zu schweigen vom unweigerlichen Display-Tod, wenn man die Schutzfolie abzieht, wie es einige Tester getan haben.

An der Mechanik des Scharniers hingegen hat iFixit nichts auszusetzen. Die Konstruktion wirke als sei sie darauf ausgerichtet, lange durchzuhalten. Allerdings fielen den Bastlern auch hier wieder viele Möglichkeiten auf, wie Fremdkörper eindringen und im Inneren eingeklemmt werden könnten.

Die Konstruktion des Scharniers wirkt wertig, bietet aber zu viel Raum für Fremdkörper

Die Konstruktion des Scharniers wirkt wertig, bietet aber zu viel Raum für Fremdkörper

Foto: iFixit

Am Ende kommen die Reparaturexperten zu dem Schluss, dass dem Galaxy Fold nicht mehr als 2 von 10 möglichen Punkten für die Reparierbarkeit zustehen. Unter anderem kritisieren sie, dass ein Akkutausch aufwendig und deshalb teuer wäre. Der von ihnen als mangelhaft eingestufte Schutz des Biege-Bildschirms werde "fast sicher" früher oder später einen teuren Bildschirmtausch nötig machen.