Brandgefahr Samsung beginnt mit Austausch von Galaxy Note7

Nach Fällen von Explosionen und Bränden tauscht Samsung die ersten Geräte des Galaxy Note7 um. Gleichzeitig verkauft das Unternehmen Firmenbeteiligungen. Eine Klage in den USA erhöht das Risiko, dass die Kosten weiter steigen.
Austausch von Galaxy Note7 in Südkorea

Austausch von Galaxy Note7 in Südkorea

Foto: Jeon Heon-Kyun/ dpa

Der südkoreanische Handyhersteller Samsung hat mit dem Austausch des explosionsgefährdeten Smartphones Galaxy Note7 begonnen. Das Programm sei auf dem Heimatmarkt in Südkorea und in verschiedenen europäischen Ländern angelaufen, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Ab Mittwoch gebe es das Angebot auch für Kunden in den USA.

Deutsche Kunden können das Tauschprogramm über ihren Händler oder die Internetseite www.samsung.de  in Anspruch nehmen. Verbraucher, die sich bereits telefonisch oder per E-Mail registriert haben, müssen nicht aktiv werden. "Sie werden in Kürze über die weiteren Schritte informiert", heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.

Samsung hatte den Verkauf des Galaxy Note7 Anfang September gestoppt und 2,5 Millionen Geräte zurückgerufen, nachdem einige Exemplare beim Aufladen in Brand geraten waren. Mehrere Fluggesellschaften warnten deshalb davor, das Galaxy Note7 an Bord zu benutzen. Auch Samsung selbst riet, das Gerät auszuschalten.

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Zeitgleich mit der Rückrufaktion verkauft Samsung Beteiligungen an anderen Technologieunternehmen. Der Smartphone-Marktführer habe Anteile im Wert von rund einer Billion Won (etwa 800 Millionen Euro) veräußert, sagte eine Sprecherin dem Finanzdienst Bloomberg am Sonntag. Nach Einschätzung von Experten könnte die Rückrufaktion Samsung eine Milliarde Dollar oder mehr kosten. Angesichts des Imageschadens beziffern manche Analysten die Einnahmeausfälle unter Berücksichtigung aller mit dem Rückruf verbundenen Kosten auf fast fünf Milliarden Dollar.

Klage in Florida eingereicht

Hinzu kommt noch die Gefahr von Strafzahlungen infolge von Verbraucherklagen. So hat am Freitag ein Mann in Florida Klage gegen Samsung eingereicht. Demnach habe er sich schwere Verbrennungen zugezogen, als ein Galaxy Note7 in seiner vorderen Hosentasche explodiert sei. Der Fall ist die erste bekannt gewordene Klage gegen den Konzern wegen der Brandgefahr des Note7.

Laut einer offiziellen Rückrufaktion der US-Verbraucherschutzbehörde geht es allein in den USA um rund eine Million Geräte und bisher 92 gemeldete Zwischenfälle, bei denen sich ein Note7 überhitzte oder Feuer fing. Das Smartphone war rund zwei Wochen lang in mehreren Ländern verkauft worden. Auch in China soll es in zwei Fällen zu Bränden durch das Smartphone gekommen sein. Das wären die ersten Vorfälle in dem weltgrößten Smartphone-Markt. Bisher hatte Samsung mitgeteilt, dass die Akkus der in China verkauften Geräte nicht von der Brandgefahr betroffen seien.

Der Akku des Galaxy Note7

Der Akku des Galaxy Note7

Foto: HANDOUT/ REUTERS

Für das Unternehmen ist es wichtig, dass der Austausch reibungslos läuft, damit Kunden nicht zur Konkurrenz wechseln. Das Angebot, übergangsweise auf ein Leihgerät umzusteigen, nutzten bisher nur wenige Besitzer des Galaxy Note7. Um die betroffenen Geräte vor einer Überhitzung zu schützen, verteilt Samsung deshalb ein Software-Update, durch das sich der Akku nur noch bis zu 60 Prozent aufladen lässt.

Der Chef der US-Verbraucherschutzbehörde CPSC, Elliot Kaye, hatte mitgeteilt, dass nach Angaben von Samsung die Batterie etwas zu groß für ihren Platz im Gehäuse gewesen sei - und sich durch das Zusammendrücken beim Einbau das Risiko von Kurzschlüssen in den Akkus erhöht habe. Die problematischen Batterien wurden bisherigen Informationen zufolge von der Samsung-Tochter SDI hergestellt.

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brt/AFP/dpa/Reuters
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