Samsung Galaxy S10 im Test Das taugen Samsungs neue Edelhandys

Mit drei Smartphones feiern die Südkoreaner das Jubiläum der Galaxy-S-Serie. Galaxy S10, S10+ und S10e vereinen alles, was in Smartphones derzeit gut und teuer ist. Nur eine Funktion fällt da ab.

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Mit seiner Galaxy-S-Serie hat Samsung ein ähnliches Problem wie Apple mit seinen iPhones: Weil die Geräte dieser Baureihe schon immer zum Besten gehörten, was es in diesem Bereich gibt, wird es immer schwieriger, neue Modelle mit überraschenden und beeindruckenden Funktionen auszustatten. Trotzdem wollte der Konzern seine treuen Kunden zum zehnten Geburtstag der Serie mit etwas Besonderem zum Neukauf verführen. So richtig gelungen ist das nicht. Dabei sind Galaxy S10, S10+ und S10e derzeit die besten Android-Smartphones, die man kaufen kann.

Das fängt tief im Inneren der drei Geräte, die ich in diesem Text der Einfachheit halber alle als Galaxy S10 bezeichne, an. Während das Galaxy S10 beispielsweise in den USA mit einem Qualcomm-Prozessor ausgeliefert wird, kommt in den europäischen Modellen Samsungs eigener Exynos 9820 zum Einsatz.

Keine schlechte Wahl, denn immerhin kommen dessen acht Rechenkerne in Testprogrammen bis auf fünf Prozent an die Leistung von Apples A12 Bionic heran, der im iPhone XS steckt. Damit hatte der Chip lässig genug Leistung für alles, was ich auf ihn losgelassen habe. Egal ob 3D-Spiel oder Fotoeffekt-App, das Galaxy S10 hat alle ausprobierten Apps ohne zu ruckeln abgearbeitet.

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Galaxy S10 im Test: Das können die neuen Samsung-Smartphones

Auch was die kabellosen Verbindungen angeht, bietet Samsung alles derzeit Erdenkliche auf: Das Galaxy S10 hat das aktuelle Bluetooth 5.0, einen NFC-Chip, das neue Wifi 6 und einen LTE-Chip, der weit höhere Download-Geschwindigkeiten ermöglicht, als alle derzeit in Deutschland verfügbaren Mobilfunknetze bieten können. Es lässt sich per USB-C schnell oder per Qi-Standard kabellos aufladen.

Verkehrt herum laden

Als Gimmick lässt sich die Ladefunktion auch umschalten, so dass der Akku des S10 beispielsweise Samsungs kabellose "Galaxy-Buds"-Kopfhörer oder das Handy eines Freundes auflädt. Eine solche Funktion hatte Huawei 2018 mit dem Mate 20 Pro eingeführt. Viele sinnvolle Anwendungen fallen mir dafür nicht ein, denn was auch immer man auf diese Weise mit Energie versorgt: Das abgebende Gerät ist während des Vorgangs nicht nutzbar.

Immerhin ist der der Akku des Galaxy S10 für solche Späße überhaupt stark genug. Beim täglichen Dauereinsatz meines S10+ in den vergangenen zehn Tagen zeigte dessen Akku am Ende eines jeden Tages noch wenigstens ein Drittel Restkapazität an. Im Alltag braucht man für das Galaxy S10 also keine Powerbank, es ist eine Powerbank.

Deluxe-Bildschirm

Der Bildschirm des S10 ist erwartbar gut, so wie immer in der S-Serie. Vor allem im Modus "Natürlich" überzeugt das Display durch eine angenehm realistische Farbwiedergabe. Wer es lieber knallig mag, muss in den Einstellungen unter Anzeige/Bildschirmmodus "Lebendig" auswählen und wird mit Bonbon-Optik belohnt.

Die verschiedenen Bildschirme der Galaxy S-10-Reihe. Ganz rechts das S10e.
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Die verschiedenen Bildschirme der Galaxy S-10-Reihe. Ganz rechts das S10e.

Einen feinen Unterschied macht die Form des Bildschirms aus. Galaxy S10 und S10+ haben seitlich gebogene Displays, die sanft in das Gehäuse übergehen. Einen praktischen Nutzen kann ich in diesem Design nicht entdecken, aber es sieht sehr edel aus. Das Galaxy S10e (mit einem "e" für "essential") hat stattdessen einen herkömmlichen flachen Bildschirm. Gut ist der auch, lässt das Gerät aber billiger wirken als die anderen - und das ist es ja auch.

Leichtgläubige Gesichtserkennung

Allen drei neuen Galaxy-S10-Modellen gemein ist hingegen, dass sie keine sogenannte Notch haben. So nennt man die Delle oben im Bildschirm, in der beispielsweise im iPhone neben der Selfie-Kamera weitere Sensoren sitzen. Die S10 haben stattdessen sogenannte Punch-Hole-Kameras, die quasi durch ein Loch im Bildschirm gucken. Beim S10+ ist dieses Loch eher eine Ellipse, weil es zusätzlich einen Tiefensensor hat, den man braucht, um in Porträts den Hintergrund unscharf erscheinen zu lassen.

Preisabfragezeitpunkt:
24.05.2019, 03:40 Uhr
Ohne Gewähr

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Notch-Hasser werden diese Lösung lieben, doch sie hat einen klaren Nachteil: Neben die Kamera passen keine weiteren Sensoren in so ein Punch-Hole. Die Gesichtserkennung, mit der man ein S10 entsperren kann, lässt sich leicht foppen, weil sie bloß ein gespeichertes Foto mit dem abgleicht, was die Kamera sieht. Von einem Foto ließ sich dieses System zwar nicht überlisten, aber als ich dem S10 ein kurzes Selfie-Video von meinem Gesicht auf einem Tablet vorspielte, entsperrte es sich sofort. Systeme wie Apples Face ID, die zusätzlich 3D-Daten zu Identifizierung nutzen, kann man so nicht überlisten.

Alternativ kann man auch den Fingerabdrucksensor benutzen. Samsung verwendet hier erstmals ein unter dem Bildschirm eingebautes System, das den Finger per Ultraschall abtastet. Bei mir funktioniert dieser Sensor meist zuverlässig und hat den Vorteil, dass er sich auch von Nässe nicht stören lässt. Nervig ist nur, dass die Sensorfläche recht klein ist und die Erkennung relativ lange dauert. Das S10e hat stattdessen einen traditionelle Fingerabdruckscanner im Gehäuserahmen.

Zwei bis drei Kameras

Gar nicht lange dauert es dagegen, Gefallen am Kamerasystem zu finden. Zum Fotografieren und Filmen stecken im S10 und S10+ drei Kameras mit unterschiedlichen Objektiven: Ein Weitwinkel- und ein Teleobjektiv mit jeweils 12 Megapixeln sowie ein Ultraweitwinkelobjektiv mit 16 Megapixeln. Eine Kombination, die an Huaweis P20 Pro und Mate 20 Pro erinnert. Vor allem das Ultraweitwinkelobjektiv erweitert die fotografischen Möglichkeiten etwa bei Landschaftsfotos. Allerdings erzeugt es oft deutliche Verzerrungen, die Samsung per Software zu entfernen versucht. Wie gut das gelingt, hängt vom Motiv ab. Beim S10e muss man auf das Teleobjektiv verzichten.

Praktisch ist, dass man, wie bei Huaweis Kamera-App, per Fingertipp zwischen den drei Objektiv-Modi umschalten kann. Lässt man den Finger auf dem Zoom-Symbol liegen, kann man stufenlos von 0,5-facher bis zehnfacher Vergrößerung umschalten. Hilfreich ist dabei Samsungs Szenenoptimierer-Funktion, deren Algorithmen versuchen, Hinweise für eine optimale Bildkomposition zu geben. In der Praxis zeigt mir die Software an, auf welche Stelle ich fokussieren und wie ich das Gerät horizontal ausrichten sollte. Für die Selfie-Kamera gibt es Funktionen wie die sogenannten AR-Emojis, die man nach anfänglicher Neugier aber wohl nur selten nutzen wird.

Videos zeichnet das S10 in der UHD-Auflösung 3840 x 2160 Pixel mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde auf. In diesem Modus muss man allerdings auf Bildstabilisierung, Videoeffekte und den Verfolgungs-Autofokus verzichten. Diese Funktionen stehen nur zur Verfügung, wenn man sich auf Full-HD-Video bei 30 Bildern pro Sekunde beschränkt.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Bildschirm

Sehr gute Fotoqualität

Sehr hohe Leistung

Viel eingebauter Speicher

Speicher erweiterbar

Wenig sichere Gesichtserkennung

Hohe Preise

War Samsungs S-Klasse anfangs deutlich von Apples iPhones inspiriert, haben sich die koreanischen Entwickler mittlerweile weitgehend vom amerikanischen Vorbild gelöst. Dafür werden jetzt Funktionen von Konkurrenten wie Huawei übernommen. Geschadet hat das den Galaxy S10 nicht. Mehr Smartphone bekommt man derzeit wohl nirgendwo geboten.

Allerdings muss man dafür auch tief in die Tasche greifen. Schon das um Teleobjektiv, Ultraschall-Fingerabdruckscanner und gebogenen Bildschirm reduzierte Galaxy S10e ist mit 749 kein Billigangebot. Für ein S10 werden mit 128 GB Speicher 899 Euro und mit 512 GB 1149 Euro fällig. Vom S10+ bietet Samsung in Deutschland nur die Deluxe-Variante mit Keramikgehäuse und 512 GB für 1249 Euro oder 1 TB Speicher für 1599 Euro an. Die günstigere Version mit 128 GB im Alu-Gehäuse soll es hierzulande nicht geben.

Wie so oft ist deshalb die goldene Mitte die beste Wahl: Das Galaxy S10 hat mit 128 GB für die meisten Anwender genug Speicher, der sich zudem erweitern lässt, und bietet alle Funktionen, die auch das S10+ hat. Für das S10e spricht einzig der Preis, für das S10+ der größere Bildschirm.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
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Seite 1
darksystem 05.03.2019
1.
Dazu fällt mir spontan ein Wort ein: Überflüssig. Für aufwändige Anwendungen (Spiele und Arbeit) ist der Bildschirm auf Smartphones zu klein. Für RICHTIG leistungshungrige Anwendungen wie lokale Spracherkennung oder KI, sind Akku und CPU zu schwach. Die Kamera ist nach wie vor "nur" eine Smartphone-Kamera. Von den endlos vielen Megapixeln sind die Marketingexperten scheinbar mittlerweile abgekommen, nun sind die verschiedenen Objektive dran. Wird solange funktionieren bis Otto-Normal-Mensch auch merkt dass die mit Profiequipment trotzdem nix am Hut haben. Die sonstigen Funktionen sind eher Standard, reine Softwarelösungen oder überflüssig. Also alles nichts besonderes. Und dafür soll man bis zu 1600 Euro ausgeben? Nee danke. Der Umstieg von S5 zu S7 war enttäuschend, der Vergleich von S7 mit S9 eher mäßig, und das S10 bietet nun auch nicht viel mehr.
alangasi 05.03.2019
2. Fakefunktionen
wie die hier verwendete Gesichtserkennung sind für mich ein klarer Grund solche Geräte zu meiden. Kauf ja auch keine Auto das ABS nur simuliert.
philosophus 05.03.2019
3. Das Wichtigste...
... kann man auch telefonieren damit ?...
gertner27 05.03.2019
4.
Endlich mal eine lesenswerte Reszension von Matthias Kremps, die sich nicht in Unwichtigkeiten verliert.Gegen diese Smartphones kann Apple mit seinen schnöden IPhones nicht mehr mithalten. Das Samsung von Huawei kopiert, sagt schon einiges aus. Für mich käme nur das 10e in Frage, die beiden anderen sind zu groß, wenn es UKW-Radio gehabt hätte. Hat es aber leider nicht.
veccctor 05.03.2019
5. @gertner27
UKW Radio? Echt jetzt?
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