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11. April 2014, 18:35 Uhr

Samsung Galaxy S5 im Test

Wasserdichter Alleskönner mit Schwächen

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Das Galaxy S5 ist Samsungs neues Flaggschiff. Erstmals bestückt der Konzern ein Handy nicht nur mit technischen Gimmicks, sondern macht es auch wasserfest - und lässt es den Puls seines Besitzers messen. Stimmt die Mischung?

Dieses Handy muss ein Hit werden. Nachdem Samsung gerade erneut einen Gewinnrückgang melden musste, hofft der Konzern jetzt, dass das Galaxy S5 ein Verkaufsschlager wird. Die Zutaten dafür bringt es mit. Es hat den schnellsten Mobilprozessor, den man kaufen kann, eine 16-Megapixel-Kamera und ist - zum ersten Mal bei Samsung - wasserfest.

Das Design ist typisch Samsung: vorne ein großer Bildschirm, seitlich silberne Zierleisten, auf der Rückseite ein Plastikdeckel. Der ist zwar fein strukturiert und versucht, nach Kunstleder auszusehen, bleibt aber doch Kunststoff. Gegenüber den hochpolierten glatten Rücken älterer Samsung-Handys liegt er angenehmer in der Hand und rutscht nicht so leicht von glatten Oberflächen.

Unter dem Deckel befinden sich der sekundenschnell auswechselbare Akku sowie die Steckplätze für Sim- und Speicherkarte. Auf der Innenseite des Deckels fällt eine Dichtung auf. Sie soll dafür sorgen, dass Wasser nicht bis zum Stromspeicher und den Steckkarten vordringen kann.

Schließlich ist das S5 nach der Spezifikation IP67 gegen Staub und Wasser geschützt, hält also mindestens 30 Minuten in einem Meter Wassertiefe dicht. Damit das so bleibt, sollte man den Deckel der USB-Buchse nach dem Aufladen stets sorgsam verschließen. Der Headset-Anschluss hingegen darf offen bleiben, ihn muss man nach einem Bad bloß ausschütteln.

Das Galaxy S5 knipst nur ohne Folie gut

Die Kamera protzt mit 16 Megapixeln. Wer sich nach den ersten Schnappschüssen über schwammige Bilder wundert, sollte die dünne Folie entfernen, die Samsung als Transportschutz auf das Objektiv klebt. Die Kamera stellt Motive schnell scharf und macht ordentliche Aufnahmen (siehe Fotostrecke). Zu meckern gibt es nichts, aber an die Bildqualität beispielsweise des Nokia Lumia 925 kommt sie nicht heran.

Daran ändern auch die netten Software-Gimmicks nichts, die Samsung der Kamera beigebracht hat. Dazu gehört die Funktion "selektiver Fokus", die versucht, die Bildqualität einer Spiegelreflexkamera zu imitieren, indem sie das Motiv scharf abbildet, während der Hintergrund weichgezeichnet wird.

Dass die Kamera-App außerdem HDR-Fotos mit erweitertem Dynamikbereich ebenso aufzeichnen kann wie Serienbilder, ist fast schon Standard. Eine nette Dreingabe, aber für die meisten Anwender überflüssig ist die UHD-Videofähigkeit, die Filme mit 3840x2160-Pixeln aufzeichnet. Solche Videos kann man nur auf UHD-Fernsehern anschauen, und die hat kaum jemand.

Schnell, aber nicht das Schnellste

Die nötige Leistung dafür liefert ein Quadcore-Prozessor mit knapp 2,5 GHz Taktfrequenz. Im Test sorgte der mühelos dafür, dass Apps und Spiele flüssig liefen. Umso erstaunlicher ist es, dass sich das S5 in einer Vielzahl von Leistungstests dem kurz zuvor veröffentlichten HTC One (M8) und sogar dem viel älteren iPhone 5s geschlagen geben muss.

Die Technikseite AnandTech hat insgesamt 39 solcher Tests durchgeführt. Nur zwei davon konnte das Samsung-Smartphone für sich entscheiden. Die Technikexperten vermuten, dass unter anderem die bessere Hitzeableitung des One (M8) dafür sorgt, dass der nominell langsamere Chip des HTC-Handys teils mehr Leistung bringt.

Öfter mal aufladen

Während des mehrtägigen Tests zeigte sich, dass das Galaxy S5 vergleichsweise gierig am Akku saugt. Spätestens am Nachmittag muss man es wieder an ein Ladegerät anschließen, um sicherzugehen, dass es den Abend noch durchhält. Das HTC One (M8) ist da genügsamer.

Aber genau wie beim HTC-Handy kann man auch beim S5 verschiedene Energiesparmodi aktivieren, um die Ausdauer zu verbessern. Besonders effektiv ist der Ultra-Energiesparmodus. Ist er aktiv, wird der Bildschirm auf Graustufen umgeschaltet und die Datenverbindungen gekappt. Im Test ergab das bei 65 Prozent Akku-Ladung eine theoretische Stand-by-Zeit von acht Tagen.

Gut für den Ruhepuls

Wie schon das S4 ist auch das Galaxy S5 mit diversen Software-Extras bestückt. Dazu gehören Funktionen, die den Bildschirm so lange aktiv halten, wie man darauf schaut, die eine verkleinerte Vorschau des Inhalts einer E-Mail anzeigen, sobald man drauf zeigt, und vieles mehr. Im Auslieferungszustand sind viele davon deaktiviert. Wer die technischen Spielereien mag, kann sie einzeln zuschalten.

Ähnliches gilt für den Pulsmesser, der auf der Rückseite angebracht ist. Die meisten S5-Besitzer werden ihn ignorieren. Im Zusammenspiel mit Samsungs Fitness-App S Health, die auch Training und Nahrungsaufnahme protokollieren kann, ist er aber durchaus sinnvoll.

Fazit

Wie seine Vorgänger kann auch dieses Samsung-Top-Smartphone mehr als ein normaler Anwender gebrauchen kann. Dabei ist es kein Spezialist, sondern Generalist, kann von allem ein wenig. Das mag auch den Erfolg dieser Handy-Serie ausmachen: Wer es kauft, findet darin immer etwas, das ihm gefällt, seien es die Dichtigkeit gegen Wasser oder die Möglichkeiten der Kamera. Das S5 ist ein gutes Handy, keines, das begeistert.

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