Samsung The Frame im Test Ein Bild von einem Fernseher

Ein schwarzer Kasten an der Wand - damit soll Schluss sein. The Frame von Samsung ist Fernseher und Bilderrahmen zugleich. Schön ist er trotzdem nicht. Und sparsam schon gar nicht.

Matthias Kremp

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Ich muss zugeben: Mich hat der neue Samsung-Fernseher namens The Frame schon beeindruckt, bevor er ein fertiges Produkt war. Mehrmals hatte Samsung auf Hightech-Messen wie der CES und der IFA Prototypen gezeigt. Der Aufbau war immer derselbe: An einer weißen Wand hingen Bilder und Zeichnungen verschiedener Künstler in unterschiedlichen Größen. Die Aufgabe des Betrachters war es, herauszufinden, welche Bilder echt sind und welche auf einem der neuen The-Frame-Fernseher angezeigt wurden.

Eine knifflige Aufgabe, denn da flimmerte nichts, da waren keine Pixel erkennbar. Die Bilderwand war perfekt zusammengestellt. Als mir ein The Frame zum Test angeboten wurde, zögerte ich nicht lange. Als der 65 Zoll große Testfernseher geliefert wurde, wunderte ich mich allerdings doch. Während andere TVs in den vergangenen Jahren immer schlanker wurden, wirkt der 3200 Euro teure The Frame klobig und schwer, was wohl an seinem kantigen Gehäuse liegt.

Das allerdings muss so sein. Nur so kann das TV aussehen wie ein Bilderrahmen. Für 300 Euro Aufpreis gibt es aufsteckbare Leisten im Holz-Look, die diesen Eindruck verstärken sollen. Mitgeliefert wurde mir außerdem ein Standfuß im Look einer Staffelei, der für 600 Euro Aufpreis die mitgelieferten Metallfüßchen ersetzt.

Ansonsten stimmt die technische Ausstattung mit der anderer Samsung-Fernseher aus dem oberen Preissegment überein: Alle Anschlüsse und einige Technik steckt in einer externen Box. So ragen nur zwei Kabel aus dem Gerät, der Stromanschluss und ein Glasfaserkabel, über das die externe Box angebunden wird. Letzteres ist so dünn, dass man es bei einer Wandmontage des TVs unter einer Tapete oder einer Schicht Farbe nahezu verschwinden lassen kann. Sehr elegant.

20 Euro pro Bild

Nach der Installation endlich eingeschaltet, zeigt sich, dass The Frame im TV-Modus ein ziemlich gutes Bild liefert. Weil sein Display UHD-Auflösung hat, also 3840 x 2160 Pixel anzeigt, kann er vor allem bei entsprechenden Filmen und Serien von Netflix und Amazon Video glänzen. Auch HD-Sendungen aus dem normalen Kabelfernsehen machen einen guten Eindruck. Nur bei alten SD-Sendungen muss man mit einem verwaschenen Bild leben. Ganz so gut wie andere High-End-Modelle von Samsung ist er nicht.

Aber das Besondere an The Frame ist ja nicht, dass man damit fernsehen, sondern dass man ihn als digitalen Bilderrahmen benutzen kann. Dafür wird der Apparat in einen Kunstmodus umgeschaltet, der automatisch aktiviert wird, wenn man die Ein/Aus-Taste auf der Fernbedienung drückt.

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Sobald man das tut, erscheint anstelle des sonst üblichen schwarzen Nichts ein Kunstwerk auf dem Bildschirm, samt Passepartout. Welches Bild es zu sehen gibt, entscheidet man selbst. Im TV sind 100 Bilder fest gespeichert. Das reicht von Landschaftsaufnahmen über Zeichnungen bis zu Tierfotos. Wem das nicht reicht, dem bietet Samsung für 4,99 Euro pro Monat ein Abo an, mit dem man Zugriff auf weitere Bilder von verschiedenen Anbietern bekommt. Einzelne Bilder kann man auch kaufen, muss dafür dann aber auch mal 20 Euro pro Stück bezahlen (siehe Bilderstrecke).

Als billige Alternative lassen sich via Smartphone-App eigene Fotos auf den Bildschirm kopieren. Um sie bildschirmfüllend anzeigen zu können, müssen die aber im Format 16:9 vorliegen.

Kann ein Staubsauger Kunst genießen?

Aber, so gut die virtuelle Kunst auch aussehen mag, ganz ohne Macken geht das nicht. Da ist zum einen der beträchtliche Stromverbrauch. Mein Messgerät zeigte im Kunstmodus fast immer einen Verbrauch von mehr als 110 Watt an. Im TV-Modus war der Verbrauch bei gleichbleibendem Umgebungslicht rund 20 Watt niedriger.

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Störend wirkte es zudem, wenn, etwa durch Wolken an einem sonnigen Tag, die Helligkeitssensoren des Geräts anfingen, die Hintergrundbeleuchtung des Bildes zu regeln. Gelegentlich schien das Bild dadurch regelrecht zu pumpen.

Die Sensoren sind aber durchaus wichtig, weil sie auch erkennen, ob sich jemand vor dem Fernseher befindet oder nicht. Ist niemand da, wird das Bild abgeschaltet und Strom gespart. Das kann allerdings auch passieren, wenn man weitgehend bewegungslos mit einem Buch in der Hand auf dem Sofa liegt. Umgekehrt hat der automatisch zum Putzdienst ausrückende Staubsaugroboter den Bildschirm regelmäßig aufleuchten lassen, auch wenn niemand im Haus war.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Hohe Bildqualität

Externe Anschlussbox

Apps für die wichtigsten Videodienste

Gute Fernbedienung

Kunstmodus

Teuer

Hoher Stromverbrauch im Kunstmodus

The Frame ist ein sehr guter Fernseher, der sich vor allem durch eine naturgetreue Bildwiedergabe auszeichnet und alle Funktionen hat, die ein modernes Smart-TV braucht. Der Kunstmodus ist eine nette Ergänzung. Statt wie ein schwarzes Loch an der Wand zu hängen, kann sich der große Apparat als Kunstwerk tarnen, wenn man nicht fernsieht. Der Stromverbrauch ist dabei allerdings zu hoch.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
MerlinXX 08.11.2017
1. Nix wirklich Neues
LG hatte sowas schon 2013 - und da es ein OLED war ist er vermutlich immer noch besser als der neue Samsung: http://www.lgblog.de/2013/09/09/gallery-oled-tv-als-gerahmtes-bild-an-der-wand-mit-sattem-sound/
midastouch 08.11.2017
2. Zu hoher Verbrauch
Das Konzept mit dem Bild gefällt mir ausgesprochen gut. Aber der hohe Verbrauch schreckt mich ab. 120W im Standby entsprächen bei mir 200€ Stromkosten im Jahr ohne MWSt. Gäbe es das gleiche Konzept mit 1W im Standby, würde ich mir das Teil kaufen.
zardoz77 08.11.2017
3. Schrecklich
Diese Glossy Fernseher die man nur noch kriegt sind schrecklich. Wenn man nicht gerade im Hobbykeller sowas aufstellt, wird jedes Fenster in der Umgebung zur Totalreflektion. In manchen neuen Fernsehern könnte man sich glatt rasieren. Was bringt einem die höchste Auflösung, wenn die Hälfte des Bildes aus Objekten besteht, die vor dem Schirm im Zimmer stehen? Je scharfkantiger diese Objekte reflektiert werden umso schlimmer, dann sieht man nen Film und ne weiße Vase oder eine Packung Taschentücher. Und ja auch matte Displays reflektieren, aber bei weitem nicht so stark und scharfkantig. Und nein, viele Menschen wollen das Zimmer nicht der Glotze anpassen, sondern die Glotze soll sich in einen bestehenden Raum einfügen. Ich räum nicht das halbe Zimmer um, damit es einigermaßen günstig zum Fenster steht. Und nein, ich lass auch nicht die Rolläden runter nur um TV zu gucken, bin schließlich kein Höhlenmensch. Leider gibts zu den glossy-Fernsehern inzwischen keine Alternativen mehr, jedenfalls nicht im UHD-Bereich. Und die Entspiegelungen die die Hersteller da anbieten, sind nur noch als schlechter Witz zu betrachten. In Testlabors werden höchste Entspiegelungsraten gemessen, in der Realität ist und bleiben solche Fernseher aber ein übergroßer Schminkspiegel.
galens 08.11.2017
4. Kunst?
Ich habe meinen Röhrenfernseher im Schrank und der verschwindet sehr künstlerisch wenn ich die Türen schließe .
DerBlicker 08.11.2017
5. überholte Technik
Samsung hat die OLED Technik verpennt und versucht nun verzweifelt in teuren Preisklassen mit sinnlosen Gimmicks wie einem fetten Rahmen um den Fernseher zu reüssieren. Entweder Samsung springt bald auf den OLED Zug auf, oder sie sind in den höheren TV Preisklassen chancenlos und überlassen das Feld LG, deren OLED Schirme auch in den Sony und Panasonic sowie Philips OLEDs stecken. Wer einmal OLED gesehen hat, der will kein LCD LED mehr, denn nur bei OLED ist schwarz auch schwarz und nicht dunkelgrau.
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