Schnellstart Startschuss für Googles TV-Projekt schon diese Woche?

Einem Bericht der "Financial Times" zufolge steht das TV-Projekt, das Google mit Intel und Sony plant, bereits vor dem Start. Es soll nun auch auf dem Fernseher ermöglichen, was die meisten Teenager längst für normal halten: Gleichzeitig Fernsehen und Internet nutzen.


London/San Francisco - Zwischen der Ankündigung einer neuen Technik und ihrer marktreifen Umsetzung liegen mitunter lange Wartezeiten - und ziemlich häufig verschwinden groß angekündigte Konzepte wieder in den Schubladen. So ist das in der Tech-Welt, nicht aber bei Google: Bei der Verwirklichung großer Ankündigungen zeigen die Suchmaschinisten aus Mountain View regelmäßig Streberqualitäten.

So auch im Fall der erst Mitte März angekündigten TV-Kooperation mit Sony und dem Chiphersteller Intel. Nicht lange, berichtete auch SPIEGEL ONLINE damals, werde es dauern, bis erste Sony-Fernseher mit integriertem Android-Betriebssystem zur parallelen Nutzung von Web und TV in den Läden stünden. Einen Monat später präzisierte das "Wall Street Journal" diese Erwartungshaltung und kündigte an, dass erste Modelle wohl schon auf der in dieser Woche stattfindenden "Google I/O"-Entwicklerkonferenz gezeigt werden würden.

Stimmt, legt nun die "Financial Times" nach: Der Internetkonzern Google und der Chiphersteller Intel wollen ihr Internet-Fernsehprojekt mit dem Elektronikkonzern Sony noch in der laufenden Woche vorstellen. Topmanager von Google und Intel seien bereit, Einzelheiten des Deals mit Sony zu enthüllen, berichtet die "Financial Times" am Montag. Bereits im April hatte es geheißen, dass Sony womöglich schon Mitte Mai marktreife Fernseher würde zeigen könne.

Mit einer TV-Plattform, die den Zuschauern gleichzeitig die Nutzung von Internetanwendungen wie Twitter oder sozialen Netzwerken ermöglicht, würde auch auf dem Fernseher möglich, was Millionen von Kids seit Jahren für den medialen Normalfall halten: Gleichzeitig zwischen Programmen zappen und mit anderen darüber chatten zum Beispiel. Das Ganze soll auf Intel-Chips und dem Google-Betriebssystem Android aufbauen, das schon auf diversen Smartphones läuft.

Branchenübergreifende gemeinsame Geschäftsinteressen

"Die bevorstehende Revolution ist die größte Veränderung seit dem Sendebeginn des Farbfernsehens", hatte Intel-Chef Paul Otellini Analysten in der vergangenen Woche gesagt. Intel erhofft sich aus dem Geschäft mit den Chips für Set-Top-Boxen starkes Wachstum. "Wir sehen den Beginn eines explosiven Wachstums", sagte Eric Kim jüngst, der Leiter der zuständigen Intel-Sparte.

Einige Fernseher und Set-Top-Boxen ermöglichen bereits Zugang zu Internetinhalten, aber die Auswahl ist noch gering und inhaltlich oft nur eine vorselektierte Auswahl. Telekomkonzerne wie die Deutsche Telekom sehen in der Konvergenz von Telekommunikation, Internet und Unterhaltungsmedien neue Wachstumschancen.

Für TV-Sender, deren Geschäftsmodell auf der Ausstrahlung eines mit regelmäßiger Werbung unterfütterten regulären Programms beruht, ist der klassische Fernsehapparat hingegen eine absolute Notwendigkeit. Auf dem TV-Gerät besteht die Chance zur Medienkonvergenz, der Verschmelzung verschiedener Medienplattformen, eher als auf dem PC-Monitor: Dort dominiert die On-demand-Nutzung und die hat mit Fernsehen weit weniger zu tun, als vielmehr mit der guten alten Videothek - sie ersetzt beide.

pat/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.