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DIY Drones: Drohnen aus dem Bastlershop

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Bastelspaß für Hacker Die Drohnen des Herrn Anderson

Eine Drohne selber zu bauen ist gar nicht so schwer, findet "Wired"-Chefredakteur Chris Anderson. In Las Vegas versuchte er, neue Anhänger für sein Hobby zu werben. Die angesprochenen Hacker waren begeistert, deren Kinder eher skeptisch.

Was ein cooles Spielzeug ist und was nicht, darüber herrscht im Hause Anderson Uneinigkeit. Vater Chris Anderson, Chefredakteur der amerikanischen Netzkultur-Zeitschrift "Wired", findet: Drohnen gehören zu den coolsten Spielzeugen überhaupt, erst recht, wenn man sich selbst eine baut. So schwer und teuer kann das ja nicht sein, dachte er sich eines Tages. Immerhin sind leistungsstarke Bewegungssensoren, wie sie beispielsweise in Smartphones gefunden werden, inzwischen bezahlbar geworden. "Letztendlich tragen wir das, was wir brauchen, doch längst in unseren Hosentaschen herum", sagt er seinem Publikum bei einem Vortrag auf der Hacker-Konferenz Defcon in Las Vegas.

Fünf Kinder hat er, zwischen vier und 14 Jahre alt; mindestens eines davon müsste Flugzeuge und Roboter doch so cool finden wie er. Also wollte er mit ihnen aus Lego eine Drohne bauen, denn Lego sei ein "großartiger Weg, damit anzufangen", sagt er. Die Kleinen allerdings hätten nichts davon wissen wollen. "Kinder sind schwer zu beeindrucken, erst recht mit Robotern." Zwar hätten sie ihm bereitwillig ihr Lego zur Verfügung gestellt und ihm zuliebe ein bisschen mitgebastelt, "aber sie haben schnell das Interesse verloren. Sie waren enttäuscht, weil der versprochene Roboter gar nicht kämpfen konnte."

Der Papa aber war vom ersten Versuch an fasziniert. Selbst jetzt auf der Bühne kann er kaum stillstehen, er fuchtelt mit einem kleinen Helikopter in der Luft herum und erzählt, wie er über die kleine Bastelei zum Drohnen-Freak wurde. Sein Publikum scheint ihn zu verstehen, mehrere hundert Zuhörer sind im Saal, überwiegend männlich - sie finden offenbar auch, dass Drohnen ein prima Spielzeug sind. Und genau darum geht es ja bei dem Hackertreffen: Gleichgesinnte finden, die die eigene Leidenschaft teilen.

600 Dollar statt sechs Millionen

Anderson spricht von der großen Do-it-yourself-Bewegung (DIY) im Drohnenbau, die in den letzten fünf Jahren entstanden ist und weiter wächst. Er gibt ihr mit der Website DIY Drones  ein Forum, in dem sich die Bastlergemeinschaft austauschen und gegenseitig helfen kann. Und er hat einen Weg gefunden, aus seinem Hobby ein Geschäft zu machen: Mit einem Partner gründete er eine Elektronikfirma, so dass die Bastler jetzt im an die Website angeschlossenen Online-Shop  alle Bauteile bekommen können, die sie brauchen.

Der Drohnen-Markt wachse, sagt Anderson. Mittlerweile haben die Amateure allein in den USA mehr als 10.000 der autonomen Flieger gebaut, mehr als das US-Militär in Benutzung hat. Kein Wunder, "unsere selbstgebauten Drohnen kosten nur 600 Dollar, die vom Militär sechs Millionen."

Ab in den Hacker-Kindergarten

Nach dem Vortrag versucht er doch noch einmal, auch Kinder für seine coolen Spielzeuge zu interessieren. "Nur meine Kinder interessieren sich nicht für Technik, hier sind andere Kinder: Defcon-Kinder", sagt er beim Raumwechsel. "Defcon Kids", das ist eine Art Hacker-Kindergarten während der Konferenz. In den 20 Veranstaltungsjahren haben die damals jungen Computer-Kiddies selber Nachwuchs bekommen und bringen ihn teilweise zur Defcon mit.

Hier lernen die Kleinen in Workshops White-Hat-Hacking und Schlösserknacken (Lockpicking), sie spielen mit Technikbaukästen und hören die Vorträge der Großen noch einmal exklusiv, ohne lange in der Schlange stehen zu müssen. Tatsächlich finden sie auch Andersons Drohnen spannend und sehen gebannt zu, wie er das Kamerabild am Laptop zeigt. "Ist so eine Kamera nicht wahnsinnig teuer?", fragt ein kleiner Junge. "Nein, keine Sorge, die werden ständig billiger", sagt Anderson und zeigt ihnen auch die Seite seines Geschäfts, wo es so etwas gibt. "Verdienst Du daran auch?", will ein Junge wissen. "Klar", sagt Anderson, "ich bin Mitbegründer und habe Anteile von 50 Prozent". Als er weg ist, guckt ein anderer kurz von seinem Tablet-Rechner hoch und sagt: "Der wollte uns bestimmt nur die Kameras verkaufen."