Seniorenhandys im Test Groß und laut sollen sie sein

Wenn die Augen schlechter werden und das Hören schwerfällt, wird es Zeit für ein besonderes Handy. Markus Bautsch von der Stiftung Warentest erklärt, was Handys für ältere Menschen von normalen Smartphones unterscheidet.
Ein Interview von Arno Makowsky
Seniorenhandys: Mittelding zwischen Notfallhandys und normalen Handys

Seniorenhandys: Mittelding zwischen Notfallhandys und normalen Handys

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Drazen Zigic / Getty Images/iStockphoto

SPIEGEL: Herr Bautsch, zunächst: Warum verwenden Sie eigentlich den Begriff Seniorenhandys? Mit unübersichtlichen Displays und winzigen Tastaturen haben ja nicht nur ältere Leute Probleme, sondern auch Menschen mit Sehbehinderung und anderen Handicaps.

Bautsch: Wir haben über diese Frage lange diskutiert und uns dann doch für »Seniorenhandys« entschieden, weil praktisch alle Anbieter diesen Begriff verwenden. Auch wenn man diese Produkte über Google sucht, muss man »Seniorenhandys« eingeben. Wir finden das nicht gut, aber es ist halt so.

SPIEGEL: Was genau versteht man darunter?

Bautsch: Seniorenhandys sind ein Mittelding zwischen Notfallhandys, die nur wenige Alarmknöpfe haben und mit denen man zum Beispiel nach einem Sturz Hilfe holen kann, und normalen Handys. Normal heißt entweder sogenannte Einfachhandys mit Tastatur und kleinem Display, teilweise zum Aufklappen – oder die extrem verbreiteten internetfähigen Smartphones. Dann gibt es noch eine dritte Gruppe, die Hybridhandys. Die haben ein größeres Display und meist größere Tasten als die Einfachhandys, man kann damit aber ins Internet gehen.

SPIEGEL: Sind ältere Leute heutzutage nicht an normale Smartphones gewöhnt?

Bautsch: Klar, viele Seniorinnen und Senioren kommen damit wunderbar zurecht. Aber es gibt nun einmal die Altersschwerhörigkeit und -weitsichtigkeit. Irgendwann tut man sich einfach schwer.

SPIEGEL: Man kann aber doch die Buchstaben vergrößern und die Lautstärke hochdrehen...

Bautsch: Ja, man kann auch die Apps größer einstellen und nur wenige davon herunterladen, damit es übersichtlicher wird. Viele Ältere lassen sich von Kindern und Enkeln dabei helfen, das funktioniert oft gut. Aber spätestens, wenn die Einschränkungen so groß werden, dass man zum Beispiel mit dem Touchscreen nicht mehr gut umgehen kann, ist ein Seniorenhandy sinnvoll. Es handelt sich übrigens um keinen großen Markt. Aber für die Betroffenen sind diese Produkte wichtig.

SPIEGEL: Welche Besonderheiten haben diese Handys?

Bautsch: Grundsätzlich ist das Ziel eines Seniorenhandys, dass es möglichst wenige Funktionen hat, die ganz einfach zu bedienen sind. Viele alte Menschen brauchen zum Beispiel kein Internet, ihnen reichen E-Mail, SMS und einige Telefonnummern auf Direktwähltasten. Funktionen wie Organizer und MP3-Player verwirren sie nur.

Bei Seniorenhandys sind auch Notruftasten üblich. Die sind nicht nur für die 112 gedacht, sondern man kann damit auch Freunde, Kinder, Nachbarn rufen, die im Notfall helfen. Außerdem lassen sich manche Seniorenhandys extrem laut einstellen. Das Tiptel-Handy in unserem Test ist bis zu 120 Dezibel laut. Wenn Sie sich das ans Ohr halten, tut es weh. Aber für manche Hörgeschädigte ist das die einzige Möglichkeit, überhaupt noch zu telefonieren.

SPIEGEL: Was ist bei Ihrem Test unterm Strich herausgekommen?

Bautsch: Vier von 15 Geräten haben mit »gut« abgeschnitten, die meisten waren immerhin befriedigend. Vor allem die Hybridhandys haben uns nicht überzeugt. Man kann damit zwar im Internet surfen, aber das Display und die Tasten sind zu klein. Das Telme X200 war wegen des nicht bestandenen Falltests mangelhaft.

SPIEGEL: Wie teuer sind diese Geräte?

Bautsch: Nicht sehr teuer. Auch für weniger als 100 Euro bekommt man schon brauchbare Lösungen. Das betrifft die Einfachhandys. Bei den Smartphones geht es eher in Richtung 200 Euro.

SPIEGEL: Welche Produkte können Sie empfehlen?

Bautsch: Die beiden Handys, die bei uns mit »gut« abgeschnitten haben, sind das Doro 6040 für 58 Euro und das Tiptel Ergophone 6420 für 70 Euro. Bei den Smartphones mit Touchscreen, Internetzugang und frei installierbaren Apps hat uns das Doro 8050 am meisten überzeugt. Es kostet allerdings 214 Euro.

SPIEGEL: Mit welchem Betriebssystem arbeiten Seniorenhandys?

Bautsch: Die Smartphones in unserem Test haben alle Android oder Varianten davon. Bei den Hybridhandys gibt es teilweise sogar eigene App-Stores. Bei den Einfachhandys hat jeder Anbieter sein eigenes Betriebssystem.

SPIEGEL: Wir leben in einer alternden Gesellschaft. Rechnen Sie damit, dass die Hersteller darauf mit mehr und besseren Seniorenhandys reagieren?

Bautsch: Die kleineren Hersteller von Einfachhandys reagieren darauf und kündigen neue Modelle an, die großen Anbieter wie Apple oder Samsung bisher nicht. Es liegt vielleicht daran, dass es sich um einen Nischenmarkt handelt, auch wenn die Gesellschaft älter wird. Viele der Menschen, die jetzt ins Seniorenalter kommen, sind lange an normale Handys gewöhnt. Solange die noch halbwegs hören und sehen können, wollen sie nichts anderes.

SPIEGEL: Wie darf man sich den Test von Seniorenhandys vorstellen? Werden die Geräte wirklich von älteren Menschen geprüft?

Bautsch: Ja. Wir hatten neun Probanden zwischen Mitte 50 und Mitte 80. Von Seh- über Hör- bis zu taktilen Behinderungen haben wir in diesem Panel alle Handicaps abgebildet, die auch in der Gesellschaft vorkommen. Das war ein sehr aufwendiger Test.

Lesen Sie hier den kompletten Test der Stiftung Warentest  inklusive Testtabelle und stöbern zusätzlich in der umfangreichen Test-Datenbank.