Soundbar Sennheiser Ambeo im Test Lautsprecher vorn, Klang überall

In der Ambeo-Soundbar von Sennheiser sollen 13 Lautsprecher für Rundum-Sound sorgen. Die Technik wurde mit dem Fraunhofer-Institut entwickelt. Ob die Wissenschaft dem Klang zugutekommt, klärt der Praxistest.

Matthias Kremp / SPIEGEL ONLINE

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"So ungefähr muss es sich anfühlen, wenn man mit einem Alligator ringt", denke ich, als ich die neue Soundbar von Sennheiser vorsichtig aus ihrem Karton wuchte. Immerhin bringt die gut 1,25 Meter lange Lautsprecherbox fast 20 Kilo auf die Waage. Damit fühlt sie sich zumindest wertig an. Das sollte sie bei einem Preis von knapp 2500 Euro aber auch.

Wer bereit ist, so viel Geld für eine Soundbar auszugeben, bekommt neben viel Gewicht auch reichlich Technik geboten. Sennheiser baut insgesamt 13 Lautsprecher in die Box ein.

Von außen betrachtet wirken alle identisch, doch unter dem schützenden Stoffbezug sieht es anders aus: Sechs Basslautsprecher strahlen direkt nach vorne ab, während von den fünf kleineren Hochtönern nur drei nach vorne tönen und je einer links und rechts in den Seiten steckt. Zusätzlich sind auf der Oberseite links und rechts Breitbandlautsprecher eingebaut, die ihren Ton nach vorne und nach oben abgeben. Wie das unter der Verkleidung aussieht, zeigt unsere Fotostrecke:

Fotostrecke

13  Bilder
Soundbar Sennheiser Ambeo: Viele Lautsprecher helfen viel

Das Ergebnis, verspricht der Hersteller, ermögliche es, "5.1.4 Home Entertainment mit einem einzigen All-in-One-Gerät" zu erleben. Gemeint sind damit beispielsweise Filme mit einer Dolby-Atmos-Tonspur für Raumklangeffekte. Um die in voller Pracht hören zu können, braucht man normalerweise zehn Lautsprecher, die sorgsam im Raum platziert sind. Davon vier an der Decke, zwei hinter den Zuschauern, zwei links und rechts vom TV, einer darunter und einen Subwoofer.

Um mit einer einzigen Soundbar einen ähnlich dreidimensionalen Klangeindruck zu erzeugen wie mit einem so aufwendigen Setup, hat Sennheiser zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (Fraunhofer IIS) eine Technologie entwickelt, mit der sozusagen virtuelle Lautsprecher im Raum platziert werden können.

Ein bisschen wie ein U-Boot

Die Grundlage dafür bildet eine vom Fraunhofer IIS entwickelte Technologie namens upHear Immersive Audio Virtualizer. Die sorgt letztlich dafür, dass die vielen Lautsprecher der Sennheiser-Soundbar die Wände, Decke und Fußboden des Raumes als Reflektionsflächen verwenden, über die Töne gezielt so umgeleitet werden, dass eben der Eindruck entsteht, man wäre regelrecht von Lautsprechern umgeben.

Damit das funktioniert, muss die Soundbar freilich zunächst verstehen, wie der Raum aufgebaut ist. Dazu platziert man ein mitgeliefertes Messmikrofon dort, wo man beim Fernsehen für gewöhnlich sitzt. Die Soundbar erzeugt dann eine Serie von Tönen und vermisst, ungefähr wie ein U-Boot mit seinem Sonar das Meer, den Raum um sich herum.

Und wie klingt das?

Das Ergebnis ist beeindruckend. Bei Filmen mit aufwendig produzierten Dolby-Atmos-Sound, wie etwa "Ready Player One", scheinen Klänge teilweise regelrecht im Raum zu schweben. Obwohl die Soundbar doch vor mir steht, kommen einige Geräusche doch auch eindeutig von hinter mir. Dabei ist da nur die Wand.

Im direkten Vergleich mit meiner Sonos-Soundbar, die nur ein Drittel dessen kostet, was Sennheiser verlangt, ist die Soundbar von Sennheiser nicht nur breiter und fetter, sie klingt auch so. Dabei wirkt sie sehr luftig, nie angestrengt und produziert eine sehr locker wirkende Klangkulisse.

Bei entsprechend ausgesteuerten Filmeffekten kann sie aber auch im Bassbereich kräftig zulangen und den Raum erschüttern. Das gelingt nicht ganz so gut wie mit einem dedizierten Subwoofer, reicht aber locker aus, um auch die Nachbarn am filmischen Geschehen teilhaben zu lassen. In den Modus "Musik" umgeschaltet, eignet sie sich auch als partytaugliche Musikanlage, die es durchaus schafft, ein sehr breites Stereo-Klangbild zu erzeugen.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Beeindruckender Rundumsound

Sehr gutes, klares Klangbild

Steuerung per App möglich

Automatische Klanganpassung an den jeweiligen Raum

Hoher Preis

Das Experiment ist gelungen: Der Ambeo-Soundbar von Sennheiser gelingt es recht überzeugend, ein 3D-Soundsystem mit nur einer Box zu ersetzen. Der Aufwand dafür ist mit 13-Lautsprechern, reichlich Computertechnik und sogar einer App zur Steuerung des Systems allerdings ebenso beträchtlich wie der Preis.

Den muss man freilich ins Verhältnis setzen. Für ein 5.1.-System von Sonos beispielsweise zahlt man rund 2000 Euro, ein "5.1.4-Set" wird von Teufel für 4700 Euro angeboten. Beide liefern dank Subwoofer sicher drückendere Bässe als die Ambeo-Soundbar, bedingen aber auch, dass man weit mehr Lautsprecher aufstellt.

Wenn man kein Fan solcher Installationen ist, bekommt man mit Sennheisers Soundbar die elegantere Lösung.

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
cat69 15.07.2019
1. Der genannte Nachteil ist keiner
Es steht auch im Artikel, man bekommt für so wenig Geld bei der Kompaktheit nirgends vergleichbares geboten. Dann sollte man auch kein Schnäppchenpreis erwarten und diese Kategorie ganz weglassen, jedenfalls nicht negativ bewerten.
markus001 15.07.2019
2. Sonos Soundbar Vergleich am TV?
Meine Sonos Soundbar ist zum TV schauen ziemlich mühsam, da HDMI via Verstärker. Viel Gefrickel, lip syn nicht optimal. Plus die Zwangsbindung an Sonos. Hätte man auch als Vorteile für den Sennheiser nennen können. FInde ich zumindest...
syracusa 15.07.2019
3. welche Medien nutzen das
Eine für mich (auf diesem Gebiet totaler Laie) sehr wichtige Frage lässt der Autor leider unbeantwortet: Welche Medien unterstützen das? Wird die "Dolby-Atmos-Tonspur für Raumklangeffekte" auch im TV übertragen? Oder hat man nur beim Abspielen von speziellen DVDs was davon?
altertainment 15.07.2019
4.
Ein guter Artikel zu dem Thema hätte etwas weniger so getan, es handele sich hierbei um einen Weltneuheit / einen sensationellen wissenschaftlichen Durchbruch , und hätte zumindest am Rande mal erwähnt, dass z.B. Yamaha mit der YSP 5600 schon seit längerem eine Soundbar im Angebot hat, die (zu einem ca 40% günstigeren Preis) mit über 40 integrierten Lautsprechern und einem ähnlichen Funktionsprinzip einen guten 7.1.2 Sound erzeugen kann. Auch hätte man (mindestens mal in der Liste der "Nachteile") darauf eingehen können, dass dieses System (sowohl von Sennheise als auch von Yamaha) nur dann funktioniert, wenn der Raum bestimmte Bedingungen hinsichtlich Form, Größe, Symmetrie und Position der Einrichtungsgegenstände erfüllt... Großer, offener Wohnbereich mit Küche und Essbereich auf der einen Seite und Fernsehecke in der anderen (wie es in den meisten Wohnungen von Leuten, die sich so ein Spielzeug leisten könnten heutzutage vermutlich aussieht) bedeutet: Das ganze funktioniert nicht. Weil auf mindestens einer Seite die nötige Wand für die Reflektionen fehlt bzw. zu weit entfernt ist.
benmartin70 15.07.2019
5.
Zitat von syracusaEine für mich (auf diesem Gebiet totaler Laie) sehr wichtige Frage lässt der Autor leider unbeantwortet: Welche Medien unterstützen das? Wird die "Dolby-Atmos-Tonspur für Raumklangeffekte" auch im TV übertragen? Oder hat man nur beim Abspielen von speziellen DVDs was davon?
DVD's? 20. Jahrhundert? Das ist wohl eher veraltet..... Im herkömmlichen TV gibt es meines Wissens kein Dolby Atmos. Bestenfalls über Streaming (Netflix und co) Blu Rays haben Dolby Atmos Tonspuren bzw die entsprechenden 4K Medien.
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