Skullcandy Crusher Wireless im Test Das Bassmonster

Lange war ich der Meinung, Kopfhörer könnten gar nicht fett genug wummern. Der Skullcandy Crusher Wireless hat mich nun eines Bässeren belehrt.

SPIEGEL ONLINE

Von


Der spontane Test dieses neuen Kopfhörers hat mich etwas gelehrt: Ich sollte manche Dinge erst in Ruhe ausprobieren, bevor ich damit vor die Tür gehe.

Mir war klar, dass der Skullcandy Crusher Wireless kein gewöhnlicher Kopfhörer ist. In der Beschreibung des 150-Euro-Gadgets ist von einer "Stereo Haptic Response" die Rede, die "für spürbare Bässe" sorgen soll. Aber, na ja, ähnlich blumige Versprechen habe ich schon oft gehört.

Mit einem Schieber an der Seite soll sich die Basswiedergabe stufenlos regeln lassen, heißt es auf der Hersteller-Website, die ich mir noch schnell anschaue, bevor ich den Crusher in der U-Bahn zum ersten Mal überstülpe und besagten Regler verschiebe.

Fotostrecke

7  Bilder
Skullcandy Crusher Wireless: Der Kopfhörer mit dem Extrabass

Nur in und auf meinen Ohren

Sofort zucke ich erschrocken zusammen. Bei dem basslastigen Beyoncé-Song, den ich anspiele, dröhnt und vibriert der Kopfhörer dermaßen auf meinen Ohren, dass ich mich verwundert umschaue: Warum beschwert sich keiner meiner Mitfahrer, warum sehe ich keine bösen Blicke?

Als ich den Kopfhörer bei laufender Musik absetze, verstehe ich die Zurückhaltung der anderen: Von außen ist von dem Bassgewummer nichts zu hören. Es dringt ebenso viel oder wenig Musik nach außen, wie bei anderen geschlossenen Kopfhörern auch. Das Bassgewitter spielt sich ausschließlich in und auf meinen Ohren ab.

Mit dem Schieberegler kann ich die Basswiedergabe dabei von "ziemlich fett" bis zu "fast unerträglich" variieren. Ich kann nur vermuten, dass die Entwickler dieser Technik junge Männer als Zielgruppe sehen, die im 3er-BMW mit eingeschalteten Nebelleuchten (weil sie glauben, dass der Wagen dann größer wirkt) und voll aufgedrehtem Subwoofer durch die Stadt heizen.

So viel steht jedenfalls schnell fest: Das Versprechen, Bässe fühlbar zu machen, übererfüllt der Crusher sogar. Mit Hi-Fi hat der bassgeschwängterte Sound allerdings nichts zu tun. Das merke ich auch, als ich mir damit ein paar Szenen aus dem aktuellen "Star Wars"-Film und "Der Marsianer" anschaue: Sobald ich den Bassregler auf etwa 50 Prozent aufdrehe, ertönt in vielen Szenen ein unterschwelliges Dröhnen.

Er kann es doch

Solange die Bassverstärkung nicht aktiviert ist, klingt der Skullcandy-Kopfhörer dagegen richtig gut. Nicht gerade analytisch, aber doch sehr gut. Schon in der Grundeinstellung kann man ihm keinen Mangel an Bässen vorwerfen. Belässt man den Bassregler am unteren Ende der Skala, spielt der Crusher transparent und druckvoll. Voll aufgedreht jedoch wird er zum Bassmonster.

Der Klangeindruck erinnert mich dann an das Gefühl, das man hat, wenn man bei einem Stadionkonzert vor den Basslautsprechern der PA-Anlage steht: Der Bass ist derart dominant, dass er den Körper zum Schwingen bringt, alles andere mit einer dicken, dumpfen Decke überzieht.

Können das auch andere?

Die Idee des Kopfhörers erinnert an den Custom One Pro von Beyerdynamic, dessen Basswiedergabe sich ebenfalls über einen Schieberegler von moderat bis extrastark variieren lässt. Im Gegensatz zum Crusher intensiviert er die Basswiedergabe aber nur mit akustischen Tricks, ohne sie aktiv zu verstärken oder gar spürbar zu machen.

Eine andere Möglichkeit, Bässe beim Musikhören auf der Straße körperlich spürbar zu machen, ist das Basslet-Armband des Berliner Start-ups Lofelt. Anders als der Crusher, der die tiefen Töne durch Vibrationen direkt an den Ohren spürbar macht, wirkt es mit seinen Vibrationen am Handgelenk indirekt und subtil. Es dauerte im Test ein paar Tage, sich daran zu gewöhnen. Die Wirkung des Skullcandy-Kopfhörers erfolgt sehr viel direkter.

Für seinen Bluetooth-Kopfhörer verspricht Skullcandy übrigens eine Akkulaufzeit von 40 Stunden. Respekt, wenn er das wirklich schafft. Ausprobiert habe ich es noch nicht.

Fazit

Den Crusher kann man nur lieben oder hassen. Wem die Bässe gar nicht fett genug sein können, dem hat Skullcandy hier einen Traumkopfhörer gebaut. Er macht seinem Namen alle Ehre und zermalmt Musik geradezu unter seiner Basswalze.

Mit gutem Klang hat es aber nichts zu tun, wenn man die Bässe voll aufdreht und sich von den Vibrationen die Kopfhaut massieren lässt. Zieht man den Bassregler in Richtung der Nullposition zurück, wird der Sound spürbar besser, sogar richtig gut. Ohne den Extrabass wäre der Crusher daher besser - und womöglich billiger als 150 Euro.

Vorteile und Nachteile

Guter Grundsound

Gute Verarbeitung

Basseffekt übertönt die Musik

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
heike.tamuz 10.04.2017
1. Zukunft Tinnitus..
Achtung! Achtung! Besser nachdenken, bevor man sich Bässe ins Gehör jubelt..
Frittenbude 10.04.2017
2. Verständnisfrage
Und warum kann man den Kopfhörer nun "nur lieben oder hassen", wenn man doch die übertriebene Bassbetonung wegregeln kann, sodass der "Sound spürbar besser, sogar richtig gut" wird? Klingt für mich weder nach Liebe, noch nach Hass.
liquimoly 10.04.2017
3. Und was kommt danach?
Der Herstller wird sicher auch schon Pläne für das Nachfolgeprodukt mot noxh extremerer Bassverstärkung in der Schublade haben, wenn sich millionen Käufer mit dem aktuellen Modell ihr Gehör ruiniert haben werden. So wie MP3 erst dann zu ungeminderten Hörerlebnis führt, nachdemdas Gehör jahrelang mit lauten Kopfhörern ruiniert wurde.
erzengel1987 10.04.2017
4. ok?
Eine Frage was bringt mir so ein extremer Bass auf einem Kopfhörer? Einen ordentlichen Bass fühlt man im gesamten Körper :-). Jedenfalls ich bin mit meinen Kopfhörern bisweilen zufrieden mir reichen sie aus und ich seh keinen Grund dafür noch mehr Geld auszugeben. Bei ordentlichen Boxen bin ich hingegen schon eher bereit mehr auszugeben.
ElkeOspert 10.04.2017
5.
Zitat von liquimolyDer Herstller wird sicher auch schon Pläne für das Nachfolgeprodukt mot noxh extremerer Bassverstärkung in der Schublade haben, wenn sich millionen Käufer mit dem aktuellen Modell ihr Gehör ruiniert haben werden. So wie MP3 erst dann zu ungeminderten Hörerlebnis führt, nachdemdas Gehör jahrelang mit lauten Kopfhörern ruiniert wurde.
Das genaue Gegenteil ist richtig.. Die MP3-Kompression beruht auf dem akustischen Modell eines GESUNDEN Ohrs. Ein gesundes Ohr hat keine drastischen Aussetzer im Frequenzgang. Wer zwei benachbarte Frequenzen ungefähr gleich laut wahrnimmt der hört auch Frequenzen dazwischen in annähernd der gleichen Lautstärke. Und für dieses gesunde Gehör gilt eben auch, dass ein leises Signal durch ein lautes Signal auf einer benachbarten Frequenz nicht mehr wahrnehmbar ist und dadurch durch die MP3-Komprimierung auch weggelassen werden kann. Hat nun aber jemand (z.B. durch häufigen lauten Kopfhörergebrauch) auf einer bestimmten Frequenz ein Hörproblem dann weiß die MP3-Kompression das natürlich nicht - und entsprechend weiß sie auch nicht das in diesem Fall ein lautes Signal auf dieser Frequenz für den Betroffenen gar nicht oder nur sehr schwach wahrgenommen wird. Und deswegen ein leiser Ton auf einer benachbarten Frequenz für Menschen mit diesem Hörfehler eben doch wahrnehmbar ist. Wer also tatsächlich in der Lage ist z.B. mp3 mit 256 KBit/s von CD zu unterscheiden (das sollte man allerdings verblindet testen) der hat das nicht einem besonders guten Gehör zu verdanken sondern sollte stattdessen eher einen Besuch beim Ohrenarzt in Betracht ziehen. OK - wenn man natürlich weitgehend auf allen Frequenzen taub ist dann hört man natürlich auch keinen Unterschied mehr zwischen CD und MP3 -genauso wenig wie diejenigen mit guten Ohren einen Unterschied hören.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.