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OnePlus One im Test: High-End-Smartphone für 300 Euro

Foto: Matthias Kremp

OnePlus One Highend-Smartphone für 299 Euro

Mit dem Smartphone One will das chinesische Start-up OnePlus gegen die Edelhandys von Samsung, LG und HTC ankommen. Für gerade mal 299 Euro soll es High-End-Technik und schickes Design bieten. Klappt das?

So stellt man sich das vor: Ein High-End-Handy, das toll aussieht, gut verarbeitet ist und mit allem technischen Schnick und Schnack an Bord nicht 600, 700 oder 800 Euro kostet, sondern für 300 Euro zu haben ist. Genau das soll das One  sein, das erste Smartphone des chinesischen Start-ups OnePlus . Die Ankündigung dieses Preisbrechers schlug im April hohe Wellen. Umso mehr, als OnePlus das Gerät selbstbewusst als "2014 Flaggschiff-Killer" ankündigte. Flaggschiffe nennen die großen Hersteller ihre Spitzenmodelle - das Galaxy S5 von Samsung oder das One (M8) von HTC etwa.

Logisch, dass ich wissen wollte, ob die bis dahin unbekannte Firma ihr Versprechen einlösen kann, und ein One von OnePlus bestellte. Als das endlich eintraf, war die Überraschung groß: In dem Luftfrachtbeutel steckte ein schmuckloser Karton, den nur ein kleines OnePlus-Logo zierte, das gleichermaßen als Öffner fungiert (siehe Bilderstrecke).

So wie die schlichte Verpackung gefällt mir auch das Handy auf den ersten Blick. Die Rückseite meines Exemplars nennt der Hersteller Sandstone Black. Sie sieht edel aus und fühlt sich an wie extrasanftes Schleifpapier. Auf der Vorderseite ist der Bildschirm von einem dünnen Rahmen eingefasst. Der einzige Makel: Das Deckglas steht nach oben leicht über. Das können andere besser. Beispielsweise Nokia beim Lumia 930.

Lieber 30 Euro mehr ausgeben

Technisch lässt das One nichts aus, was derzeit angesagt ist: Der Bildschirm ist mit 5,5 Zoll sehr groß, zeigt Full-HD-Auflösung an. Die Farben sind knackig, die Kontraste stark, und wenn man die automatische Steuerung abschaltet, kann er kräftig gegen helles Umgebungslicht anleuchten. Von einem Gelbstich, den manche One-User bei ihren Geräten beklagen, ist bei meinem Exemplar nichts zu sehen.

Auch die Prozessorleistung lässt nichts zu wünschen übrig. Mit mehr als 2700 Punkten im Geekbench-Testprogramm ist der Quadcore-Chip des One gleichauf mit Sonys Xperia Z2. Passend dazu ist die Netzwerkanbindung mit allen aktuellen Standards möglich, unter anderem LTE, das Gigabit-W-Lan 802.11 ac und das sparsame Bluetooth 4.0. Ein kleines Manko: Der Speicher ist nicht erweiterbar. Da man aber für 30 Euro Aufpreis anstelle der 16-GB-Standardversion ein 64-GB-Modell bekommen kann, lässt sich das verschmerzen.

Eine leichte Überempfindlichkeit

Ungewöhnlich im Vergleich mit Handys von HTC, Samsung oder LG ist das Betriebssystem. Zwar ist grundsätzlich die Android-Version 4.4.2 installiert, doch spielt OnePlus nicht das Google-Original auf, sondern die CyanogenMod -Variante. Dabei handelt es sich um ein modifiziertes Android, das zusätzliche Funktionen bietet.

Zu denen gehören auch verschiedene nachladbare Designs für die Benutzeroberfläche, die teils kostenlos, teils gegen Gebühr angeboten werden. Und es gibt, so wie beispielsweise bei einigen LG-Smartphones, die Option, das Handy per Doppeltippen auf den Bildschirm aus dem Ruhezustand zu wecken, statt die Ein/Aus-Taste zu drücken. Im Gegensatz zu den LG-Geräten ist diese Funktion beim One allerdings überempfindlich, so dass sich das Gerät im Test auch schon mal in der Hosentasche einschaltete, Fotos knipste und Telefonnummern wählte. Nach zwei Tagen habe ich sie deshalb wieder abgeschaltet.

Der Akku schafft's

Auf die Kamera, die OnePlus von Sony bezieht, würde ich dagegen nicht verzichten. Die Hardware bietet schon von sich aus gute Qualität, aber die chinesische Firma garniert sie mit einer Foto-App, die neben einer Automatik etliche Extras wie Szenen-Modi und manuelle Einstellmöglichkeiten bietet. Einzig die Panoramafunktion nervt ein wenig, weil sie auf dem Bildschirm ein stark verkleinertes Vorschaubild anzeigt.

Eine positive Überraschung ist die Akkulaufzeit. Handys dieser Größenordnung bieten viel Platz für einen großen Energiespeicher, brauchen aber auch viel Strom, um das Display zu beleuchten. Meist halten sie deshalb nicht länger durch als kleinere Smartphones, schaffen in der Regel gerade einen Arbeitstag. Das One überraschte mich, weil es auch am nächsten Morgen noch für einige Stunden Energie hatte, wenn ich vergaß es abends an die Steckdose anzuschließen.

Fazit

Das One ist ein Preisbrecher: So viel aktuelle Technik so gut verpackt, bekommt man bei keinem anderen Hersteller. Schon gar nicht für 300 Euro.

Trotzdem kann man das One nicht einfach kaufen, sondern muss hoffen, dazu eingeladen zu werden. Bisher vergibt OnePlus mit verschiedenen Methoden solche Einladungen an Interessenten. Unter anderem bekommen Käufer des Handys solche Einladungen, die sie dann an Freunde weitergeben können. Der Hersteller begründet das skurrile System mit der noch zu geringen Zahl produzierter Geräte.

Den Mangel nutzen einige Online-Händler, um das One mit teilweise dreistelligen Preisaufschlägen und horrenden Versandkosten anzubieten. Auf Anfrage erklärte eine OnePlus-Sprecherin, man werde die Produktion steigern und demnächst auch eine Art Warteliste für Kaufinteresssenten einführen. Einen Termin dafür konnte sie nicht nennen.

Anmerkung des Autors: Da wir gerade mit Anfragen überhäuft werden: Nein liebe Leser, wir haben keine Einladungen zum Kauf eines OnePlus One, die wir Ihnen vermitteln könnten.

Technische Daten

Hersteller OnePlus
Modell One
Maße (Millimeter) 153 x 76 x 9
Gewicht 162 Gramm
Sprechzeit k.A.
Standby k.A.
Display-Diagonale 5,5 Zoll
Display-Auflösung 1920 x 1080
Prozessor 2,5 GHz Quadcore
Arbeitsspeicher 3 GB
Massenspeicher 16/64 GB
Speichererweiterung Nein
Kamera 13 Mpx
Mobilfunktechnik LTE
W-Lan 802.11 b/g/n/ac
Bluetooth 4.0
Betriebssystem CyanogenMod 11S (Android 4.4)
Besonderheiten Dual-LED-Blitz, SMS-Verschlüsselung
Preis 269/299 Euro
Alle Daten sind Herstellerangaben
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