Smartphone-Trend Nokia verliert, Apple und Google legen kräftig zu

Der Vorsprung schrumpft: Handy-Weltmarktführer Nokia verliert einer aktuellen Untersuchung zufolge weiter Marktanteile. Zwar liegen die Finnen insgesamt weiter vorn, doch die Konkurrenz holt schnell auf.

Nokia-Smartphone N8: Der Vorsprung des Marktführers schrumpf
Matthias Kremp

Nokia-Smartphone N8: Der Vorsprung des Marktführers schrumpf


Die Marktforscher von Comscore versuchen ihre neuesten Zahlen positiv zu deuten: Nokias Symbian liege weiterhin an der Spitze der populären Smartphone-Betriebssysteme in Deutschland, schreiben die Autoren einer aktuellen Untersuchung. Demnach kann sich das finnische Unternehmen mit 47,7 Prozent Marktanteil bei Smartphones in Deutschland immer noch als Marktführer behaupten, was eine gute Nachricht für Nokia ist. Die schlechte ist allerdings, dass Nokia noch vor einem Jahr mit 58,5 Prozent einen deutlich klareren Vorsprung vor der Konkurrenz hatte.

Comscore zufolge hat Nokia zwischen November 2009 und November 2010 also 10,8 Prozent Marktanteil verloren. Verschärft wird dieser Trend durch Comscores Berechnung wonach die Zahl der Smartphone-Anwender in Deutschland im selben Zeitraum um 5,1 Millionen, entsprechend 65 Prozent, gewachsen sei. Das korreliert mit anderen Studien, denen zufolge der Markt für Smartphones derzeit boomt. Normale Handys, mit denen man nur Telefonieren und Textnachrichten verschicken kann, die also nur Grundfunktionen bieten, werden von den Konsumenten nur noch wenig nachgefragt.

Von diesem Trend profitieren derzeit vor allem Firmen, die im Vergleich mit Nokia noch als Newcomer im Handygeschäft angesehen werden, allen voran Google und Apple. Geräte mit Apples iOS haben laut Comscore mittlerweile einen Anteil von 19,5 Prozent am deutschen Smartphone Markt. Den größten Zuwachs kann allerdings Google vorweisen. Dessen Handy-Betriebssystem Android hat um 9,2 Prozent auf jetzt 10,6 Prozent zugelegt.

Handys mit Microsofts Windows-Betriebssystem haben dagegen kräftig an Popularität verloren. Ihr Anteil ging von 18,4 auf 13,7 Prozent zurück. Was bei dieser Angabe allerdings zu beachten ist ist, dass Microsoft bereits im Februar 2010 sein neues Windows-Phone-7-Sytsem angekündigt hatte, erste Handys mit der neuen Software aber erst im Oktober im Handel erschienen sind. In der Zwischenzeit dürften Interessenten an einem Windows-Handy eher zurückhaltend gewesen sein.

Welchen Stellenwert Smartphones mittlerweile besitzen, lässt sich daran ablesen, dass Comscore zufolge derzeit nahezu jedes vierte Handy, genau 23 Prozent, bereits ein solches "intelligentes" Mobiltelefon ist. Und ihr Anteil nimmt weiter stetig zu. Bemerkenswert sei zudem, dass im November 2010 65 Prozent aller deutschen Smartphone-User mindestens ein Mal im Monat auf das Mobile Internet zugegriffen haben. Weil außerdem immer mehr Apps, also spezielle Programme für Handys, gibt, würden die Geräte zusehends den PC ablösen, vor allem bei Online-Anwendungen.

Diesen Trend haben längst auch die Handy-Hersteller erkannt und versuchen immer mehr Funktionen in ihre Geräte zu stopfen. Ein Unternehmen allerdings ist bereits einen Schritt weiter gegangen: Motorola Mobility hat jüngst auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas ein Gerät vorgestellt, dass sich einerseits als normales Smartphones nutzen lässt, das aber zu einem veritablen Netbook wird, wenn man es in ein als Zubehör erhältliches Gehäuse mit Tastatur und Bildschirm einsetzt. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis andere Firmen den Reiz dieses Konzepts erkennen und Motorolas Vorlage kopieren.

mak



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