Oppo Find X3 Pro, Xiaomi Mi 11, Vivo X51 Vor dieser Konkurrenz muss Huawei zittern

Während Huaweis Stern am Smartphone-Himmel sinkt, versuchen andere chinesische Firmen wie Oppo, Xiaomi und Vivo, dessen Platz einzunehmen. Das kann durchaus klappen, wie ein Test der Oberklassemodelle zeigt.
Rückansicht: Die drei getesteten Smartphones

Rückansicht: Die drei getesteten Smartphones

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Kennen Sie Vivo, Oppo und Xiaomi? Falls nicht, dürfte sich das bald ändern. Denn die drei Handyhersteller – und noch ein paar andere – versuchen mit ihren Smartphones jenen Platz zu besetzen, den bisher Huawei innehatte.

Huawei ist von der US-Regierung mit einem Bann belegt worden, viele US-Firmen dürfen nicht mehr mit dem Konzern zusammenarbeiten, darunter auch Chiphersteller und vor allem Android-Lieferant Google. In der Folge schwindet Huaweis Bedeutung. Laut Statista ist der Marktanteil von Huawei-Smartphones zwischen Ende 2019 und Ende 2020 weltweit von 20 Prozent auf 8,4 Prozent zurückgegangen.

Die getesteten Smartphones von Oppo, Xiaomi und Vivo

Die getesteten Smartphones von Oppo, Xiaomi und Vivo

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Um die von Huawei verlorenen Anteile kämpfen nun Firmen wie eben Xiaomi, Oppo und Vivo, die laut Counterpoint Research nach Apple und Samsung bei den weltweiten Marktanteilen die Plätze drei, vier und fünf belegen. Doch nachdem Huawei seine Position jahrelang mit meist sehr guten und oft innovativen Smartphones verteidigt hat, stellt sich nun die Frage, wie gut die Modelle der Konkurrenten sind, die sich um Huaweis Position balgen.

Um das herauszufinden habe ich drei aktuelle Modelle der nach Huawei größten chinesischen Handyhersteller getestet:

Oppo Find X3 Pro

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Mit dem Find X3 Pro beweist Oppo Mut. Obwohl die Marke hierzulande kaum bekannt ist, legt der Hersteller mit dem Gerät ein Oberklasse-Smartphone vor und bepreist es auch entsprechend: 1149 Euro lautet der Listenpreis für die einzige in Deutschland angebotene Variante des Find X3 Pro.

Dafür bekommt man allerdings auch eine Ausstattung, die sich vor den Konkurrenzmodellen von Samsung, Huawei oder auch Apple nicht verstecken muss: Es hat 5G, Wifi 6, Bluetooth 5.2 und ein 6,7 Zoll großes Amoled-Display mit 3216 x 1440 Pixeln. Dazu einen dicken Doppelakku, ein bemerkenswertes Kamerasystem und ein ungewöhnliches, eigenständiges Design, bei dem das Kameraarrangement fließend in den Rückendeckel übergeht.

Schön gemacht: Weil der Übergang fließend gestaltet ist, fällt der Kamerahuckel des Oppo-Handys nicht so sehr auf

Schön gemacht: Weil der Übergang fließend gestaltet ist, fällt der Kamerahuckel des Oppo-Handys nicht so sehr auf

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Die beiden Hauptkameras – Weitwinkel und Ultraweitwinkel – sind mit identischen 50-Megapixel-Sensoren ausgestattet. Eine ungewöhnliche Wahl, die allerdings für eine konsistente Bildqualität unabhängig vom gewählten Objektiv sorgt. Die Telekamera fällt dagegen mit 13 Megapixeln etwas ab. Bemerkenswert ist aber vor allem die Mikroskopkamera, deren Sensor nur drei Megapixel und eine Blende von f/3.0. hat. Weil Oppo um deren Objektiv eine Ringleuchte platziert hat, die automatisch aktiviert wird, wenn man die Linse auswählt, lassen sich damit großartige Ultranahaufnahmen machen, die mit anderen Smartphones nicht möglich wären (siehe Bilderstrecke).

Fotostrecke

Oppo Find X3 Pro – Testfotos

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Die Leistung ist dank Qualcomm-Snapdragon-888-Prozessor auf Topniveau und der Bildschirm besticht mit realistischen Farben und so viel Helligkeit, dass man ihn auch bei Sonnenschein gut gebrauchen kann. Die Akkulaufzeit bei Endlos-Videowiedergabe betrug stattliche 15,5 Stunden. Sobald man die verschiedenen Optionen aktiviert, um das Videobild zu verbessern (»Heller HDR-Modus«, QHD+-Auflösung, Video-Bildschärfer), kann sich dieser Wert drastisch reduzieren. Aber selbst dann lässt sich der Akku leicht wieder aufladen. Und zwar sowohl kabellos als auch extrem schnell mit dem mitgelieferten dicken 65-Watt-Netzteil, das die Stromspeicher in wenig mehr als einer halben Stunde auffüllt.

Was man mögen kann, aber nicht muss: Dem aktuellen Android 11 stülpt Oppo seine Oberfläche ColorOS 11 über.

Xiaomi Mi 11

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Mit dem Mi 11 strebt auch Xiaomi in die Oberklasse, geht mit einem Listenpreis von 800 Euro aber weniger hart ins Portemonnaie als Oppo. Trotzdem gibt es ein fettes Ausstattungspaket: 6,8 Zoll großes Amoled-Display, schneller Snapdragon-888-Prozessor, 5G, Wifi 6 und Bluetooth 5.2 gehören auch hier dazu.

Dabei punktet auch das Mi 11 mit einem hervorragenden Bildschirm, der Farben und Kontraste kräftig, aber nicht übertrieben darstellt, mit 3200 x 1440 sehr fein auflöst und auf bei Sonne hell genug ist. Schick: Die Rückseite aus mattiertem Glas sieht gut aus und zeigt Fingerabdrücke längst nicht so offensiv wie glänzende Oberflächen.

Der Kameraufbau des Mi 11: zweimal 50 Megapixel

Der Kameraufbau des Mi 11: zweimal 50 Megapixel

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Die Weitwinkelkamera des Mi 11 hingegen zeigt ziemlich viel. Ihr Sensor hat eine Auflösung von 108 Megapixeln, von denen jeweils vier zu einem Bildpixel verrechnet werden. Man kann zwar auch die vollen 108 Megapixel ausnutzen, aber zum einen werden die Bilddateien dann sehr groß, zum anderen lohnt sich das nur bei sehr detailreichen Motiven und guter Beleuchtung. Darüber hinaus sind im Rücken des Mi 11 eine 13-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera und eine Telemakrokamera mit 5 Megapixeln eingebaut.

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Xiaomi Mi 11 – Testfotos

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Bei der Akkulaufzeit kam das Mi 11 im Test auf eine gute, aber nicht überdurchschnittliche hohe Laufzeit von 11,5 Stunden. Aber auch hier hat man die Wahl, das Handy entweder kabellos und damit relativ langsam oder mit seinem 55-Watt-Netzteil in knapp einer Stunde aufzuladen. Was man unbedingt wissen sollte: Xiaomi hat das Mi 11 nicht nach einem IP-Standard zertifizieren lassen, es ist also offiziell nicht gegen Staub und Wasser geschützt. Als Betriebssystem dient eine modifizierte Version von Android 11, die Xiaomi MIUI 12 nennt.

Vivo X51 5G

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Vivo ist auf dem deutschen Markt ein absoluter Neuling und startet gleich mit einem Oberklasse-Modell, dem X51 5G. Verglichen mit dem Oppo Find X3 Pro und dem Xiaomi Mi 11 hat es einen etwas älteren Prozessor aus Qualcomms Highend-Schublade und das mit 6,56 Zoll kleinste, aber deshalb nicht kleine Display. Das X51 unterstützt 5G, hat aber noch das ältere, dafür weiter verbreitete Wifi 5 eingebaut. Außerdem ist es sehr günstig zu bekommen: Zur Markteinführung sollte es knapp 800 Euro kosten, doch der Straßenpreis liegt mittlerweile weit darunter. Die geringe Bekanntheit dürfte den schnellen Preisverfall befeuern.

Dabei hat das Vivo einiges zu bieten: Zum einen sieht es verdammt gut aus. Wie beim Mi 11 sorgt eine mattierte Glasoberfläche auf der Rückseite dafür, dass Fingerabdrücke nicht sofort ins Auge fallen. Zum anderen liegt es so gut in der Hand, dass man es fast einhändig bedienen kann. Hinzu kommt der sehr gute Amoled-Bildschirm, der mit einer Bildwiederholfrequenz von 90 Hertz arbeitet.

Vivo baut gleich vier Kameras ein. Die große Hauptkamera ist in einen Gimbal eingehängt

Vivo baut gleich vier Kameras ein. Die große Hauptkamera ist in einen Gimbal eingehängt

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Vor allem aber ist das Kamerasystem gut gelungen. Anstelle eines optischen Bildstabilisators verfügt die 48-Megapixel-Hauptkamera über eine Art Mini-Gimbal, also eine bewegliche Aufhängung. Die sorgt nicht nur dafür, dass Wackler beim Fotografieren gut ausgeglichen werden, sondern kann beim Videofilmen aus der Bewegung, also wenn man geht, läuft oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, auch relativ grobes Wackeln noch gut ausgleichen. Zudem gelingen Nachtaufnahmen ziemlich gut (siehe Fotostrecke).

Bei den weiteren drei Kameras hat sich Vivo allerdings verwirrende Bezeichnungen ausgedacht. So gibt es eine 13-Megapixel »Professionelle Porträtkamera«, die letztlich ein Zweifach-Tele ist. Ihr zur Seite stehen eine Fünffach-»Teleskopkamera« und eine »Super Weitwinkel & Makro-Kamera«, die alle gute Bilder liefern, aber nicht an die Qualität der Hauptkamera herankommen. Vom »60x Hyper Zoom«, der Schnappschüsse mit künstlich erzeugten Pixeln aufbläht, sollte man die Finger lassen. Dafür macht es auch hier Spaß, mit dem Makro ganz nah an kleine Dinge ranzugehen.

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Vivo X51 5G – Testfotos

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Die Akkulaufzeit war im Test mit elf Stunden in Ordnung. Bei normaler Nutzung kommt man damit über den Tag, mehr nicht. Da fällt es umso mehr auf, dass Vivo auf die Möglichkeit, den Akku kabellos aufzuladen, verzichtet. Immerhin aber bietet das Gerät eine Schnellladefunktion, die den Akku über das mitgelieferte Netzteil in einer guten Stunde wieder auffüllt. Genau wie Oppo und Xiaomi begnügt sich Vivo leider nicht mit Android, wie Google es liefert, sondern zieht Android 11 sei eigenes Funtouch OS über.

Fazit

Keines der drei getesteten Smartphones muss sich vor der Konkurrenz verstecken. Das Oppo Find X3 Pro trumpft mit einem ungewöhnlichen Design und einer mindestens ebenso gelungenen Mikroskopkamera auf, die einfach Spaß macht. Xiaomis Mi 11 bietet eine sehr umfangreiche Ausstattung und ein Display zum Niederknien. Das Vivo X51 5G schließlich bietet eine sehr gute Kamera, einen guten Bildschirm und ist dank seines stark gefallenen Preises derzeit der Preis-Leistungs-Tipp in dieser Dreiergruppe.

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Die Kameras im direkten Vergleich

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort