Verschenken, reparieren, recyceln So bekommen alte Smartphones ein zweites Leben

In der Schublade verstauben lassen? Dazu sind Smartphones viel zu schade. Mit ein wenig Mühe kann man auch in die Jahre gekommene Geräte weiter verwenden – und sei es nur als Rohstoff.
Zu schade für die Schublade: alte Smartphones und Handys

Zu schade für die Schublade: alte Smartphones und Handys

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ob Jahresbonus oder ein Weihnachtsgeschenk – der Dezember ist der Monat für neue Smartphones. Doch was macht man mit dem alten Telefon, das bis gerade eben noch gut genug war? Nach Schätzung von Verbänden liegen in Deutschland bis 200 Millionen alte Mobiltelefone ungenutzt in Schubladen – eine gewaltige Verschwendung.

Die offensichtliche Lösung in vielen deutschen Haushalten: Wenn man selbst das alte Smartphone nicht benötigt, gibt man es an ein anderes Familienmitglied weiter. Sei es der Großvater, die Tochter oder der Onkel, der bis heute noch stolzer Besitzer eines Nokia 3310 ist, aber nun doch einen digitalen Impfpass und eine Navigations-App benötigt.

Der Familien-Kreislauf

Wer sein Smartphone verschenkt, sollte das allerdings gut vorbereiten. Zum einen will man nicht, dass ein neuer Besitzer in den Tiefen des Speichers alte Chats oder indiskrete Fotos entdeckt. Zudem kann zu merkwürdigen Effekten führen, wenn man sie ungelöscht weitergibt. Wer will schon seine Spotify-Playlist mit dem Musikgeschmack des achtjährigen Nachwuchses vermischen? Bei älteren Android-Smartphones reicht es mitunter nicht, den Standard-Reset zu nutzen – hier sollte man vorsichtshalber die Geräteverschlüsselung einschalten, bevor man das Gerät komplett zurücksetzt.

Damit das Geschenk kurz nach Weihnachten nicht doch in einer Schublade endet, sollte man sich ein paar Gedanken über die neuen Besitzer machen. Mit wenigen Schritten kann man es etwa Senioren leichter machen, sich an ein neues Gerät zu gewöhnen: Viele Android-Handys bieten etwa den »einfachen Modus«, der die Bedienung der komplexen Geräte vereinfacht: Schriften und App-Symbole werden größer dargestellt, die Telefonfunktion ist leichter erreichbar. Fehlt ein solcher Modus, kann man eine solche Funktion nachrüsten. Etwa, indem man die App »Big Launcher « installiert. Deren Benutzeroberfläche macht ein Smartphone so leicht bedienbar wie ein schnurloses Siemens-Telefon.

Wer hingegen das Smartphone an den Nachwuchs weitergibt, sollte ebenfalls überlegen, wie es denn in Zukunft genutzt werden soll. Sowohl Android-Geräte  als auch iPhones  bieten Familienaccounts, mit denen die Eltern eine gewisse Kontrolle darüber haben, auf welche Inhalte die neuen Besitzer zugreifen können.

Neue Anwendungen

Egal, wem das neue Handy »vererbt« wird, es lohnt ein kritischer Blick auf die Hardware. Ist der Akku schon so alt, dass er keinen halben Tag mehr durchhält, lohnt es sich eventuell, ihn zu ersetzen – entweder mit einem Selbstreparatur-Set oder durch eine Handywerkstatt. Denn was nützt das beste Seniorenhandy, wenn es sich im Notfall aus Strommangel nicht mehr einschalten lässt? Wird das Gerät hingegen beim Laden ungewöhnlich heiß, sollte man es professionell reparieren lassen oder entsorgen.

Wer keine Verwandten oder Freunde hat, die sich mit einem abgelegten Smartphone abgeben wollen, findet mitunter im eigenen Haushalt ein neues Leben für das alte Gerät. Mit der eingebauten Kamera und dem Mikrofon geben selbst betagte Geräte noch ein brauchbares Babyfon ab. Oder man montiert es fest in sein Auto als Ersatz für Navigationsgerät und Fahrtenbuch. Mit Apps wie »Wallflower « kann man ein altes iPhone oder sogar einen iPod Touch als Steuerzentrale für ein Smarthome verwenden. Samsung hat in seine neueren Smartphones sogar eine »Upcycling«-Funktion  eingebaut, die eigens auf solche Anwendungen spezialisiert ist. Leider gibt es sie in Deutschland noch nicht.

Bloß nicht in den Müll

Wer gar keine neuen Anwendungsmöglichkeiten findet, sollte ein Smartphone zumindest nicht einfach in den Müll werfen. Gerade für ältere iPhones gibt es noch einen florierenden Gebrauchtmarkt. Apple selbst gewährt etwa für ein iPhone 8 von 2017 noch eine Gutschrift bis zu 120 Euro. Daneben gibt es zahlreiche unabhängige Plattformen, die sich für die Geräte interessieren.

Selbst wenn ein Smartphone zu überhaupt nichts mehr zu gebrauchen ist, taugt es immer noch zum Recycling. Die Geräte enthalten wertvolle Rohstoffe wie Kupfer, Kobalt und Tantal sowie Silber, Gold, Nickel und seltene Erden, deren Abbau mitunter enorme Umweltschäden verursacht. Bis zu 80 Prozent der Bauteile eines Handys lassen sich wieder aufarbeiten.

Wer ein altes Smartphone fachgerecht entsorgen will, muss nicht lange suchen: Der Handel ist mittlerweile zur Rücknahme von Altgeräten verpflichtet . Die großen Mobilfunkbetreiber sammeln die Geräte ebenfalls für gute Zwecke ein. Auch Organisationen wie der Naturschutzbund  sowie Bedürftigen-Initiativen sammeln Altgeräte. Selbst wenn diese beim Recycling nur wenige Euro pro Handy bekommen – alles ist besser als die Schublade.

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