Polaroid-Prinzip Sofortbildkameras im Test

Hier werden keine Pixel gezählt, denn es sind ja keine da. Das Computermagazin "c't" hat sieben Sofortbildkameras getestet, einige nagelneu, andere Jahrzehnte alt. Welche ist die beste?
Von Andreas Kesberger

Impossible I-1

Foto: Heise

Angedacht war die erste Impossible-Kamera schon lange. Schließlich kann man als Filmhersteller nicht warten, bis die ersten Polaroid-Kameras doch noch an Altersschwäche zusammenbrechen.

Es ist keine kleine Herausforderung, in dem durch den Film gegebenen Rahmen noch innovativer zu sein. Das war Edwin Land schließlich auch schon. Allerdings ohne iPhone. Das braucht es wiederum, um mit der neuen I-1 richtig glücklich zu werden. Ab dem Spätsommer reicht dann auch ein Android-Smartphone. An der Kamera selbst kann man den Blitz nur an und aus sowie das ganze Bild heller oder dunkler stellen. So wie früher.

Aber app app hurra: Via Smartphone lassen sich Blenden und Zeiten manuell einstellen und in gewisser Weise auch der Fokus. Dementsprechend wird eins der fünf Objektive passend zum gewählten Fokusbereich eingeschwenkt. Ohne App übernimmt das die Kamera via Infrarot-Messung. Dazu kommen dann noch der Fernauslöser, die Helligkeitssteuerung der LED-Lämpchen und lustige Gimmicks wie die Auslösung durch akustische Impulse.

Im Vergleich zur Konkurrenz überzeugt vor allem die Anwahl der Schärfebereiche und die Blendensteuerung. Das sorgt dafür, dass die Bilder deutlich mehr Schärfepotenzial bieten. Allerdings sind Zeiten, Linsen und Blenden teilweise voneinander abhängig. So lässt sich die Offenblende nicht mit der kürzesten Zeit kombinieren.

Testfoto der Impossible I-1

Testfoto der Impossible I-1

Zu der Kamera aus der allerersten Anlieferung konnten wir die nächste Evolutionsstufe des Farbfilms ausprobieren. Das Bild wirkt schon merklich brillanter und ist auch schneller sichtbar. An das Aufnahme-Feeling muss man sich zumindest gewöhnen, da das Auslösen erst nach dem Loslassen des Auslösers erfolgt. Vielleicht heißt der dann ja bald Loslöser.

Nach dem Auswerfen wird das Foto unter einem Froschzungenvorhang geschützt. Gar nicht froschig ist die Materialanmutung des überraschend kompakten Gehäuses. Sehr feine Sache. Der Zukunft des Sofortbilds zugewandt ist die Tatsache, dass die Kamera ihren eigenen Akku mitbringt und auf die Batterie im Film verzichten kann. Daher gibt es den 600er künftig mit und ohne Strom. Pola goes Öko und billiger wird es so auch.

Steckbrief Impossible I-1

Preis (Straße): 299 Euro
Wo kaufen: impossible-project.com und Sofortbildshops
Objektive: 7,0-10 /109 mm (32-34 mm KB-äquivalent)
Belichtungszeiten: 30 s bis 1/250 s (blendenabhängig)
min. Fokusdistanz: 0,3 m
Filmformat: 7,7 x 7,9 cm (8,8 x 10,7 cm)
Kosten pro Bild: 2,25 Euro
Stativgewinde: ja
Besonderheit: Smartphone-App für Zeit, Blende und Effekte

Fujifilm Instax Mini 90 Neo Classic

Fujifilm Instax Mini 90 Neo Classic

Foto: Heise

Für eine Instax Mini Kamera, die es schon ab knapp 70 Euro gibt, ist die Neo 90 ganz schön teuer. Aber wer sich länger mit dem Sofortbildmarkt beschäftigt, lernt ihre Zusatzoptionen schnell schätzen.

Ein abschaltbarer Blitz sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist er aber bei anderen Kameras oft nicht. Lange Belichtungszeiten und Doppelbelichtungen eröffnen zudem wesentlich mehr kreativen Freiraum. Der größere Korrekturspielraum spart letztlich das Geld für fehlbelichtete Aufnahmen und die Motivprogramme sind relativ sinnvoll gewählt. Die Stromversorgung übernimmt sogar ein Akku.

In Sachen Bedienung muss man sich kurz mit den Funktionen beschäftigen, aber dann wird es überschaubar. So erfolgt die Fokussierung auf unendlich über das Tippen auf das Berge-Menü. Das macht die Wide 300 durch einen Dreh am Objektiv besser. Durch das ausfahrbare 35er-Objektiv und das relativ kleine Bildformat ist die Kamera für eine Sofortbild besonders kompakt.

Testfoto der Fujifilm Instax Mini 90 Neo Classic

Testfoto der Fujifilm Instax Mini 90 Neo Classic

Foto: Heise

Kurz und knapp, wer ein paar Euros mehr fürs ernsthaftere Fotografieren ausgeben und sich mit dem kleinen Papierformat beschränken mag, ist hier absolut richtig. Im Alltag hat die kleine, feine Fuji von allen Kameras des Testfelds am meisten Spaß gemacht. Die Farben stimmen und sind schnell da, schärfer wäre allerdings auch hier schöner. Das würde auch besser zum Ich-will-ernstgenommenwerden-Design passen.

Der kleinere Film hat gegenüber der größeren Version sogar das um 20 Prozent höhere Auflösungsvermögen, aber durch das kleine Bildformat und die trotzdem reichlich bescheidenen 12 Linien pro Millimeter sehen wir unterm Strich nicht so viele Details von unserem Testaufbau wie beim großen Bruder. Doch mit der größeren Lomo kann sie mithalten.

Steckbrief Fujifilm Instax Mini 90 Neo Classic

Preis (Straße): 139 Euro
Wo kaufen: überall
Objektiv: 12,7 / 60 mm (34 mm KB-äquivalent)
Belichtungszeiten: 1,8 bis 1/400 s + Bulb (max. 10 s)
min. Fokusdistanz: 0,3 m
Filmformat: 46x62 mm (außen 54x86 mm)
Kosten pro Bild: 0,90 Euro
Stativgewinde: ja
Besonderheit: Doppelbelichtungen, Akku

Fujifilm Instax Wide 300

Fujifilm Instax Wide 300

Testfoto der Fujifilm Instax Wide 300

Testfoto der Fujifilm Instax Wide 300

Foto: Heise

Man kann bei der ganzen Sofortbildstory viel über Marketing lernen. Erst recht bei der Instax Wide 300. Sie wurde auf der Photokina 2014 vorgestellt und irgendwie ist es Fujifilm gelungen, der Fotowelt klarzumachen, sie wäre die bessere, modernere Kamera gegenüber der Wide 210.

Das Design der 300 ist deutlich gelungener, aber sonst warten wir noch darauf, die Unterschiede zu entdecken, die den Preisaufschlag rechtfertigen würden. Die Wide heißt nicht nur so, sie ist auch ziemlich groß. In Sachen Bedienung nervt am meisten, dass sich der Blitz zu-, aber nicht abschalten lässt. So spart Fuji längere Zeiten als die 1/64s.

Foto: Heise

Der Standardfokus bedient den Nahbereich von 90 Zentimeter bis zu drei Meter. Ab da bis unendlich muss man kurz am Objektiv drehen. Das lohnt sich, da diese Einstellung auch im Übergangsbereich schärfer ist. Ob das Objektiv jetzt Opfer des mit 10 Linien pro Millimeter sehr mäßigen Auflösungsvermögen des Films ist oder ob Fuji den Film nicht schärfer angibt wegen der Kamera - wir wissen es nicht.

Im Ergebnis ist die Wide 300 zumindest gegenüber den historischen Pola- und aktuellen Lomo-Plastiklinsen erfolgreicher und profitiert im hausinternen Duell mit der Instax Mini vom größeren Bildformat.

Steckbrief Fujifilm Instax Wide 300

Preis (Straße): 120 Euro
Wo kaufen: überall
Objektiv: 14/95 mm (35 mm KB-äquivalent)
Belichtungszeiten: 1/64 bis 1/200 s
min. Fokusdistanz: 0,9 m (Nahlinse: 0,4 m)
Filmformat: 62x99 mm (86x108 mm)
Kosten pro Bild: 1,00 Euro
Stativgewinde: ja
Besonderheit: gibt es auch günstiger als Wide 210

Polaroid SX 70

Polaroid SX 70

Foto: Heise

Edwin Land hat mit der SX 70 die Sofortbildfotografie in eine neue Sphäre gehoben. Sie war die erste Sofortbildkamera, bei der der Film anschließend nicht getrennt werden musste. Andy Warhol ließ sie so wenig aus der Hand, dass sie sogar auf seinem Denkmal mit ihm fest verwachsen ist und zahlreichen weltberühmten Fotografen von Walker Evans bis Arno Fischer hat sie zu einem wunderbaren Spätwerk verholfen.

Dann nehmen wir uns doch gleich mal das Original aus den Siebzigern her, das jahrelang nur zarte Verbesserungen erfahren hat und bei dem Land seinerzeit noch Controller bei der Auswahl der Optik und der Materialien überstimmen konnte. Später nicht mehr.

Testfoto der Polaroid SX 70

Testfoto der Polaroid SX 70

Foto: Heise

Das Herzstück ist ein Vierlinser aus Glas, schlicht das einzige Objektiv im ganzen Test, das nicht aus Plastik ist. Bei unserem Testmodell wird die Spiegelreflex mit dem Schnittbildindikator scharf gestellt. Spätere Modelle wie die 680 haben auch Autofokus und greifen auf den - angesichts der Lichtstärke nicht zu verachtenden - höherempfindlicheren 600er Film zurück.

Bezüglich der Farben herrscht der derzeit noch etwas blasse Impossible-Look vor. In Schwarzweiß ist das alles schon knackiger, braucht aber unbedingt eine Belichtungskorrektur. Bei welchen Farben auch immer, derzeit ist die SX 70 eine der wenigen Sofortbildkameras, bei der man überhaupt mit selektiver Schärfe spielen kann.

Wenn auch unser Testmodell zeigt, dass nach jahrzehntelangem Auf- und Zuklappen nicht mehr alles so perfekt justiert ist wie einst in den Seventies. Trotzdem, angesichts der Konkurrenz reicht es zum Kauftipp beim Schärfepotenzial locker aus. Und in Sachen Coolness sowieso.

Steckbrief Polaroid SX 70

Preis (Straße): 50 - 350 Euro
Wo kaufen: ebay oder refurbished bei impossile-project.com
Objektiv: 8,0 / 116 mm (45 mm KB-äquivalent)
Belichtungszeiten: 10 bis 1/175 s
min. Fokusdistanz: 0,26 m (Nahlinse: 0,4 m)
Filmformat: 7,7x7,9 cm (8,8x10,7 cm)
Kosten pro Bild: 2,50 Euro
Stativgewinde: ja
Besonderheit: faltbare Spiegelreflex

Polaroid Snap

Polaroid Snap

Foto: Heise

Huch, es gibt ja noch echte Polaroidkameras. Echt im Sinne von Namensrechte rechtens erworben. Polaroid labelt zwar auch eine Fuji Instax für eigene Zwecke um, aber in der Snap Cam verfolgt die Firma das einzig digitale Konzept, das aus dem alten Polaroid-Konzern überlebt hat.

Man legt zehn Blätter in die Kamera und nach der Aufnahme wird ohne Tinte gedruckt. Da fehlt etwas die Magie, dafür kommen die scheckkartengroßen, randlosen Fotos schon fertig heraus. Ein lichtunempfindliches System hat nebenbei den Vorteil, dass man zwischendurch mal die Rückwand aufmachen kann. Zudem erlaubt die Technik die kleinste Kamera unseres Testfeldes. Hier hätte Edwin Land seine Jacket-Innentasche nicht eigens vergrößern müssen.

Dafür gibt es dann wenig Gimmicks, der Sucher ist nur ein Klapprahmen. Die Fotos können wahlweise farbig, halbwegs schwarzweiß oder in einer Art Sepia-Look geprintet werden. Außerdem lässt sich direkt auch ein zweites Bild zum Teilen ausdrucken. Und klebebereit gibt es das Zink-Papier auch noch. Im Gegensatz zu allen anderen Kameras im Feld kann man auch eine Micro-SD-Karte einstecken und erhält so die Daten des 10-MP-Sensors.

Testfoto der Polaroid Snap

Testfoto der Polaroid Snap

Foto: Heise

Wir haben trotzdem nur die Prints zum Vergleich herangezogen. Farblich ist die Zink-Technik ohne Tinte (und ohne Zink) zumindest der Fuji unterlegen, aber allemal partytauglich. Das Linienraster fällt erst auf dem Scanner richtig auf, und der ist ja dank SD-Karte überflüssig.

Ihren digitalen Ursprung kann die Snap allerdings nicht verleugnen, was jüngere Betrachter deutlich weniger stört als ältere. Immerhin ist sogar ein Kalibrierblatt in der Papierpackung. Jedes Mal, wenn man sie schon abqualifizieren will, zeugt die Snapshot doch vom in sie investierten Grips. So kann sie sich eine Empfehlung erarbeiten, für alle, die eine besonders kleine Fastsofortbildkamera zum Immer-dabeihaben suchen.

Steckbrief Polaroid Snap

Preis (Straße): 129 Euro
Wo kaufen: Amazon und Co.
Objektiv: 2,8 / 3,4 mm (33 mm KB-äquivalent)
Belichtungszeiten: 1/17 s (ursprünglich 1/8s)
min. Fokusdistanz: "fine for selfies" (O-Ton Polaroid)
Filmformat: 51x76 mm, wahlweise auch mit weißem Rahmen oder mit vier Bildern auf einem Blatt
Kosten pro Bild: 0,60 Euro
Stativgewinde: ja
Besonderheit: magnetischer Objektivdeckel mit Auslösesperre, Selbstauslöser

Lomo'Instant Wide

Foto: Heise

Mann, ist die groß. Jahrelang hat Lomo vor allem Sofortbildrückteile für Diana und Co. angeboten. Doch nach dem Erfolg der ersten kompletten Integralcam auf Instax Mini Basis - die nebenbei auch deutlich kleiner und günstiger ist -, tritt die Lomo'Instant Wide mit dem großen Format an.

Wenn man denn etwas mehr Platz im Hipster-Rucksack hat, bietet die Wide eigentlich alles, was dem Fotokünstler bei der Fuji Wide 300 fehlt. Der Fokus lässt sich halbwegs manuell einstellen, Langzeitbelichtungen funktionieren auch und im Objektivdeckel sitzt gleichzeitig der Infrarotfernauslöser. Sehr clever.

Testfoto der Lomo'Instant Wide

Testfoto der Lomo'Instant Wide

Foto: Heise

Für Weitwinkelfreaks ist der optionale 21-Millimeter-Vorsatz mit mitgeliefertem Wechselsucher allein schon ein Kaufargument. Jetzt müsste das Objektiv nur noch halten, was das Konzept verspricht. Aber auch hier werkelt eine Plastiklinse, die ihre liebe Not mit dem großen Bild hat und im direkten Vergleich mit der Fuji etwas abfällt. Da müssen die diversen Eingriffsmöglichkeiten trösten.

Vielleicht tut sich optisch noch was in den nächsten Kameragenerationen, Lomo hat sich schließlich immer auch wieder an mehrlinsigen Glasobjektiven versucht. Wir würden uns freuen. Nur her mit dem Kickstarter-Projekt.

Steckbrief Lomo'Instant Wide

Preis (Straße): 199 Euro (249 Euro im Kit)
Wo kaufen: Lomography.com und überall wo es Lomo gibt
Objektiv: 8,0 / 90 mm (33 mm KB-äquivalent)
Belichtungszeiten: 8 s bis 1/250 s, Bulb
min. Fokusdistanz: 0,6 m (0,1 m mit Vorsatzlinse)
Filmformat: 62x99 mm (86x108 mm)
Kosten pro Bild: 1,00 Euro
Stativgewinde: ja
Besonderheit: Objektivdeckel als Fernauslöser, Blitzsynchronanschluss, Mehrfachbelichtungen

Polaroid 635 CL

Polaroid 635 CL

Foto: Heise

Wer wie Polaroid in der glücklichen Lage war, Kameras und Filme anzubieten, kommt relativ schnell darauf, dass sich mehr Filme verkaufen lassen, wenn die Kameras billiger werden. Dazu mussten sie einfacher werden.

So kam Polaroid von der aufwendigen SX-70 Spiegelreflex zu den sehr günstigen Modellen der 1000er Serie mit Plastik-Fixfokus-Linse. Die setzten leider einen Good-enough-Trend in Sachen Schärfe, der bis heute anhält und sich auch in unserem Testbild zeigt.

Testfoto der Polaroid 635 CL

Testfoto der Polaroid 635 CL

Foto: Heise

Der Festblende f/11 half bald der neue empfindlichere 600er-Film und der eingebaute Blitz, damit auf der Party nichts schief ging. Leider blitzt der Blitz selbst und ständig, was manchmal etwas nervig sein kann und im Nahbereich die Tendenz gerade des Impossible-Schwarzweißfilms zu Überbelichtungen unterstützt.

Impossible bereitet im Jahr über 25.000 aufgekaufte Kameras auf, die man mit Garantie erwerben kann. Die Fertigungsqualität der einzelnen Modelle ist durchaus unterschiedlich. Wir würden die 635 hier beispielsweise der rundlicheren 636 vorziehen.

Steckbrief Polaroid 635 CL

Preis (Straße): 20-130 Euro
Wo kaufen: ebay oder refurbished bei impossible-project.com
Objektiv: 11,0 / 116 mm (45 mm KB-äquivalent)
Belichtungszeiten: 1/4 bis 1/200 s
min. Fokusdistanz: 0,6 m (0,1 m mit Vorsatzlinse)
Filmformat: 7,7x7,9 cm (8,8x10,7 cm)
Kosten pro Bild: 2,50 Euro
Stativgewinde: nein
Besonderheit: Makro-Vorsatzlinse