Software-Test Die besten Fotoverwalter für Linux

Fotos sichten, Rohdaten verarbeiten, die Ergebnisse archivieren und exportieren: Fotografen brauchen eine Software für alles oder Programme, die gut zusammenarbeiten. Geht das mit Linux? Das Fachmagazin "c't kompakt Linux" hat acht Programme getestet.
Von Robert Seetzen

Moderne Foto-Programme sind Alleskönner: Sie importieren Bilddateien direkt von der Speicherkarte, man kann bequem die frisch importierten Aufnahmen sichten, interessante Bilder markieren und verschlagworten. Dann führen möglichst kurze Wege zu den Bearbeitungswerkzeugen - idealerweise finden beide Arbeitsgänge in einem Fenster statt.

Häufig arbeiten die Programme verlustfrei und sammeln alle Bearbeitungsschritte in einer Befehlsliste, die sie bei jeder Verwendung des Bildes erneut anwenden - die Originalbilddatei bleibt dabei unverändert.

Für Windows-Rechner und Macs gibt es einige solcher Alleskönner - aber wie sieht es unter Linux aus? Spezialprogramme und Alleskönner - acht Linux-Bildverarbeiter im Überblick.

Bibble Pro - umfangreicher Alleskönner

Bibble verbindet Sichten und verlustloses Bearbeiten der Bilder effizient in einer gemeinsamen Oberfläche.Bibble Pro , erhältlich für Linux, Windows und Mac OS, verspricht als derzeit einziges Linux-Programm einen mit Adobe Lightroom und ähnlichen Workflow-Tools vergleichbaren Leistungsumfang. Neben der hier vorgestellten Pro-Version für 170 Euro bietet Hersteller Bibble Labs auch eine abgespeckte Lite-Fassung für 80 Euro an. Im privaten Einsatz kann die kleinere Version durchaus genügen. Wer nach dem Kauf von Bibble Lite an Grenzen stößt, kann für 90 Euro zur Pro-Version upgraden.

Bearbeitungsbereiche können in Bibble durch Maskierungen begrenzt werden.

Bearbeitungsbereiche können in Bibble durch Maskierungen begrenzt werden.

Bibble Pro bietet Werkzeuge für alle elementaren Stationen des Foto-Workflows. Vorhandene Bildarchive integriert das Programm wahlweise mit Verweisen auf den originalen Speicherort oder durch Kopieren in ein vom Anwender definiertes oder anhand von Metadaten automatisch erzeugtes Verzeichnis. Bewährte Archivstrukturen lassen sich auf diese Weise beibehalten und in gewohnter Systematik durch neue Bildbestände ergänzen. Thematisch getrennte Bildbestände organisiert Bibble auf Wunsch in verschiedenen, "Kataloge" genannten Datenbanken. Bibble Pro öffnet und durchsucht bis zu 20 Kataloge gleichzeitig, die Lite-Fassung ist auf einen geöffneten Katalog beschränkt. Über einen Verzeichnisbaum im Stil von Dateimanagern ist der Zugriff auf nicht katalogisierte Bildbestände möglich.

Schlagwörter fügt Bibble den Bildern optional bereits beim Import zu, IPTC- und XMP-Felder für Copyright-Angaben und Ähnliches muss man nach dem Import manuell befüllen. Hierarchisch verkettete Schlagwörter wie "Natur, Pflanzen, Bäume, Buche" weist Bibble nach vorheriger Definition einer passenden Schlagwortgruppe mit einem einzelnen Mausklick zu. Die Metadaten existieren zunächst nur in der Bibble-Datenbank, lassen sich aber auch in eine XMP-Begleitdatei für jedes der zuvor ausgewählten Fotos schreiben.

Unmittelbares Schreiben der Metadaten in den dafür vorgesehenen Bereich der Bilddateien unterstützt Bibble nicht - das in der Praxis lästigste Manko des Programms. Schwächen gibt es auch beim Geotagging: Geotags zeigt Bibble lediglich in Zahlenform, nicht aber auf einer Landkarte an, und ein nachträgliches Hinzufügen von Geotags ist nicht möglich.

Jede Korrektur lässt sich zurücknehmen

Bibble führt keinerlei Veränderungen an den Originaldateien durch, auch sämtliche Bildkorrekturen beziehungsweise Raw-Entwicklungseinstellungen speichert die Software ausschließlich in der Datenbank. Jede Korrektur lässt sich zurücknehmen; neue Bildversionen kann man als virtuelle Dateien in der Bibble-Datenbank speichern, auf die man wie auf Fotos auf der Platte zugreift. Komplexe Korrektureinstellungen kann sich Bibble als wiederverwendbare Vorlagen merken.

Die Software bietet unter anderem alle üblichen Tonwertmanipulationen, eine Vignettierungs- und Aberrationskorrektur, ein - etwas dünn geratenes - S/W-Modul und eine Simulation verschiedener Typen analogen Filmmaterials. Besitzer einer Vollversion des Rauschunterdrückers Noise Ninja können dessen Funktionen direkt in Bibble nutzen, allen anderen Nutzern steht eine lediglich in Stärke und Glättung einstellbare Rauschunterdrückung zur Verfügung.

Alle Korrekturfunktionen können auf bestimmte, zuvor mit Vektorwerkzeugen oder Malpinsel definierte Bildbereiche beschränkt werden. Eine Masken- und Ebenenverwaltung erlaubt es, unterschiedliche Werkzeuge gezielt auf verschiedene Bildbereiche anzuwenden. Raw-Dateien und herkömmliche Bitmaps stehen gleichberechtigt nebeneinander, alle Werkzeuge lassen sich auf alle Bildtypen anwenden. Korrekturen auf Pixelebene, Malwerkzeuge, Effektfilter, Textbeschriftungen, HDR-Funktionen oder Panoramamontagen sind in Bibble nicht vorgesehen.

Export als JPG oder TIFF

Den Export bearbeiteter Fotos erledigt Bibble in einem gemeinsam genutzten Dialog. Die Ausgabe erfolgt wahlweise als JPEG- oder TIFF-Datei, letztere speichert Bibble auf Wunsch mit 16 Bit Farbtiefe pro Kanal. Das interne Farbmanagement hält 14 Farbräume für den Export bereit, den Rendering Intent muss man allerdings vor dem Export in den Einstellungen festlegen. Ein in der regulären Bildanzeige zuschaltbares Softproofing gibt Anhaltspunkte für die Bildwirkung auf allen Ausgabegeräten und Farbräumen, für die ein Farbprofil vorliegt.

Lücken zeigt Bibble in praktisch allen Belangen der Bildpräsentation. Der grafische Dialog für Drucklayouts erlaubt ausschließlich starre Anordnungen in mehreren Zeilen und Spalten, individuelle Layouts muss man mühsam als Textdateien erstellen. Upload- Optionen für Flickr, Gallery und andere Online-Alben gibt es nicht, der integrierte Generator für HTML-Alben hinkt dem Stand der Technik einige Jahre hinterher. TV-geeignete Bildpräsentationen auf DVD oder Blu-Ray müssen Bibble-Nutzer mit separater Software erzeugen, ebenso alle Arten PC-gestützter Diashows. Positiv bleibt hier nur der Bildexport zu vermerken: Große Bildmengen exportiert Bibble rasch und passend skaliert in beliebige Verzeichnisse.

Darktable - komfortable Bedienung, ausgefallene Ideen

Der Umgang mit den Bearbeitungswerkzeugen des kostenlosen Programms Darktable macht auch wegen ihrer gelungenen Gestaltung und der oft cleveren Bedienmethoden Spaß. Darktable  zählt zu den jüngeren Projekten der Linux-Fotoszene, hat aber dennoch einen für semiprofessionelle Zwecke größtenteils brauchbaren Reifegrad erreicht. Die Entwicklung geht zudem in hohem Tempo voran. Darktable wartet mit einer eigenständigen, an keine üblichen Standards angelehnten Oberfläche auf. Optisch dürfte das Design vielen Anwendern gut gefallen, der Bedienbarkeit kommen die teils sehr ungewohnten Konzepte nicht immer entgegen.

Neue Bilder importiert Darktable in weitgehend frei definierbare Verzeichnisstrukturen, auch unter Verwendung eines jeweils beliebig benennbaren Jobcodes. Eine sofortige Zuweisung von Metadaten ist dabei allerdings nicht möglich. Positiv fällt das optionale Sichern aller neuen Bilder in einem Backup-Verzeichnis auf. Bereits auf der Festplatte vorhandene Bildverzeichnisse öffnet Darktable als "Filmrolle", einen Bildbrowser im Stil von Dateimanagern bietet das Programm nicht.

Die Inhalte der ausgewählten Filmrolle zeigt Darktable wahlweise als vertikal scrollbare Thumbnail-Übersicht üblichen Aufbaus oder als zoom- und navigierbaren Leuchttisch. Letzterer zeigt sämtliche Thumbnails der aktuellen Filmrolle in einer Matrix an, deren Größe man einstellen kann. Sie lässt sich mit hoher Geschwindigkeit bewegen, vergrößern und verkleinern. Ein eigenwilliger, aber durchaus gelungener Ansatz.

Bildkorrekturen führt Darktable verlustfrei aus. Korrekturvarianten können als Schnappschuss, Bearbeitungsparameter als später erneut nutzbare Voreinstellung gespeichert werden. Der nach dem ersten Start von Darktable sichtbare Werkzeugvorrat bildet nur einen kleinen Teil der tatsächlich verfügbaren Funktionen ab, die rechts unten im Programmfenster platzierte Schaltfläche "weitere Module" hält eine beachtliche Sammlung zusätzlicher Tools bereit.

Die dauerhafte Fixierung der verlustfrei angewendeten Bearbeitungsschritte erfolgt über eine im Leuchttisch-Modus erreichbare Exportfunktion. Hier werden zugleich Farbprofile ausgewählt und Rendering Intents bestimmt. Online-Präsentationen unterstützt Darktable durch eine Schnittstelle zu Flickr und Picasa, darüber hinaus kann das Programm auf der lokalen Festplatte eine statische HTML-Galerie erzeugen. Druckfunktionen oder Werkzeuge für Diashows sind nicht vorhanden.

Digikam

Digikam glänzt mit umfangreichen Bearbeitungsfunktionen, der Arbeitsfluss könnte jedoch effizienter sein.

Digikam glänzt mit umfangreichen Bearbeitungsfunktionen, der Arbeitsfluss könnte jedoch effizienter sein.

Seit dem Erscheinen der Version 1.0 zu Weihnachten 2009 wird Digikam  schnell weiterentwickelt; derzeit stellen die Programmierer alle ein bis zwei Monate neue Versionen ins Netz. Die aktuelle Version 2.1 ergänzt das KDE-Programm unter anderem um eine Panoramamontage.

Digikam bindet Verzeichnisbäume als "Alben" ein, der unmittelbare Zugriff auf beliebige Datenträger und Verzeichnisse ist nicht vorgesehen. Innerhalb der Alben erlaubt Digikam dann übliche Datei- und Ordneroperationen. Extern durchgeführte Änderungen an Dateien und Verzeichnisstrukturen registriert Digikam nach Drücken der Taste F5 oder während des Programmstarts. Neue Bilder von Kameras oder Speicherkarten kann Digikam automatisch rotieren, auf Basis verschiedener Schlüsselwörter umbenennen und mit zuvor definierten Metadaten versehen. Unterverzeichnisse erzeugt das Programm während des Imports ausschließlich auf Basis des Aufnahmedatums oder des Dateityps.

Seinen beachtlichen Funktionsumfang macht Digikam über eine aufgeräumte Bedienerführung zugänglich.

Seinen beachtlichen Funktionsumfang macht Digikam über eine aufgeräumte Bedienerführung zugänglich.

Schlagwörter und Bildunterschriften weist Digikam einzelnen oder auch mehreren Bildern gleichzeitig zu. Die Editoren für Exif-, IPTC- und XMP-Daten lassen sich mit mehreren Bildern gleichzeitig öffnen, Änderungen muss man allerdings an jedem Bild einzeln vornehmen. Geotags ordnet Digikam hingegen allen ausgewählten Bildern gleichzeitig zu, wahlweise unter Verwendung einer Track-Datei, durch die Eingabe von Koordinaten oder anhand einer Landkarte. Eine im Hauptfenster einblendbare Landkarte zeigt die Positionen aller mit Geotags versehenen, aktuell ausgewählten Fotos.

Die seit Digikam 2.0 implementierte Gesichtserkennung kann derzeit noch nicht überzeugen. Bereits die Auswahl der für eine Erkennung relevanten Ordner gerät zum Stolperstein: In verschachtelten Verzeichnisbäumen müssen alle Ordner einzeln angewählt werden. Das Einlesen eines kleinen Bildarchivs mit rund 500 Fotos unterschiedlichster Inhalte und einem Gesamtumfang von etwa 600 MByte dauerte auf einem Athlon 3500 rund 20 Minuten. Das Resultat war trotz langer Rechenzeit enttäuschend. Zwar wurden in zahlreichen Fotos korrekterweise Gesichter erkannt, zugleich stufte Digikam aber auch etliche Alltagsgegenstände, Buchrücken, Firmenlogos und andere Objekte fälschlich als Gesicht ein. Die Zuordnung von Namen zu erkannten Gesichtern scheiterte des Öfteren an einer unvollständig dargestellten Liste der Namenstags.

Bildbearbeitungsfunktionen hält Digikam in einem separaten Editor oder einem ebenfalls separat geöffneten Stapelverarbeitungsfenster bereit. Letzteres bietet einen beachtlichen Befehlsvorrat, allerdings keine Vorschaufunktion und kommt für Tonwertkorrekturen daher nur bedingt in Frage. Der Editor zeigt zur schnellen Bildauswahl eine Miniaturenliste aller im aktuellen Verzeichnis enthaltenen Bilder, Korrekturwerkzeuge muss man allerdings für jedes Bild einzeln aufrufen und alle Veränderungen explizit speichern. Die Bearbeitung umfangreicher Bildbestände geht auf diese Weise eher langsam voran, moderne Workflow-Bearbeitungsmethoden hat Digikam nicht zu bieten. Die eingangs erwähnte Panoramamontage lieferte ordentliche bis gute Resultate, auch eine Serie von mit freier Hand aufgenommenen Handyfotos wurde erstaunlich sauber zusammengefügt.

Die Raw-Konvertierung ist nicht auf dem Stand der Technik: Auch hier ist ein separates Fenster zuständig; eine flüssige Verarbeitung im Stil von Bibble und vergleichbaren Programmen erlaubt Digikam derzeit nicht. Konvertierte Raws und andere Bildtypen speichert das Programm optional mit 16 Bit Farbtiefe pro Kanal, etwaige Farbraumwandlungen muss man vor dem Speichern durchführen.

Stärken zeigt Digikam beim Drucken und Exportieren von Bildern. Unter anderem erlaubt das Programm Veröffentlichungen bei zehn Online-Diensten, darunter Flickr, Picasa und Facebook. Ein weiteres Exportmodul erzeugt auf Basis verschiedener Designs HTML-Fotoalben, eine Übertragung von Bildern auf einen iPod ist ebenfalls möglich. Fotodrucke fertigt Digikam anhand verschiedener, flexibel bestückbarer Layouts an, ein spezieller Assistent erzeugt darüber hinaus auch Fotokalender.

LightZone

Die Korrekturwerkzeuge von LightZone zählen zum Besten, was man derzeit finden kann.

Die Korrekturwerkzeuge von LightZone zählen zum Besten, was man derzeit finden kann.

Mit 100 Euro ist LightZone  etwas teurer als Bibble Lite, bietet auf den ersten Blick jedoch einen deutlich kleineren Funktionsumfang. Datenbankfunktionen fehlen dem nur in englischer Sprache verfügbaren Java-Programm völlig, die Metadaten-Sektion ist auf das Allernötigste reduziert, die Druckfunktionen fallen noch magerer aus als bei dem in dieser Disziplin bereits schwachen Bibble. Dennoch zählt LightZone dank herausragender Tonwertwerkzeuge zu den derzeit interessantesten Linux-Fotoprogrammen.

Fotosichtung und Bildbearbeitung sind in LightZone strikt getrennt, der Browser leistet nur das Allernotwendigste.

Fotosichtung und Bildbearbeitung sind in LightZone strikt getrennt, der Browser leistet nur das Allernotwendigste.

Eines der wichtigsten Werkzeuge ist der ZoneMapper, ein in 16 Helligkeitszonen unterteilter Tonwerteditor. Die zu einem Grauwert- Feld des ZoneMappers passenden Bildregionen zeigt LightZone beim Überfahren mit der Maus anhand farbiger Markierungen in einer Miniatur des Fotos. Auf diese Weise sieht man schnell, wo Korrekturbedarf besteht und einzelne oder mehrere Bereiche der Zonenskala ausgedehnt oder gestaucht werden müssen. Das Vorgehen ist entfernt mit Eingriffen in eine Tonwertkurve vergleichbar, allerdings ungleich intuitiver.

Wie alle anderen LightZone-Werkzeuge arbeitet auch der ZoneMapper verlustfrei. Beim Verlassen des Editors erzeugt LightZone im Verzeichnis des Originals automatisch eine JPEG-Datei, in der neben der bearbeiteten Version des Fotos auch eine Liste der zur Korrektur genutzten Befehle enthalten ist. Die Größe dieser Datei legt der Nutzer in den Programmeinstellungen fest, standardmäßig beträgt sie 1024 Pixel für die längere Seite des Fotos. Eine Exportfunktion erzeugt auf Wunsch Bildversionen in voller Auflösung, wahlweise mit 8 oder 16 Bit Farbtiefe. Zielfarbraum und Rendering Intent legt man direkt im Exportdialog fest.

Neben dem ZoneMapper bietet LightZone elf weitere Werkzeuge an, darunter eine Rauschreduzierung, einen Weißabgleich, eine Schwarzweiß-Konvertierung und den Belichtungsoptimierer Relight. Letzter ermöglicht auch ungeübten Anwendern schnelle, nach Licht und Schatten getrennte Belichtungskorrekturen. Alle Werkzeuge lassen sich stapeln, um verschiedene Korrekturen zu kombinieren. Optional anwendbare Maskierungen beschränken die Wirkung eines Werkzeugs auf bestimmte Areale eines Fotos, auch ein gezieltes Einwirken auf bestimmte Farbbereiche ist möglich. Gelungene Korrekturzusammenstellungen speichert LightZone auf Wunsch in jederzeit anwendbaren "Styles", eine umfangreiche Kollektion solcher Vorgaben gehört zum Lieferumfang des Programms.

Picasa

Verlustlose Bildbearbeitung, Gesichtserkennung, komfortables Sichten: Picasa bietet viel, zeigt aber Schwächen bei Metadaten und Tonwertkorrekturen.

Verlustlose Bildbearbeitung, Gesichtserkennung, komfortables Sichten: Picasa bietet viel, zeigt aber Schwächen bei Metadaten und Tonwertkorrekturen.

Da Google die Linux-Version seines kostenlosen Fotoprogramms Picasa seit längerem nicht gepflegt hat, hinkt sie der Windows- Version deutlich hinterher. Allerdings ist es möglich, Picasa 3.0 Beta für Linux auf Version 3.8 zu aktualisieren: Die Linux-Portierung von Picasa besteht aus der Windows- Version des Programms mit passend konfiguriertem Wine. Für ein Update laden Sie den Windows-Installer picasa38-setup.exe herunter und starten ihn mit

/opt/google/picasa/3.0/wine/bin/wine picasa38-setup.exe

Die Installation erfolgt in das Verzeichnis ~/.wine/drive_c/Programme/Google/Picasa3. Gegenüber der Version 3.0 bringt Picasa 3.8 unter anderem eine Gesichts- und Personenerkennung, einen einfacheren Upload von Bildern in Picasa-Online-Alben und komfortablere Schlagwort-Funktionen mit.

Picasa ist auf die Anforderungen von Freizeitfotografen zugeschnitten, leistet aber auch als Ergänzung professioneller Werkzeuge wertvolle Arbeit. Die Software verwaltet und überwacht beliebig viele Fotoverzeichnisse, je nach Wunsch mit oder ohne Gesichtserkennung. Die Funktion hilft nicht nur beim Sortieren der Partyfotos, sie erleichtert auch beispielsweise Fotojournalisten die Verschlagwortung ihres Bildarchivs. Die von Picasa unterbreiteten Vorschläge treffen erstaunlich oft zu, und mit jeder Zuordnung eines unbekannten Gesichts zu einer Person arbeitet die Erkennung ein wenig besser.

Zugewiesene Personennamen speichert Picasa zunächst lediglich intern. Wer die Namen als IPTC-/XMP-Schlagworte in die Bilddateien schreiben will, muss den einer Person zugeordneten Bildordner öffnen, dort alle Bilder auswählen und anschließend in der Seitenleiste "Tags" ein passendes Schlagwort zuordnen. Nach früheren Inkompatibilitäten zu den IPTC-/XMP-Funktionen anderer Programme trägt Picasa Metadaten inzwischen offenbar standardkonform in Bilddateien ein. Auch die gelegentlich berichteten Verluste von Exif- MakerNotes nach dem Schreiben von Metadaten haben wir nicht erlebt.

Schlagwörter vergibt man in Picasa komfortabel und zügig, Schlagwort-Hierarchien wie in Bibble oder Dialoge für eine umfassende IPTC-/XMP-Bearbeitung kennt das Programm allerdings nicht. Das unter Windows gut funktionierende Geotagging verlangt unter Linux eine spezielle Installation von Google Earth im Wine-Kontext von Picasa. Die Darstellung bereits existierender Geotags in einer Landkarte führte reproduzierbar zu Programmabstürzen, ein erneuter Start von Picasa war erst nach Löschen der Zeile "active_metadata_tab= (…)" in der Datei ~/.google/picasa/3.0/user.reg möglich.

Bildkorrekturen und Effektzuweisungen legt Picasa zunächst als Befehlsliste in seiner Datenbank und in einer im Bildverzeichnis erzeugten Datei .picasa.ini ab. Erst beim expliziten Speichern überschreibt Picasa die Original-Dateien, legt zuvor allerdings Kopien im Unterverzeichnis .picasaoriginals an. Die Wiederherstellen-Funktion löscht die geänderten Dateien und verschiebt die Originale zurück an ihren Ursprungsort, merkt sich allerdings die angewendeten Bearbeitungsschritte, sodass sie sich einzeln zurücknehmen lassen.

Die Korrekturwerkzeuge von Picasa decken den elementaren Bedarf ab: Bilder lassen sich zuschneiden, gerade stellen, von roten Augen oder Farbstichen befreien und in ihrer Tonwertverteilung optimieren. Aufwendige Tonwertwerkzeuge gibt es ebenso wenig wie eine Rauschreduzierung oder Maskierungsfunktionen. Raw-Dateien zahlreicher Kameras kann Picasa anzeigen, speichert sie allerdings - inklusive eventuell vorgenommener Korrekturen - nur mit acht Bit pro Farbkanal im JPEG-Format. Die in Picasa 3.8 eingeführte erweiterte Bildbearbeitung mit einem im Programmfenster eingeblendeten Modul des Online-Fotoeditors Picnic funktionierte im Test unter Linux nicht.

Ausgesprochen flüssig arbeitet die Synchronisierung lokaler Bildbestände mit den von Google kostenlos angebotenen Online- Fotoalben unter picasaweb.google.com. Einzelne Bilder, ganze Ordner oder zuvor angelegte, virtuelle Alben lassen sich mit wenig Aufwand in Online-Alben übertragen. Die Sichtbarkeit der Bilder kann man auf ihren Besitzer, authentifizierte Gäste oder alle Besitzer eines speziellen, nichtöffentlichen Links beschränken. Änderungen lokaler Bildbestände überträgt Picasa auf Wunsch automatisch in die Online-Alben - vergleichbar komfortable Online-Funktionen bietet kein anderes der hier vorgestellten Programme.

RawStudio

RawStudio bietet nur die wichtigsten Funktionen, zeigt dort aber solide Leistungen.

RawStudio bietet nur die wichtigsten Funktionen, zeigt dort aber solide Leistungen.

RawStudio  bietet im Testfeld die geringste Bandbreite an Funktionen: Importfunktionen für den Bildtransfer von Speicherkarten gibt es ebenso wenig wie nennenswerte Datenbankwerkzeuge. Zur Verwaltung größerer Bildbestände bietet RawStudio seinen Nutzern einzig eine sehr schlichte Schlagwortvergabe und die Kategorisierung in drei Bildprioritäten. Bearbeitungsfunktionen für IPTC und EXIF-Metadaten sind nicht vorhanden, gleiches gilt für Geotagging-Werkzeuge.

Dass RawStudio trotz solcher Einschränkungen großen Anklang findet, dürfte in der praxisnahen Auswahl elementarer Funktionen und der hohen Arbeitsgeschwindigkeit zuzuschreiben sein. Alle Korrekturen werden verlustlos angewendet und meist erfreulich schnell ins Bild gerechnet. Zur Verfügung stehen alle wichtigen Tonwertwerkzeuge, eine gut wirksame Rauschunterdrückung, ein Kanalmischer, eine Vignettierungskorrektur und eine Reduzierung chromatischer Aberrationen. Maskierungen, mit denen Bildkorrekturen auf bestimmte Bildbereiche eingeschränkt werden, bietet RawStudio nicht.

Etwas irritierend ist die Standardeinstellung des Dateifilters. RawStudio macht seinen Namen scheinbar kompromisslos zum Programm und bearbeitet zunächst ausschließlich Raw-Dateien. Erst der Befehl "Ansicht/ Load non-RAW images" aktiviert auch die Anzeige und Verarbeitung von JPEG-, PNG- und TIFF-Dateien. Für die Auswahl des zu bearbeitenden Bilderordners sollte übrigens statt des Befehls "Datei/Ordner öffnen" besser der Reiter "Öffnen" des Werkzeugbereichs genutzt werden, da nur hier eine Einbindung ganzer Ordnerbäume möglich ist.

Bearbeitete Bilder speichert RawStudio wahlweise einzeln oder stapelweise in ein Verzeichnis, das man zuvor manuell festlegen muss. Nur den Dateinamen setzt RawStudio automatisch aus verschiedenen Variablen zusammen. Zusätzlich zur Speicherung auf der Festplatte ist auch der Export in Facebook-, Flickr- und Picasa-Webalben vorgesehen. Besitzern zahlreicher Canon- und Nikon-Kameras erlaubt RawStudio schließlich noch ferngesteuertes Aufnehmen von Fotos, der entsprechende Menübefehl lautet "Ansicht/Tethered Shooting". Eine Liste unterstützter Modelle findet man auf gphoto.org/doc/remote/.

RawTherapee

Die Tonwertwerkzeuge von RawTherapee reichen auch für anspruchsvolle Nutzer aus.

Die Tonwertwerkzeuge von RawTherapee reichen auch für anspruchsvolle Nutzer aus.

Das kostenlos erhältliche Programm RawTherapee  liegt derzeit in der hier getesteten Version 3.0 vor, experimentierfreudige Nutzer können außerdem die sehr junge, im Entwickler- Zweig abgelegte Version 4.0 ausprobieren. Wie LightZone verzichtet das Programm auf Datenbankfunktionen, Werkzeuge für den Online- oder Diaschau-Export und Druckfunktionen.

RawTherapee ermöglicht Bildkorrekturen bereits beim Sichten.

RawTherapee ermöglicht Bildkorrekturen bereits beim Sichten.

Für die Bildauswahl hält RawTherapee einen Verzeichnisbaum bereit. Korrekturen, die man im seitlichen Werkzeugbereich an markierten Bildern ausführt, werden in den Thumbnails sofort sichtbar und lassen sich dank der recht großen Darstellung mit bis zu 400 Pixeln Höhe auch gut beurteilen. Für Bearbeitungen in der Vollbildansicht öffnet RawTherapee einen neuen Tab mit optionaler Vorher-/Nachher-Anzeige, einer Speichermöglichkeit für Bildvarianten und einem fortlaufend aktualisierten, großflächigen Histogramm. Eine Navigationsleiste für den schnellen Wechsel zum nächsten Bild fehlt; um ein anderes Foto zu bearbeiten, wechselt man in die Miniaturübersicht und öffnet dort das Bild per Doppelklick in einem weiteren Tab.

Bearbeitete Fotos muss man explizit speichern; eine Warteschlangen-Funktion erleichtert das immerhin ein wenig, zumal die dort bereitgehaltenen Optionen zur Dateibenennung und Verzeichniswahl vielen Archivierungsmethoden genügen dürften. Als Dateiformate stehen JPEG, TIFF und PNG zur Verfügung, die beiden letzteren optional mit 16 Bit Farbtiefe je Kanal. Hohen Ansprüchen genügt auch die große Auswahl an Korrekturwerkzeugen, darunter umfassende Tonwertfunktionen, zahlreiche Farbwerkzeuge, eine Rauschreduzierung sowie eine Korrektur von Verzeichnungen, Farbsäumen und Vignettierungen. Als Arbeitsfarbraum stehen neben sRGB und Adobe RGB vier weitere Profile zur Auswahl. Das Ausgabeprofil legt man direkt im Bearbeitungskontext fest, für Änderungen des Rendering Intent muss man den Einstellungsdialog aufrufen.

Shotwell

Der Funktionsumfang von Shotwell ist noch reduziert, aber das Programm entwickelt sich schnell weiter.

Der Funktionsumfang von Shotwell ist noch reduziert, aber das Programm entwickelt sich schnell weiter.

Shotwell, in Ubuntu und Fedora mittlerweile Standardprogramm zur Fotoverwaltung, bietet einen alltagstauglichen Werkzeugvorrat für den Import, die Verwaltung und den Export von Bildern. Von einer Kamera übertragene Fotos speichert Shotwell  in einer benutzerdefinierten, allerdings ausschließlich auf Basis von Datums- und Zeitangaben erzeugten Ordnerstruktur. Die Verwendung von Jobcodes oder ähnlichen Sessionspezifischen Angaben ist nicht vorgesehen, gleiches gilt für die professionelle Bearbeitung von IPTC-Daten. Zur Bildverwaltung nutzt Shotwell vor allem Schlagworte, Bewertungen und Datumsangaben.

Importierte Sammlungen ordnet das Programm automatisch in eine nach Jahren, Monaten und Tagen unterteilte, "Ereignisse" genannte Baumstruktur. Auf Tagesebene dürfen die zunächst zum Beispiel "Do 15. Sep, 2011" benannten Titel der Hierarchie beliebig umbenannt werden; etwa, um ein Ereignis tatsächlich beim Namen zu nennen. Mehrere unterschiedliche Ereignisse gleichen Datums können nur auf dem Umweg über getrennte Importvorgänge erzeugt werden, Shotwell bietet keine Funktion, um neue Ereignisse manuell anzulegen. Auch eine Verschachtelung, etwa zur Rubrizierung innerhalb eines Ereignisses, ist nicht vorgesehen.

Flexiblere Ordnungsmechanismen bietet die Schlagwortverwaltung. Zwar kennt der zuständige Dialog weder eine Vorschlagsliste noch die automatische Ergänzung eines Schlagworts; aber man kann Bilder einfach per Drag & Drop in die unterhalb der Ereignishierarchie platzierte Schlagwortliste ziehen. Bereits angelegte Schlagworte werden, ebenfalls per Drag & Drop, auf Wunsch zu Hierarchien geordnet. Damit Schlagworte, Bildtitel und Bewertungen auch in die IPTC- Metadaten der Bilddateien geschrieben werden, muss man die Option "Metadaten in die Fotodateien schreiben" im Einstellungsdialog aktivieren.

Kleinere Bildkorrekturen unterstützt Shotwell mit einer sehr knappen Auswahl elementarer, aber durchaus brauchbarer Tonwertwerkzeuge, einer meist passablen Autokorrektur, einer Blitzaugen-Korrektur sowie einer Rotations- und Zuschnittfunktion. Alle Änderungen finden verlustlos statt, der Export veränderter Fotos erfolgt ausschließlich in einen zuvor manuell ausgewählten Ordner und nicht in eine durch Metadaten oder andere Variablen definierte Verzeichnisstruktur. Für die Online-Präsentation stehen Exportfunktionen in Facebook-, Flickr- und Picasa- Webalben zur Verfügung.

Kleine Helfer zum Sortieren und Geotaggen

Das Java-Programm Geotag nutzt Firefox oder andere Browser für die Kartenanzeige und Positionsbestimmung.

Das Java-Programm Geotag nutzt Firefox oder andere Browser für die Kartenanzeige und Positionsbestimmung.

Keines der beschriebenen Programme erfüllt alle mit einem typischen Foto-Workflow verbundenen Ansprüche. Lücken oder zumindest Schwächen gibt es vor allem beim Bildimport von Speicherkarten, beim Geotagging und beim schnellen Sichten noch nicht in der Datenbank erfasster Bildbestände. Drei Programme bieten in diesen Bereichen guten Ersatz.

Der Rapid Photo Downloader  erleichtert den Bildimport von einer Speicherkarte oder aus einem Verzeichnis ganz erheblich. Das Programm erzeugt die Verzeichnisse für neue Bilder nach vielfältig definierbaren Kriterien, hält zahlreiche Optionen zur automatischen Umbenennung bereit, kopiert Fotos und Videos auf Wunsch in verschiedene Ordner und erzeugt optional Sicherungskopien aller neu kopierten Bilder. Es fehlen jedoch Funktionen wie die automatische Rotation von JPEG-Bildern, die Befüllung von IPTC-/ XMP-Feldern mit vordefinierten Werten und das gezielte Löschen einzelner Dateien von der Speicherkarte.

Beim Sichten und schnellen Sortieren von Bildbeständen leistet Geeqie  gute Dienste. Der umfassend konfigurierbare Fotobrowser zeigt Thumbnails mit bis zu 256 Pixeln Größe, bietet zahlreiche Tastaturbefehle für schnelles Navigieren, kopiert und verschiebt Dateien in existierende oder neu erzeugte Verzeichnisse, unterstützt zahlreiche Raw-Formate und legt Bildverweise in beliebig vielen benutzerdefinierten, beispielsweise thematisch sortierten Sammlungen ab.

Das in Java geschriebene Geotag  nutzt eine im Internet-Browser angezeigte Google- Maps-Karte für die Verknüpfung von Koordinaten und Bildern; in seinem eigenen Programmfenster zeigt es lediglich eine Liste der Fotos in einem Verzeichnis und eine Vorschau des ausgewählten Bildes an. Wer das Geotag-Fenster und den Browser nebeneinander platziert, kann allerdings recht komfortabel und zügig arbeiten. Die zu den zuvor eingetragenen Koordinaten passenden Ortsnamen ermittelt Geotag über den Online- Service von geonames.org, alternativ kann das Programm dazu Daten der Wikipedia nutzen.

Fazit - Bibble überzeugt als Alleskönner

Ein effizienter Foto-Workflow lässt sich sowohl mit kommerziellen wie mit kostenlosen Programmen umsetzen. Die derzeit stärkste Gesamtleistung liefert Bibble  - wenn Online-Dienste, aufwendige Drucklayouts und Geotagging keine Rolle spielen, benötigen auch anspruchsvolle Nutzer kein zusätzliches Werkzeug.

Alle anderen Programme brauchen zumindest einen weiteren Mitstreiter, um im Fotografen-Alltag bestehen zu können. Ein Paket aus LightZone , dem Primus in Fragen der Bildkorrektur, dem bemerkenswert leistungsstarken RawTherapee  oder dem Newcomer Darktable  und dem üppig ausgestatteten Digikam  lässt nur wenige Wünsche offen.

Picasa, RawStudio und Shotwell können professionellen Ansprüchen zwar in keiner wichtigen Disziplin wirklich genügen; das Google-Programm ist aber wegen seiner praktischen Gesichtserkennung, der gelungenen Kreativabteilung und dem einfachen Online-Export immer wieder hilfreich.

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