Sonos Arc im Test WLAN-Soundbar mit Dolby Atmos - aber nicht für alle

Die neue Arc-Soundbar passe prima zu großen Fernsehern und liefere modernen Dolby Atmos Sound, verspricht Hifi-Hersteller Sonos. Im Test klappte das leider nicht, weil ein kleines Bauteil eingespart wurde.
Die Sonos Arc: 114 Zentimeter breit, bestückt mit elf Verstärkern und Lautsprechern

Die Sonos Arc: 114 Zentimeter breit, bestückt mit elf Verstärkern und Lautsprechern

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Bei Sonos steht alles auf Neuanfang. Die Firma, die mit ihren vernetzten Lautsprechern die Hifi-Branche geprägt hat, bringt in Kürze ein neues Betriebssystem für seine Produkte heraus - zumindest für die jüngeren davon. Dafür hat Sonos eine neue Version seiner Steuerungs-App entwickelt und zudem seine erste TV-Soundbar herausgebracht, die TV-Sound mit Dolby-Atmos-Technologie erzeugen kann. Das ist derzeit so etwas wie der Goldstandard für Raumklang.

Arc, also Bogen, heißt diese Soundbar, die nach der Form ihres Querschnitts benannt worden ist und gleich zwei Produkte ablösen soll: Die 2013 eingeführte Playbar und die flache Playbase von 2017. Beide seien nicht mehr zeitgemäß, weil zu klein für die Fernsehgeräte, die heute gekauft würden. Mit einer Breite von 114 Zentimetern würde die neue Arc viel besser zu TV-Geräten im Format 56 Zoll und größer passen.

Das mag durchaus richtig sen. Vor meinen 49 Zoll-TV, gekauft vor knapp dreieinhalb Jahren, passt sie gerade mal so. Den gewonnen Platz hat Sonos mit zusätzlichen Lautsprechern gefüllt. Sorgten in der Playbar noch neun davon für die Klangkulisse, sind es in der Arc insgesamt elf, jeder davon angetrieben von einem eigenen Digitalverstärker. Die üppige Bestückung ist unter anderem nötig, um Dolby-Atmos-Sound erzeugen zu können, der beispielsweise dafür sorgen kann, dass man in "Star Wars" Raumschiffe über sich hinwegfliegen hören kann.

Von der Seite betrachtet erkennt man den bogenförmigen Querschnitt, den Arc, von dem die neue Sonos-Soundbar ihren Namen hat.

Von der Seite betrachtet erkennt man den bogenförmigen Querschnitt, den Arc, von dem die neue Sonos-Soundbar ihren Namen hat.

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Für den ersten Hörtest lasse ich die neue Soundbar aber erstmal einfach nur Musik abspielen. Schließlich hat so eine Soundbar ja eine Doppelfunktion, als TV-Lautsprecher und Stereoanlage. Das gilt bei Sonos ganz besonders, weil man dort alles per App steuern und Lautsprecher in mehreren Räumen synchron dieselbe Musik abspielen lassen kann. Die neue Version der Sonos-App, die am 8. Juni veröffentlicht werden soll, geht noch einen Schritt weiter, indem sie Räume wiederum zu Gruppen zusammenfassen lässt. So kann man etwa "Küche", Wohnzimmer" und "Esszimmer" der Gruppe Erdgeschoss zuordnen, "Schlafzimmer", "Bad" und "Büro" dem Obergeschoss.

Zudem verspricht Sonos, mit der neuen App auch hochauflösende Audioformate, wie eben Dolby Atmos, beim Abspielen von Musik zu unterstützen. Dazu muss man freilich erstmal einen Streaming-Service finden und abonnieren, der so etwas anbietet. Und man braucht vergleichsweise neue Sonos-Hardware, denn einige ältere Lautsprecher und Verstärker werden von der neuen App nicht unterstützt. Sie bleiben ab jetzt auf die alte Version der App angewiesen und werden künftig nicht mehr von neuen Diensten oder Funktionen profitieren. Für diesen Test habe ich eine Vorabversion der neuen App benutzt.

Wo bleibt Atmos?

Nach der Installation habe ich die Arc zunächst im Stereo-Modus ausprobiert, eben zum Musikhören. Dabei fallen zwei Dinge besonders auf: Dass die Soundbar einen enorm klaren Klang produziert, der auch feine Details in Songs hören lässt. In "Subterranean Homesick Alien" von Radiohead kommt beispielsweise der leicht pappige Sound der Bassdrum sehr schön rüber. Das Stereobild wirkt für mich aber etwas eng, vor allem, wenn man sich von der Arc entfernt.

Viel wichtiger ist bei einer Soundbar aber natürlich der Sound beim Fernsehen. Schließlich verspricht Sonos für die Arc "unglaublich realistischen Dolby Atmos Sound". Und tatsächlich, als ich den ersten Film mit Atmos-Tonspur anwerfe - davon gib es bei Apple TV, Disney+ und Netflix einige - merke ich einen Unterschied zu meiner sieben Jahre alten Soundbar. Was aus den elf Lautsprechern kommt, klingt räumlicher und brillanter.

Aber es klingt bei Weitem nicht so transparent und raumfüllend wie bei Sennheisers Ambeo-Soundbar, die ich vor ein paar Monaten getestet habe. Die kostet allerdings auch fast das Dreifache. Was mir fehlt, ist der versprochene Eindruck, ich könnte auch Dinge hören, die über mir und hinter mir passieren. Doch egal welchen Film ich anwerfe, davon ist nichts zu hören. Ein Blick in die Sonos-App bringt dann die Ernüchterung: Es ist gar kein Dolby Atmos, was mir die Arc da vorspielt, sondern bloß Dolby Digital 5.1.

Mit älteren TVs kann die Arc nicht alles

Tatsächlich scheitern in der Folge sämtliche Versuche, Dolby Atmos mit der Arc zum Laufen zu bringen. Nach etlichen Testläufen mit AppleTV und Fire TV Cube als Zuspieler bringt ein Telefonat mit einem Support-Experten von Sonos endlich Aufklärung: Die Arc kann zwar Atmos-Sound wiedergeben, aber dafür ist mein Fernseher mit seinen dreieinhalb Jahren zu alt.

Das Problem: Um die Installation so einfach wie möglich zu machen - und vielleicht ein paar Dollar zu sparen - hat Sonos der Arc nur eine HDMI-Buchse eingebaut, üblich sind zwei oder drei. Denn bei den meisten anderen Soundbars mt Dolby Atmos schließt man zuerst das Zuspielgerät, also etwa einen Blu-ray-Player oder ein Apple TV, per HDMI an die Soundbar an und dann den Fernseher mit einem weiteren HDMI-Kabel an die Soundbar. So kommt das Tonsignal direkt zur Soundbar und der Fernseher bekommt nur die Bilddaten weitergeleitet.

Bei der Arc hingegen läuft es umgekehrt: Die Streamingbox wird zuerst an den TV angeschlossen und das Tonsignal von dort an die einzige HDMI-Buchse der Soundbar durchgeleitet. Inklusive Dolby Atmos klappt das aber nur bei aktuellen TV-Geräten mit einer sogenannten eArc-HDMI-Buchse zuverlässig. Bei Samsung und Sony sei das etwa bei Geräten ab dem Baujahr 2018 der Fall, so der Sonos-Support, wer einen LG-TV hat, kann auch schon ab dem Baujahr 2017 Glück haben. Mein Samsung-Modell von Ende 2016 ist damit raus. Laut Sonos hat man keine weiteren HDMI-Buchsen eingebaut, um die Installation so einfach wie möglich zu machen.

Fazit

Mit der Arc hat Sonos eigentlich einen tollen Nachfolger für die mittlerweile schon etwas alt wirkende Playbar entwickelt. Das Design ist toll, der Sound herrlich transparent, Installation und Bedienung sind supersimpel, wie man es von Sonos kennt. Die Einschränkung, dass man Dolby Atmos damit nur genießen kann, wenn man einen vergleichsweise neuen Fernseher hat, schränkt den Kundenkreis aber unnötig ein. Mit einer zweiten HDMI-Buchse, die vielleicht ein paar Dollar extra kostet, hätte Sonos dieses Problem vermeiden können.

Wegen dieser Einschränkung ist sie für Besitzer älterer TV-Geräte nicht nur kaum empfehlenswert, sondern mit 899 Euro auch zu teuer. Zu diesem Preis bekommt man von Firmen wie LG, Samsung und Sony Soundbars inklusive Subwoofer, die dank mehrerer HDMI-Buchsen auch an solchen TVs Dolby Atmos liefern.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.

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