SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

23. September 2019, 18:13 Uhr

Lautsprecher Sonos Move im Test

Der soll draußen spielen

Von

Erstmals bringt Sonos einen Netzwerklautsprecher auf den Markt, den man mitnehmen und unterwegs per Bluetooth benutzen kann. Wir haben mal reingehört - und uns gefragt, ob das Gerät 400 Euro wert ist.

Seit 17 Jahren beschäftigt sich die amerikanische Firma Sonos damit, Lautsprecher per WLAN zu vernetzen. Die Expertise des Unternehmens auf diesem Gebiet ist unbestreitbar. Jetzt versucht sich die Firma zum ersten Mal daran, einen ihrer Lautsprecher aus dem heimischen Netzwerk zu lösen. Der Move ist das erste Produkt von Sonos, das nicht nur drinnen, sondern auch draußen funktioniert: im Park und am Strand, vor allem aber wohl im Garten und Ferienhaus.

Als ich den Move bei einer Präsentation am Rande der Ifa zum ersten Mal in der Hand hielt, fiel mir vor allem der praktischerweise ins Gehäuse integrierte Tragegriff auf. Jetzt, als ich das Gerät zum Testen aus seinem Karton hob, hinterließen auch noch das stattliche Gewicht und die nicht unerheblichen Ausmaße des Lautsprechers Eindruck.

Gut drei Kilogramm wiegt der Move: Er ist deutlich höher und breiter als etwa ein Sonos One. Stecke ich ihn in meinen Tagesrucksack, ist da noch Platz für eine Badehose und ein Handtuch, für Picknickzubehör aber nicht mehr. Verglichen mit anderen mobilen Lautsprechern wie meiner etliche Jahre alten Boom 1 von Ultimate Ears ist der Move deshalb eher für den Garten als für den Elbstrand geeignet, zumindest solange man zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist.

Klanglich hingegen lässt der Move den Boom 1 weit hinter sich. Obwohl er viel größer ist, klingt er dem Sonos One und auch dem älteren Play 1 sehr ähnlich, also sehr rund und transparent, mit für seine Größe fetten, aber etwas undifferenzierten Bässen. Er wirkt auf mich wie eine Allround-Box, auf der alles irgendwie gut klingt, egal ob Pop, Hip-Hop, Rock oder Klassik.

Vom High End ist er dabei noch ein gutes Stück entfernt, dafür ist seine Musikwiedergabe nicht detailliert genug. Als Alltagslautsprecher aber dürfte der Move den meisten Zuhörern gefallen.

Sprachsteuerung möglich

Ausgesprochen dezent zugange ist die neue Auto-Trueplay-Funktion, die den Klang des Move an die jeweilige Umgebung anpasst. Bei älteren Sonos-Modellen muss man das manuell machen und den Lautsprecher jedes Mal, wenn man ihn woanders hingestellt hat, neu kalibrieren. Beim Move geschieht das über die eingebauten Mikrofone automatisch und kaum spürbar. Nebenbei können die Mikrofone auch zur Sprachsteuerung genutzt werden, wahlweise mit dem Google Assistant oder Amazons Alexa.

Bemerkenswert im Test war, dass der Move - möglicherweise auch dank Auto-Trueplay - vor allem im Freien ein ausgesprochen angenehmes Klangbild produziert und dabei sehr voll, aber nicht dröhnig klingt. Die Lautstärke kann man dabei durchaus in Bereiche drehen, die den Nachbarn lästig werden.

Mit Bluetooth ohne Sonos-App

Vollkommen ungewohnt ist dabei, dass man den Move nicht mehr mit der Sonos-App steuern kann, sobald man den Abdeckungsbereich des WLANs verlässt. Stattdessen muss man ihn dann mit einem Knopf auf der Rückseite von WLAN auf Bluetooth-Betrieb umschalten. Warum das nicht automatisch geschieht, ist mir schleierhaft. Im Bluetooth-Modus steuert man den Move dann mit seiner Musik-App an, zum Beispiel mit Apple Music oder Spotify.

Die Stromversorgung erfolgt unterwegs über einen unten in das Gehäuse eingebauten Akku, der einen beträchtlichen Teil zum Gesamtgewicht beiträgt. Zehn Stunden Laufzeit verspricht Sonos, was ein Mittelwert sein dürfte. Lässt man den Move nur leise im Hintergrund spielen, sind wohl auch ein paar Stunden mehr drin, dreht man ihn voll auf, geht ihm schneller die Puste aus.

Unterwegs kann man das Gerät auch per USB-C-Kabel von einer Powerbank aufladen lassen. Zu Hause pumpt seine Ladestation den Akku in rund anderthalb Stunden wieder voll. Sonos empfiehlt, den austauschbaren Stromspeicher alle drei Jahre auszuwechseln, um immer die bestmögliche Akkulaufzeit zu erhalten. Preise für Austauschakkus hat das Unternehmen aber noch nicht bekannt gegeben.

Fazit

Wer einen Sonos-Lautsprecher für Balkon und Garten sucht, macht mit dem Move nichts falsch. Ob man ihn auch zu Strandausflügen oder in den Park mitnehmen mag, ist angesichts des Gewichts vor allem vom Transportmittel abhängig. Die Akkulaufzeit reicht jedenfalls für einen Tag im Sand - und das, wenn man eine gute Powerbank mitschleppt, auch bis in die Nacht hinein.

Man muss sich das nur leisten können. Für 399 Euro ist der Move nicht gerade ein Schnäppchen. Weil man im Bluetooth-Modus die Sonos-App ohnehin nicht nutzen kann, könnte man auch einen Sonos One für zu Hause und einen portablen Bluetooth-Lautsprecher für unterwegs kaufen und würde so, je nach Modell, noch einige Zehner sparen.

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung