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Dieser Lautsprecher hört zu: Der Sonos One im Test

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Sonos One im Test Nachzügler mit Startschwierigkeiten

Sonos ist ein Pionier bei WLAN-Lautsprechern. Jetzt lernen die Geräte der Firma das Zuhören. Mit dem Modell One haben wir getestet, wie gut das funktioniert - und Verbesserungspotenzial gefunden.

Lange hat das gedauert. Schon als ich vor zweieinhalb Jahren das Sonos-Hauptquartier im kalifornischen Santa Barbara besucht hatte, ging es in den Gesprächen mit John MacFarlane um Sprachsteuerung. Der Sonos-Mitgründer war damals schlau genug, keinen festen Zeitplan dafür zu nennen. Man werde die Funktion eben liefern, wenn sie fertig ist. Jetzt ist es mit dem neuen Sonos One endlich so weit.

Sonos ist damit zum ersten Mal Nachzügler. Immerhin hat das Unternehmen das Konzept per WLAN vernetzter Lautsprecher jahrelang quasi im Alleingang entwickelt und ist damit bisher sehr erfolgreich. Zwar bieten mittlerweile viele Firmen ähnliche Lautsprecher an. Die Benutzung ist einfach und funktioniert für viele Musikdienste: Diese Kombination hat bisher keine Firma so gut hinbekommen wie Sonos.

Doch der Druck der Konkurrenz auf Sonos steigt: Amazon erweiterte das Konzept der WLAN-Lautsprecher im Amazon Echo mit der Anbindung an seine künstliche Intelligenz (KI) Alexa - und ist damit sehr erfolgreich. Google legte mit Google Home ein ähnliches Produkt nach, das auf Googles KI aufsetzt. Und schon bald wird Apple seinen HomePod auf den Markt bringen, der guten Klang und Apples Siri vereinen soll.

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Vernetzte Lautsprecher aus Kalifornien: Hausbesuch bei Sonos

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Höchste Zeit also für Sonos, seinen Nutzern auch Sprachsteuerung und den Zugang zu einem KI-System anzubieten. Der Sonos One soll genau das liefern. Allerdings ohne eine eigene KI. Stattdessen wollen die Kalifornier ihre Lautsprecher an die Systeme der anderen anbinden. Den Anfang macht Amazons Alexa, 2018 soll zuerst der Google Assistant folgen, später auch eine Sprachsteuerung von Apple-Geräten aus möglich werden.

Der Sonos One sieht aus wie eine Sonos Play 1, nur dass auf seinem Deckel ein paar Touch-Tasten angebracht sind. Der Sound, den das kleine Ding produziert, ist beachtlich klar und bassstark, vor allem, wenn man die TruePlay-Funktion nutzt. Die passt das Klangbild an die jeweilige Umgebung an. So klingt der Lautsprecher beispielsweise auch dann noch gut, wenn er hinter einem Vorhang auf einer Fensterbank steht.

Nur zwei Musikdienste

Um die Amazon-Sprachsteuerung nutzen zu können, braucht man einen Amazon-Account und die Alexa-App, in der man einen sogenannten Skill, sozusagen eine Erweiterung, aktivieren muss. So kann das Sonos-System mit Alexa verbunden werden.

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Dieser Lautsprecher hört zu: Der Sonos One im Test

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Künftig soll sich mit dem Sonos One dann all das machen lassen, was auch Amazons Echo kann - nur mit besserem Sound bei der Musikwiedergabe. Die Betaversion, mit der ich das System testen konnte, hat allerdings noch viele Fehlstellen und bietet reichlich Raum für Verbesserungen. Zum Beispiel lassen sich bisher nur zwei Musikdienste mit der Sonos-Sprachsteuerung nutzen: Amazon Music und TuneIn Radio. Spotify soll demnächst folgen, auf eine lokale Musiksammlung, beispielsweise auf einer Netzwerkfestplatte (NAS), kann das System nicht zugreifen.

Da geht noch was

Zudem wird noch kein Abgleich bereits vorhandener Einstellungen vorgenommen. Bei meinem Echo Dot habe ich das Aktivierungswort von "Alexa" auf "Computer" geändert, den One muss ich aber weiterhin mit "Alexa" ansprechen. Auch kann der One derzeit noch keine Nachrichten wiedergeben. Frage ich ihn nach meiner "täglichen Zusammenfassung", die ich mir von Alexa zusammenstellen lasse, antwortet er zwar brav: "Hier kommt deine tägliche Zusammenfassung", schweigt dann aber.

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Drahtloser Surround-Lautsprecher: Der Sonos Play 1 im Test

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Auch sonst läuft mit der Betaversion längst nicht alles rund. Der Versuch, ein Album beim Amazon Music zu hören, das ich nicht besitze, führt erwartungsgemäß zu dem Angebot, Beispiele aus diesem Album zu hören. Die werden von Alexa auch brav angekündigt, dann aber nicht abgespielt. Auch die Steuerung anderer Sonos-Lautsprecher oder Smart-Home-Geräte läuft noch nicht reibungslos. Viel zu oft musste ich während des Tests Ansagen hören wie "Tut mir leid, das verstehe ich nicht" oder "Das unterstützt das ausgewählte Gerät leider nicht".

Fazit

Manche Fehler, über die ich beim Test gestolpert bin, mögen darauf zurückzuführen sein, dass ich Vorabsoftware benutzen musste. Ich bezweifle allerdings, dass die paar Tage bis zur Markteinführung am 24. Oktober ausreichen, um dieses Bugs zu beheben. Leicht wird es für Sonos nicht, damit gegen die Konkurrenz anzutreten. Umso mehr, wenn demnächst Apples HomePod in den USA eingeführt wird.

Wenn man sowieso schon Sonos-Nutzer ist, spricht trotzdem wenig dagegen, einen Sonos One zu kaufen. Mit 229 Euro ist er genauso teuer wie der Play 1 ohne Sprachsteuerung, kann mit Software-Updates aber mit der Zeit besser werden. Wer schon ein Sonos-System hat und nur eine Sprachsteuerung ohne weiteren Lautsprecher bekommen möchte, ist mit einem Echo Dot 2 von Amazon möglicherweise besser bedient. Der beherrscht schon jetzt alle Alexa-Funktionen.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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