Sonos Play 5 im Test Diesem Lautsprecher ist egal, wo er steht

Sonos bringt eine neue Version seines WLAN-Lautsprechers Play 5 auf den Markt. Klingt die Neuauflage besser als der Vorgänger? Ergebnis des Tests: Die Magie liegt in der Software.
Neue Version der Sonos Play 5: Können horizontal und vertikal aufgestellt werden

Neue Version der Sonos Play 5: Können horizontal und vertikal aufgestellt werden

Foto: Matthias Kremp

In der Computerbranche wären solche Produktzyklen undenkbar: Sechs Jahre hat sich Sonos Zeit gelassen, um eine neue Version des vernetzten Lautsprechers Play 5 zu entwickeln. Prototypen davon konnte ich mir schon im Sommer in einem Sonos-Labor anhören, jetzt sind die ersten Seriengeräte verfügbar. Zwei davon habe ich getestet.

Abgesehen von den groben Abmessungen hat das Design des neuen Play 5 nichts mit seinem Vorgänger gemein. Vielmehr wurde es an den Look des kleineren Play-3-Lautsprechers angepasst. Das Ergebnis ist eine komplett geschlossene Box, die sich ebenso wie die Play 3 sowohl horizontal als auch vertikal aufstellen lässt.

Hinter einem fein gelochten Schutzgitter sind drei Tiefmitteltöner und drei Hochtöner eingebaut, die jeweils von einem eigenen Digitalverstärker angetrieben werden. Um den Empfang von WLAN-Signalen zu verbessern, sind sechs Antennen im Gehäuse verteilt.

Bemerkenswert sind die neuen Steuerungselemente auf der Oberseite. Statt mechanischer Schalter reagieren hier Touch-Sensoren auf Berührungen. Mit einer Wischbewegung kann man zum nächsten oder vorherigen Song wechseln. Mit leichtem Druck lässt sich die Lautstärke ändern und die Musik pausieren oder fortsetzen.

So klingt der neue Play 5

Im direkten Vergleich mit einem Play 5 der ersten Generation schieben sich beim neuen Modell vor allem die Bässe ausgesprochen deutlich nach vorn. Die Tieftonwiedergabe scheint deutlich weiter hinunter zu reichen, ohne dabei schwammig zu werden oder zu dröhnen. Die geschlossene Konstruktion dürfte ihren Anteil an dieser trockenen Basswiedergabe haben.

Gleichzeitig bleiben die Mitten präsent und die Höhen brillieren - ohne zu zirpen oder sonstwie zu nerven. Insgesamt ist das Klangbild sehr klar und offen. Das ändert sich nur maßvoll, wenn man den Lautsprecher vertikal statt horizontal aufstellt. Sensoren erkennen das und ändern, wie die sechs eingebauten Lautsprecher angesteuert werden.

Für richtigen Stereosound lassen sich zwei Play 5 auch zu einem Paar koppeln. In dieser Konfiguration hängt das Klangbild deutlich davon ab, wie man die Lautsprecher aufstellt. Horizontal erzeugen sie eine sehr breite Bühne, vertikal verengt sich das Stereobild, sodass man nur in einem begrenzten Bereich optimalen Stereoton hört.

Mit Trueplay selbst vermessen

Obwohl es also einige Dinge gibt, die den neuen Play 5 besser machen als den Vorgänger, muss man als Besitzer des alten Modells jetzt nicht zwangsläufig in den Laden laufen. Vorher sollte man lieber das Update der Sonos-App installieren, das mit der Play-5-Einführung veröffentlicht wird.

Neben etlichen Feinheiten, wie etwa einer besseren Unterstützung von Spotify, bietet die Software nämlich eine neue Funktion namens Trueplay - und die ist ein Killerfeature. Sie nutzt die Mikrofone in einem iPhone, iPad oder iPod Touch, um den Raum, in dem der Lautsprecher steht, akustisch zu vermessen.

Als würde man einen Vorhang wegziehen

Startet man die Funktion, ertönen aus den Sonos-Lautsprechern Messtöne. Gleichzeitig geht man, das Tablet oder Smartphone in Kreisen schwenkend, durch den Raum. Nach etwa einer Minute meldet die App Vollzug: Sie errechnet ein an den Raum und die Position der Lautsprecher angepasstes Klangprofil und sendet dieses an die Lautsprecher. Man kann sich das so vorstellen wie einen extrem fein justierbaren Equalizer. So kompliziert das funktioniert, so einfach ist es in der Anwendung.

Ich habe Trueplay mit verschiedenen Sonos-Lautsprechern der Typen Play 1, Play 3 und Play 5 ausprobiert und kam immer zu demselben Ergebnis: Nach dem Einmessen per Trueplay klangen die Boxen, als hätte man einen Vorhang davor weggezogen. Der Sound wird klarer, brillanter, trockener.

Noch nicht für Android

Vor allem in klanglich schwierigen Umgebungen, in der Nische eines Bücherregals oder einem Kellerraum mit stark reflektierenden Wänden, macht sich der Unterschied deutlich bemerkbar. Teils werden dabei die Tiefmitten beschnitten, wohl um ein Dröhnen zu verhindern. Subjektiv kann man das auch als verringerte Basswiedergabe wahrnehmen.

Insgesamt aber lässt sich der Effekt von Trueplay auf den Klang der Sonos-Lautsprecher ganz einfach beschreiben: Mit Trueplay klingen sie teurer.

Leider gibt es dafür eine große Einschränkung: Trueplay funktioniert nur mit iPhones, iPads und dem iPod Touch. Das Fehlen einer Android-Variante erklärt Sonos mit der Vielfalt unterschiedlicher Android-Geräte und der darin verbauten Mikrofone. Bei Apples Geräten hingegen wisse man genau, welche Mikrofone darin stecken. Nur so sei es möglich, die klanglichen Eigenschaften eines Raumes zuverlässig zu erfassen.

Fazit

Der neue Play 5 ist ein gutes Produkt. In Sachen Technik, Sound und Design ist Sonos ein spürbarer Schritt nach vorn gelungen. Leider macht gleichzeitig auch der Preis einen Sprung, der Lautsprecher kostet 579 Euro.

Für Neukunden ist das schmerzlich, sie müssen deutlich tiefer in die Tasche greifen, als es beim Vorgänger der Fall gewesen wäre. Bestandskunden hingegen können sich freuen. Ihre Sonos-Boxen werden mit dem Trueplay deutlich aufgewertet, und das kostenlos.

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