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Sonos Play:3: Highend-Netzwerkplayer für Einsteiger

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Sonos Play3 Musik aus dem Heimnetzwerk - ganz einfach

Stereoanlagen waren gestern, Netzwerk-Musikplayer sind heute. Mit einer W-Lan-Aktivbox zum Einsteigerpreis will Sonos seine Streaming-Technik jetzt mehr potentiellen Kunden schmackhaft machen. Ob etwas so kleines auch gut klingen kann?

Aus Sonos-Sicht ist der Play:3 ein Preisbrecher: 299 Euro kostet der neue Netzwerk-Musikplayer im Onlineshop des Herstellers , ist damit genau 100 Euro billiger als das bisherige Sonos-Einstiegsmodell, der Play:5. Genau wie das große Modell hat der Play:3 keinen eigenen Speicher und auch kein CD-Laufwerk, sondern spielt Musik, die er beispielsweise auf den Festplatten vernetzter Computer findet. Genau richtig also für jemanden wie mich, der der CD keine Träne nachweint.

Herkömmliche Musikanlagen können diese Vorliebe für vernetzte Musikquellen kaum befriedigen, W-Lan-Musikplayer dagegen schon. Sie holen sich Musik über das drahtlose Heimnetz, grasen die vernetzten Computer nach spielbarem Material ab und bringen das Programm von Internetradiosendern zum klingen. Mit genau solchen Playern hat sich Sonos in den letzten Jahren einen guten Ruf erarbeitet. Unter anderem, weil sie Teamplayer sind, sich zu fast beliebig großen Multiroom-Anlagen erweitern lassen, indem man neue Sonos-Player hinkauft.

Und genau das dürfte auch die Intention für die Entwicklung des Play:3 gewesen sein: Zum einen will man Bestandskunden binden, die ihr bestehendes System günstig ausbauen wollen, zum anderen Neukunden gewinnen, indem man den Einstiegspreis senkt.

Ein bisschen Zubehör bitte

Wobei der Player allein nur die halbe Miete ist. Zwar ist dessen Installation mit wenigen Handgriffen erledigt, der Player auch ohne Netzwerkkenntnisse ins Heimnetz eingebunden, ein Netzwerkkabel braucht man dann aber doch, um den Player an den DSL-Router anzuschließen. Genau dieses Kabel kann man ersetzen, wenn man die Sonos Bridge kauft, einen 49 Euro teuren W-Lan-Router, der ein "Sonosnet" aufspannt und alle weiteren Sonos-Geräte drahtlos mit Datenverbindungen versorgt. Mit herkömmlichen W-Lan-Router versteht sich der Sonos nicht.

Das zweite empfehlenswerte Zubehör ist eine Netzwerkfestplatte (NAS), auf die man seine Musikdateien auslagert. Ist so ein Musikspeicher im Netzwerk verfügbar und vom PC aus mit Musik befüllt, kann man seine Computer zum Energiesparen abschalten und trotzdem per Play:3 die ganze Musiksammlung anhören.

Steuerung per App

Ein klares Manko ist, dass dem Play:3 keine Fernbedienung beiliegt. Der naheliegende Grund ist, dass Sonos-Geräte sich nur über eine grafische Benutzeroberfläche steuern lassen. Eine einfache Fernbedienung, wie man sie für den Fernseher benutzt, reicht dafür nicht aus. Die von Sonos angebotene Fernbedienung Sonos Control hat zwar ein großes Farb-Display, ist mit einem Preis von 349 Euro allerdings ziemlich teuer.

Eine Alternative ist die kostenlose Steuerungssoftware, die es für Windows und Mac OS X gibt. Für die muss man allerdings immer einen Computer laufen lassen, was beim Musikhören auf dem Sofa eher lästig wäre. Die Lösung der Wahl sind deshalb die ebenfalls kostenlosen Apps, die Sonos für Android-Handys, iPhone, iPad und iPod touch anbietet, und die über denselben Funktionsumfang wie die teure Sonos-Fernbedienung verfügen.

Doppelt klingt besser

Ist das System derart vorbereitet, verfliegt die Skepsis, dass aus einer so kleinen Box wie dem Play:3 gar kein ordentlicher Sound kommen kann, nach wenigen Minuten. Ich weiß nicht, welche Tricks die Entwickler sich haben einfallen lassen, aber der Winzling erzeugt eine Klangkulisse, die erheblich größer ist, als er selbst. Sogar im Vergleich mit dem größeren und teureren Play:5 schlägt sich der Play:3 gut. Bis in mittlere Lautstärken ist der Klang ausgewogen und rund. Sogar Partys sollten sich damit beschallen lassen, solange man nicht in einer Turnhalle feiert. Nur die Bässe treten umso mehr in den Hintergrund, je höher man die Lautstärke aufdreht.

Sonos wirbt damit, dass der Play:3 einen Sensor enthält, der erkennt, ob die Box senkrecht oder waagerecht aufgestellt wurde, und den Sound entsprechend anpasst. Im Test war beim Umstellen der Box allerdings kein deutlicher Unterschied zu vernehmen. Aber vielleicht ist das ja gerade das Ziel gewesen.

Eine Maßnahme, deren Effekt man allerdings sofort und sehr deutlich hören kann, ist die Aufstellung eines zweiten Play:3. Wenn man den zusammen mit dem ersten in einem Raum benutzt, lassen sich die beiden Lautsprecher zu einem Stereopaar verknüpfen, das noch mal viel besser klingt als die Einzelboxen. Als Stereopaar ersetzen zwei Play:3 nicht nur eine Boombox, sondern eine ganze Hifi-Anlage. Bei einem Preis von 650 Euro (inklusive Bridge) kein übles Angebot.