Lautsprecher Sonos Roam im Test Raus mit dir!

Der neue Bluetooth- und Netzwerklautsprecher von Sonos ist klein, laut, wetterfest, aber nicht billig. Der Sound hat sich im Test als spritzig erwiesen – im Wortsinn.
Der neue Drinnen- und Draußen-Lautsprecher von Sonos

Der neue Drinnen- und Draußen-Lautsprecher von Sonos

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Dass ich nach einem Lautsprechertest die Arbeitsplatte in der Küche trocken wischen muss, hatte ich bisher noch nicht. Aber dazu später. Jetzt erst mal dazu, was der Roam eigentlich ist: der erste wirklich mobile Lautsprecher von Sonos.

Die US-Firma ist der Pionier der Netzwerklautsprecher-Hersteller und liegt bis heute weit vorn, wenn es um die Kombination von Streamingdiensten und Streaminglautsprechern geht. Aber die waren lange nur im Haus nutzbar, sie mussten per WLAN oder LAN-Kabel vernetzt werden. Dann kam der Move, eine massive Box, die dank Akku, AirPlay 2 und Bluetooth auch außerhalb der Netzwerkreichweite für Musik sorgen kann. Mit drei Kilogramm Gewicht und den Maßen einer kleinen Gießkanne ist er allerdings nur begrenzt beweglich.

Die Lücke will Sonos mit dem Roam schließen, der mit den Maßen einer Softdrink-Dose und knapp über 400 Gramm lässig in Rucksack oder Umhängetasche passt.

Eine Handvoll Lautsprecher

Eine Handvoll Lautsprecher

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Technisch steckt im Roam alles, was auch im Move steckt, nur alles ein paar Nummern kleiner. Zu Hause kann man ihn ins WLAN einklinken, unterwegs als iPhone-Nutzer per AirPlay 2, als Android-User per Bluetooth mit Musik vom Smartphone bespielen. Auf seiner Oberseite findet man die üblichen Bedientasten für Start/Stopp und die Lautstärke sowie einen Taster, mit dem sich die Mikrofone ein- und ausschalten lassen. Letztere kann man in Kombination mit Amazons Alexa oder dem Google Assistant zur Musiksteuerung und im Smarthome benutzen.

Die Mikrofone werden allerdings auch verwendet, um den Sound an die jeweilige Umgebung anzupassen. Trueplay nennt Sonos diese Technik. Bei den stationären Sonos-Lautsprechern muss man dafür mit einem iPhone oder iPad durch den Raum gehen, über dessen Lautsprecher die Klangeigenschaften der Umgebung analysiert und der Frequenzgang der Boxen entsprechend angepasst werden. Move und Roam machen das über ihre eigenen Mikrofone automatisch.

Das klappt beim Roam in der Regel auch recht gut, aber in manchen Situationen stößt er dann doch an die Grenzen seiner Anpassungsfähigkeit. Etwa wenn man ihn auf ein nur zu einer Seite offenes Metallregal oder direkt vor ein Fenster stellt. Die Bässe werden dann in bestimmten Frequenzbereichen derart stark betont, dass die Technik es nicht schafft, sie durch ihre Klangregelung abzuschwächen.

Per Trueplay passt der Roam seinen Klang an verschiedene Umgebungen an

Per Trueplay passt der Roam seinen Klang an verschiedene Umgebungen an

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Was nicht heißen soll, dass der Roam schlecht klingt, im Gegenteil: Für eine Lautsprecherbox, die so klein und leicht ist, erzeugt der Roam ein überaus transparentes und kräftiges Klangbild. Weit entfernt jedenfalls von dem mal pappig-mittenbetonten, manchmal dröhnend basslastigen Gedröhne, das man oft von derart kleinen Mobilboxen hört.

In »Disparate Youth« von Santigold beispielsweise werden die hyperaktiven Drums sauber abgegrenzt von den gezupften Geigen und dem darüber schwebenden Gesang wiedergegeben. Wunder darf man freilich nicht erwarten. Tiefgang und Lautstärke der Bassfrequenzen sind durch die Größe der Lautsprecher und des Gehäuses natürlich begrenzt. Der fette Bass von Beyoncés »Daddy Lessons« beispielsweise kommt zwar sauber, aber nicht sonderlich drückend rüber. Vor allem bei hohen Lautstärken gewinnen Höhen und Mitten mehr und mehr die Oberhand.

Fotostrecke

Sonos Roam – die App

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Der Bass macht nass

Wie intensiv sich der Mitteltöner dann aber doch um die tiefen Töne bemüht, wurde sichtbar, als ich den Vorschlag aufgriff, die versprochene Wasserdichtigkeit des Roam zu testen. Der Sound dabei war furchtbar, aber immerhin: Beim Abspielen eines Songs von »Muse« konnte man wunderbar sehen (siehe Zeitlupenvideo), wie der Lautsprecher bei jedem Schlag der Bassdrum Wasser aus dem Gehäuse auf die Arbeitsplatte spritzte.

Mein Tipp: Wenn Sie einen Roam tatsächlich im Regen oder Planschbecken benutzen, trocknen Sie ihn gründlich ab, zwischen Lautsprecher und Gitter sammelt sich das Wasser.

DER SPIEGEL

Und natürlich sollte man nach einem solchen Bad eine Weile warten, bis der USB-C-Anschluss wieder trocken ist, bevor man dort ein Kabel anstöpselt. Oder man lädt ihn gleich kabellos auf, was grundsätzlich mit jedem Qi-kompatiblen Lade-Pad gehen soll. Mit einer Ladestation von Mophie klappte das bei mir sehr gut, mit einer von Huawei gar nicht. Ohnehin dauert das kabellose Laden natürlich länger als per Kabel.

Wobei zu erwähnen ist, dass Sonos dem Trend der Smartphone-Industrie folgt und dem Roam kein Netzteil beilegt. Falls man kein passendes Ladegerät hat, das zehn oder besser 15 Watt leistet, kann man bei Sonos eines für 19 Euro als Zubehör bestellen. Oder für 49 Euro das kabellose Lade-Pad kaufen.

Fazit

Es ist erstaunlich, wie gut eine so kleine Box klingen kann. Zumindest bis in mittlere Lautstärken. Eine Party-Boombox ist der mit 179 Euro ganz schön teure Roam nicht, eher ein Lautsprecher zum Genießen, auf der Terrasse oder einer Düne. Da mein Testgerät noch einige Softwareprobleme hatte, die dieser Tage per Update gefixt werden sollen, lässt sich die Akkulaufzeit nicht endgültig beurteilen. Der Hersteller verspricht »bis zu zehn Stunden«.

Sonos' großen Trumpf, das umfangreiche Angebot an Streamingdiensten, kann die kleine tragbare Box unterwegs nicht ausspielen, denn die Sonos-App, die man dafür braucht, funktioniert nur im WLAN. Dafür klappt per Bluetooth die Verbindung mit so ziemlich jedem Smartphone, Tablet und Computer, von dem aus man dann Musik per Spotify, Amazon Music oder Apple Music auf die Box umleiten kann.

Umgekehrt bietet der Roam mit der Sonos-App und den darin eingebetteten Streamingangeboten zu Hause mehr Auswahl als die meisten anderen mobilen Bluetooth-Boxen. Wer sowieso schon Sonos nutzt und noch eine Box für Badestrand und Badezimmer sucht, findet hier die Lösung.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort