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19. Februar 2015, 08:10 Uhr

Ausprobiert

Ein Tag mit der Sony Smartwatch 3

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Reicht ein Metallarmband aus, um aus einer durchschnittlichen Smartwatch eine edle zu machen? Wir haben es ausprobiert, einen Tag lang mit Sonys Smartwatch 3.

Wenn die Marktforscher von Canalys recht haben, sind Smartwatches ein Hype der viele interessiert, aber kaum jemanden berührt. Im Januar veröffentlichte die Firma einen Bericht, demzufolge 2014 mehr als vier Millionen Wearables verkauft wurden. Davon seien aber nur 720.000 Smartwatches mit Googles Android-Wear-Betriebssystem gewesen.

Umso schwerer ist es für Hersteller solcher Uhren, sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Weil die Funktionen weitgehend durch Googles Betriebssystem vorgegeben werden, bleibt den Firmen nur die Möglichkeit, sich durch Design und kleine Extras hervorzuheben. Genau das hat Sony jetzt getan: Die Smartwatch 3 des japanischen Unternehmens gibt es ab Mitte Februar auch mit einem Metallarmband. Vorher war sie - wie viele andere Android-Smartwatches - nur mit Silikon-Armbändern erhältlich.

Der Aufpreis dafür beträgt stattliche 50 Euro, die Uhr kostet in der Metallausführung 279 statt 229 Euro. Das mattierte Stahlarmband wirkt sehr robust, liegt schwer am Handgelenk. Es lässt die Sony-Uhr insgesamt sehr viel wertiger wirken als viele andere Android-Smartwatches, die meist mit Kunststoffarmbändern geliefert werden.

Update gegen den Vibrationsstress

Obwohl das Armband schon recht üppig dimensioniert ist, legt Sony noch zwei zusätzliche Glieder bei, falls man es verlängern muss. Ich hingegen musste es ein wenig kürzen, um es passend zu machen. Eine gute Gelegenheit, das mal selbst auszuprobieren, statt zum Uhrmacher zu gehen. Mit einem YouTube-Video als Anleitung war das mit Hausmitteln schnell erledigt.

Sitz, Anmutung und Design sind also in Ordnung, vorausgesetzt, man hat keine allzu zierlichen Handgelenke. Darüber hinaus bietet die Sony-Smartwatch genau dasselbe wie Konkurrenzmodelle mit derselben Systemversion, also Android Wear 5.0.1.

Gegenüber Vorversionen ist die Möglichkeit praktisch einzustellen, ob man alle, nur wichtige oder gar keine Benachrichtigungen auf der Uhr bekommen möchte. Damit kann man den Vibrationsstress am Handgelenk gezielt eindämmen. Primär tut die Sony-Uhr nämlich das, was andere Smartwatches derzeit eben auch tun: Laut geben, wenn neue Nachrichten ankommen, oder Termine anstehen. Der neue Kinomodus hingegen ist in erster Linie ein Entgegenkommen den Mitmenschen gegenüber, weil er den Bildschirm dunkel schaltet.

Ein bisschen Unabhängigkeit

Eine technische Besonderheit ist der integrierte GPS-Empfänger, der die Uhr ein bisschen unabhängiger vom Smartphone machen kann. Viel zu tun hat der freilich bisher nicht. Es gibt kaum Apps, die ihn nutzen können, Googles MyTracks-App ist eine löbliche Ausnahme.

Der große Vorteil: Beim Jogging kann man sein Smartphone endgültig zu Hause lassen: Musik lädt man in die 2,6 GB freien Speicher der Smartwatch, zum Anhören benutzt man Bluetooth-Kopfhörer und die Laufstrecke zeichnet MyTracks auf. Was dabei noch fehlt: Ein Pulsmesser, denn auf den hat Sony verzichtet. Auf die Akkulaufzeit hat sich das aber nicht positiv ausgewirkt. 24 Stunden nachdem ich den Akku voll aufgeladen hatte, zeigte die Uhr noch 30 Prozent Restladung an.

Fazit

Eigentlich nur eine Kleinigkeit, und doch wertet das Metallarmband die Smartwatch 3 spürbar auf. Ob man das mag, ist eine andere Frage. Manche Nutzer bevorzugen eben doch Leder oder gar Kunststoffarmbänder. Die Sony-Uhr kann, was andere Android-Smartwatches auch können - bisher also nicht viel. Der GPS-Chip ist bisher leider in erster Linie ein Versprechen mit eingeschränktem Zusatznutzen. Erst wenn es mehr Apps gibt, die ich verwenden könnte, wird er sich bezahlt machen.

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