Sony WF-1000XM3 im Test Stille zum Einstecken

Die Geräuschunterdrückung des neuen kabellosen Sony-Headsets soll so gut sein wie die von geschlossenen Kopfhörern. Unser Autor hat getestet, ob das stimmt - und dabei eine Überraschung erlebt.

Matthias Kremp/SPIEGEL ONLINE

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Vor gut zwei Jahren habe ich die ersten kabellosen In-Ohr-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung von Sony getestet. Von damals sind mir vor allem zwei Eindrücke im Gedächtnis geblieben: der gute, warme Sound und die irgendwie klobige Form, die so gar nicht zu meinen Ohren passen wollte. Egal welche Passstücke ich aufsteckte, nach kurzer Zeit fühlten sich die WF-1000X in meinen Ohren wie Fremdkörper an, die auf die Gehörgänge drückten.

Deshalb war ich auf die neuen WF-1000XM3 gespannt, die äußerlich zwar moderner, aber doch ungefähr so groß wie ihre Vorgänger aussehen. Umso mehr erstaunt mich, wie gut die neue Version sich in meine Ohren einfügt, sogar mit den Ohrpassstücken, die ab Werk aufgesteckt sind. Die sechs mitgelieferten alternativen Passstücke habe ich deshalb gar nicht erst angerührt.

Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Steuerung der Ohrhörer über Sensorflächen an der Außenseite. Am linken Ohr kann darüber die Geräuschunterdrückung an- und abgeschaltet werden, am rechten Ohr lässt sich die Musikwiedergabe pausieren und starten; außerdem kann man hier Titel überspringen oder Siri beziehungsweise den Google Assistant aktivieren - alles abhängig davon, ob man einmal, zweimal oder dreimal kurz auf die Sensorfläche tippt, oder einmal länger den Finger auflegt.

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Kabellose Kopfhörer: Das sind Sonys WF-1000XM3

In der Praxis erwies sich das als knifflig, weil die Sensoren auch mal eine als Einfach-Tipp gemeinte Berührung als Doppeltipp interpretieren. Zudem schalten sich die WF-1000XM3 nicht sofort ab, wenn man sie aus den Ohren nimmt, sondern erst nach fünf Minuten. So kann man beispielsweise beim Herausnehmen der Ohrstöpsel versehentlich den Google Assistant aufrufen.

Bedauerlich finde ich auch, dass es keine Möglichkeit gibt, die Lautstärke direkt an den Ohrhörern zu regeln. Das hat mir bei den Beats Powerbeats Pro besser gefallen.

Mehr Bass

Am Sound der WF-1000XM3 hingegen gibt es kaum etwas auszusetzen. Die Höhen werden ausgeprägt, die Mitten ausgeglichen wiedergegeben, das Klangbild insgesamt sehr schön breit aufgefächert. Manch einer mag bemängeln, dass die Basswiedergabe zwar ausgeprägt ist, tiefste Frequenzen aber nicht wiedergibt. Doch gerade das sorgt für Klarheit im Ton und ein sauberes Klangbild, auch bei voller Lautstärke.

Preisabfragezeitpunkt:
31.07.2019, 13:56 Uhr
Ohne Gewähr

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Hersteller:
Sony
Preis:
EUR 249,00

Wer lieber die volle Bassdröhnung hören will, wählt in Sonys "Headphones"-App das Equalizer-Preset "Begeistert". Das ändert zwar nichts an der Tiefbasswiedergabe und kleistert die Tiefmitten etwas zu, sorgt aber für mächtig Druck von unten. Wie gesagt: Kann man machen, wenn man es mag, aber HiFi-Sound klingt anders.

Gute Ausdauer

Beeindruckend ist die Akkulaufzeit: Sony wirbt mit bis zu sechs Stunden Laufzeit bei aktivierter Geräuschunterdrückung. Ohne Geräuschunterdrückung sollen sogar bis zu acht Stunden drin sein. Zumindest den ersten Wert kann ich bestätigen: Sechs Stunden sind locker drin.

Für einen Langstreckenflug reicht das nicht, aber eine Flugreise auf die Kanaren halten sie durch. Und wenn es doch mal etwas länger dauert, kann man die Stöpsel dreimal im Lade-Case aufladen. Letzteres ist übrigens zeitgemäß mit einer USB-C-Buchse ausgestattet, kann also mit den Ladekabeln vieler aktueller Smartphones aufgeladen werden.

Was man hört - und was nicht

Laut Sony soll die Geräuschunterdrückung der WF-1000XM3 mit der in den großen Kopfhörern WH-1000XM2 vergleichbar sein, die allerdings vor knapp einem Jahr von den in dieser Hinsicht überragenden WH-1000XM3 abgelöst wurden. (Ja, Sony-Produktnamen könnten fantasievoller und vor allem unterscheidbarer sein.) Ich habe die neuen WF-1000XM3 sowohl auf einem Flug als auch bei einer mehrstündigen Bahnfahrt ausprobiert und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Im Flugzeug konnte ich die Turbinen zwar noch wahrnehmen, aber vor allem die tiefen Frequenzen wurden deutlich minimiert.

Während einer vierstündigen Fahrt in einem Intercity konnten sie die Außengeräusche noch effektiver ausblenden. Das System zur Geräuschunterdrückung produziert allerdings ein Rauschen, dass zumindest in ruhigen Umgebungen, wenn man keine Musik hört und keinen Film schaut, deutlich hörbar ist. Es stellt sich aber auch die Frage, warum man die Geräuschunterdrückung in einem solchen Fall benutzen sollte.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr gute Geräuschunterdrückung

Sehr guter Sound

Gute Passform

Geräuschunterdrückung rauscht hörbar

Wer viel mit Bahn, Bus oder Flugzeug unterwegs ist, dabei gern seine Ruhe haben, aber nicht viel mitschleppen möchte, liegt mit den Sony WF-1000XM3 richtig. Ihre Geräuschunterdrückung arbeitet effektiv, der Klang ist prima und der Preis von 249 Euro nicht zu hoch angesetzt.

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
nescire 05.08.2019
1. einfach Ruhe
der Autor fragt sich, ob man eine Geräuschunterdrückung braucht, wenn man keine Musik hören will. Ich meine, zum Musikhören benötigt msn sie eigentlich gar nicht. Ich nutze meine Bose seit Jahren einfach nur dazu die Geräuschkulisse in Flugzeug, Bahn etc. zu reduzieren. Musik höre ich dazu in den seltensten Fällen. Klappt recht gut, nur leider gibt es (noch) kein System, das die menschliche Stimme komplett unterdrücken kann. Das wäre oft ein wirklicher Segen.
biberbob2 05.08.2019
2. Telefonieren?
schöner Test, vielen Dank! wäre noch ein Abschnitt dabei wie es sich mit den Sony Kopfhörern telefonieren lässt, wäre er perfekt! (telefonieren ist der Schwachpunkt von vielen ANC Kopfhörern, zB der B*** 30...)
Nonvaio01 05.08.2019
3. hatte noch nie Sony kopfhoerer die schlechten sound hatten
Sony kann man immer kaufen, der sound ist immer top. Ich bin einer der sorte die es mag wenn es weniger knoefe an den Ohrstoepseln gibt, ich hab da koordinations probleme da irgendwelche knoepfe zu finden...;-)
t-notifications 05.08.2019
4. Überraschung?
Und welche Überraschung hat der Autor nun gehabt? Dass die Hörer passten? Dass der Hörer rauscht? Dass der Frequenzgang mit 20 Hz–20.000 Hz z.B. weit unter einem durchschnittlichem AKG (11 Hz – 29500 Hz) liegt?
Emil Peisker 05.08.2019
5. Alter Hut.. Geräuschunterdrückung durch Rauschen...
Anfang der 80er Jahre habe ich für Restaurants und Großraumbüros Geräuschunterdrückungssysteme verkauft. Sie basierten auf dem Prinzip des erhöhten Grundrauschens. Uber jeden Tisch oder Büroeinheit wurden Schirmeinheiten installiert, die ein regulierbares Grundauschen abgaben und damit Empfindlichkeit für Umgebungsgeräusche senkte. Gespräche von Nebentischen oder Büroboxen wurden nicht mehr verstanden. Wenn genügend Betrieb war, empfanden die Kunden diese Einrichtung als sehr hilfreich. Bei Stille musste man das Grundrauschen aber herunterfahren oder gar abstellen. Der Killer dieses Systems war allerdings, dass die Tische, die das System abschalteten, viel besser die Gespräche an Nebentische hören konnten, da deren Sprecher durch die herabgesetzte Empfindlichkeit lauter sprachen als ohne das System. Wenn man vorher, um bei vertraulichen Gespächen nicht gehört zu werden, die Stimme senkte, war es jetzt nicht mehr möglich, da sonst der/die Gesprächspartner am eigenen Tisch nichts mehr hörten. Kurzer Hype, danach in die Tonne.
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