True-Wireless-Kopfhörer im Test Guter Sound kann teuer sein, muss er aber nicht

In-Ear-Headsets für Smartphones brauchen weder ein Kabel noch einen hohen Preis, um ordentlich zu klingen. Manche bringen sogar smarte Extras mit. Im Test passten sie trotzdem nicht alle.
Die getesteten Ohrhöhrer: Sound und Fähigkeiten sind so unterschiedlich wie das Design

Die getesteten Ohrhöhrer: Sound und Fähigkeiten sind so unterschiedlich wie das Design

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Sony WF-1000XM4

Als ich vor zwei Jahren Sonys WF-1000XM3 testete, gefielen mir der Sound und die effektive Geräuschunterdrückung. Aber nicht die »irgendwie klobige Form, die so gar nicht zu meinen Ohren passen wollte«. Bei den Nachfolgern, die der japanische Konzern nun vorgestellt hat, hat sich an diesem Problem leider nichts geändert. Vielleicht passt meine Anatomie einfach nicht zum Gerät.

Zwar liefert Sony nun andere Ohrpassstücke mit, aber auch die können nicht dafür sorgen, dass die WF-1000XM4 geschmeidig in meine Ohren gleiten. Immerhin kann man per App kontrollieren, ob sie richtig sitzen.

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Ähnlich wie Apple es mit 3D-Audio und Dolby Atmos bei Apple Music tut, bieten diese Kopfhörer eine Technik namens »360 Reality Audio«, die einen ähnlichen Rundum-Effekt beim Musikhören erreichen soll und ein Abonnement bei Deezer, Tidal, nugs.net oder Artist Connection voraussetzt. Sony hatte diese Technik bereits 2019 vorgestellt.

Skurril ist, wie Sony den Sound seiner Kopfhörer dafür an meine Ohren anpassen will: Wo andere Hersteller so etwas wie einen Hörtest per App anbieten oder die Ohren mit Testtönen vermessen, liefert Sonys App eine Anleitung, mit deren Hilfe man ein Ohr-fie, also ein Selfie seiner Ohren, knipsen kann. Auf Basis dieser Fotos soll dann der Frequenzgang der Ohrhörer an das persönliche Hörvermögen angepasst werden.

Ziemlich cool ist die Funktion »Speak-to-Chat«, die dafür sorgt, dass die Musik automatisch stoppt und die Außenmikrofone eingeschaltet werden, sobald man anfängt zu sprechen. Ein paar Sekunden nachdem man das Gespräch beendet hat, wird die Musik sanft wieder eingeblendet. Schön.

Ebenso schön ist, dass ich die Malaise mit den für meine Ohren ungeeigneten Ohrstöpseln aus Polyurethan-Schaum lösen konnte, indem ich stattdessen billige Silikon-Stöpsel von einem älteren Kopfhörer auf die Sonys aufsteckte, woraufhin sich Tragegefühl und Sound augenblicklich spürbar verbesserten.

So klingen sie: Wenn sie denn richtig in den Ohren sitzen, produzieren die WF-1000XM4 ein feines Klangbild, sodass beispielsweise in Robert Palmers »Bad Case of Loving You« die sehr verhalten gespielten Bongos noch gut zu hören sind. In »Walking In The Wind« von Traffic erwacht der in der Strophe in mittleren Lagen mäandernde Precision Bass im Refrain zu sehr tiefem Donnern. »Wanderlust« von den Wild Beasts zeigt mit seiner hämmernden Bassdrum und dem dazu dröhnenden Bassynth, wie gut es den Sonys gelingt, selbst einen so von Bassfrequenzen gesättigten Mix noch transparent aufzudröseln. Kurz: Die klingen verdammt gut.

So gut ist die Sprachqualität: Die Kombination aus Beamforming-Mikrofonen, die auf den Mund ausgerichtet sind, und einem Knochenschallsensor sorgt hier für eine gute Sprachverständlichkeit – und das auch in lauter Umgebung, also etwa an einer viel befahrenen Straße.

Das wird mitgeliefert: USB-C-Ladecase, USB-C-Kabel.

So lange halten sie durch (Herstellerangabe): Bis zu acht Stunden plus weitere 16 Stunden durch Aufladen am Case.

Das sind die Extras: Kabellose Ladefunktion, spritzwassergeschützt nach IPX4, 360-Grad-Sound, aktive Geräuschunterdrückung.

Listenpreis: 279 Euro

Google Pixel Buds A-Series

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Als ich vor ziemlich genau einem Jahr die ersten Pixel Buds von Google getestet hatte , urteilte ich, dass sie ziemlich gut seien, wenn man »auf intensive Basswiedergabe verzichten« kann und dass sie »mit einem Preis von 199 Euro ein bisschen teuer« waren. Ich will mich nicht rühmen, dass man bei Google wert auf mein Urteil legt, aber bei neuen Pixel Buds A-Series sind genau diese beiden Punkte ausgebügelt worden: Wer mag, kann in den Einstellungen eine Bassverstärkung aktivieren und der Preis ist auf freundliche 99 Euro halbiert worden.

Dafür muss man nur auf wenig verzichten, beispielsweise lässt sich das Lade-Case der A-Series nicht kabellos aufladen. Dafür sitzen sie sehr angenehm und kaum spürbar in den Ohren und sehen, vor allem in der olivgrünen Varianten, auch noch richtig gut aus.

Genau wie ihre Vorgänger arbeiten sie gut mit dem Google Assistant zusammen, sei es, um die Lautstärke zu verändern, sich die Wetterprognose ansagen oder Nachrichten vorlesen zu lassen. Google betont zudem, dass sie sich bei Gesprächen mit anderssprachigen Personen auch als Übersetzungshilfe nutzen lassen, aber dafür braucht man zwingend ein gekoppeltes Android-Handy – das den Trick auch ohne Kopfhörer beherrscht.

Mit einem iPhone gekoppelt, klappte mit den Pixel Buds A-Series auch das Musikhören mit Dolby Atmos, was die grünen Ohrstöpsel klanglich noch mal einen ordentlichen Sprung nach vorn machen lässt. Auf einige Extras, wie etwa die automatische Anpassung der Lautstärke, muss man am iPhone allerdings verzichten, das klappt nur mit Android-Handys.

So klingen sie: Für den Alltagsgebrauch bringen die Pixel Buds A-Series einen ausgewogenen, runden Klang zustande, aus dem nichts besonders hervorsticht. Die in den Einstellungen aktivierbare Bassanhebung ist so kräftig, dass ich sie im Normalbetrieb, also in einem ruhigen Raum, als überladen empfinde. Anders sieht das unterwegs aus, bei Joggen oder im Bus können Googles Buds den Extrabass gut vertragen. Der Sound ist halt nicht dafür geeignet, kompliziert geschichtete Instrumentierungen in klassischer Musik oder aufwendigen Rockproduktionen fein ziseliert abzubilden. Dafür muss man tiefer ins Portemonnaie greifen.

So gut ist die Sprachqualität: Die Beamforming-Mikrofone machen hier einen guten Job. Im Test wurde Sprache gut und vor allem laut und gut verständlich aufgezeichnet. Etwas störend sind lediglich Zisch-Effekte, die etwa beim scharfen »S« hörbar sind.

Das wird mitgeliefert: USB-C-Ladecase, USB-C-Kabel.

So lange halten sie durch (Herstellerangabe): Bis zu fünf Stunden plus weitere 19 Stunden durch Aufladen am Case.

Das sind die Extras: Schweiß- und wasserresistent nach IPX4

Listenpreis: 99 Euro

Anker Soundcore Liberty Air 2 Pro

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Bei Anker scheint man es mit der Ohranpassung sehr genau zu nehmen, liegen den Soundcore Liberty Air 2 doch nicht weniger als neun unterschiedlich große Silikon-Passtücke bei. Die Ohrhörer damit an sein Ohr anzupassen, zahlt sich durch besseren Sound und eine passive Abschirmung von Außengeräuschen aus. Wobei es hier auch eine aktive Geräuschunterdrückung ist, die sich per App an die jeweilige Umgebung anpassen lässt. HearID nennt Anker die Möglichkeit, per App ein auf das eigene Hörvermögen abgestimmtes Klangprofil zu erstellen. Das klappte im Test gut, der Unterschied zum Originalsound war aber nicht signifikant, was allerdings individuell unterschiedlich sein kann.

So klingen sie: Die Liberty Air 2 Pro haben einen Sound, der ausgesprochen auf die Extreme des Frequenzspektrums fokussiert ist. Dabei werden die Bässe herrlich rund und fett wiedergegeben, während Höhen sauber abgetrennt darüber hinwegschweben. Nur die Mittenwiedergabe könnte etwas stärker ausgeprägt sein.

So gut ist die Sprachqualität: Während die Sprachverständlichkeit gut ist, zeichnen die Mikrofone auch viel der vom Raum reflektierten Geräusche auf. Trotzdem: Zum Telefonieren sind die Anker gut geeignet.

Das wird mitgeliefert: USB-C-Ladecase, USB-C-Kabel.

So lange halten sie durch (Herstellerangabe): Bis zu sieben Stunden plus weitere 19 Stunden durch Aufladen am Case.

Das sind die Extras: Aktive Geräuschunterdrückung, individuelle Klanganpassung ans Hörvermögen, kabellos aufladbares Ladecase.

Listenpreis: 129,99 Euro

Earfun Free 2

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Mit den Free2 kann man auch schwimmen gehen, zumindest werden sie als »vollständig wasserdicht« beworben. Das müsste dann allerdings auch für das gekoppelte Smartphone gelten. Das Case kann per Kabel oder kabellos aufgeladen werden, die Verarbeitung mach einen recht guten Eindruck, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man es hier mit einfachem Plastik zu tun hat.

So klingen sie: Ähnlich wie die Earfun Air vergangenes Jahr klanglich für eine positive Überraschung gesorgt haben, liefern auch die Earfun Free 2 einen für ihren Preis angenehm runden Sound. An das Niveau der teureren Modelle kommen sie nicht heran und auch der Tiefbassbereich ist unterbelichtet, aber wie gesagt: zu dem Preis geht das in Ordnung.

So gut ist die Sprachqualität: Zum Telefonieren sind die Earfun nur maßvoll geeignet. In meinen Tests klangen Stimmen über die Free 2 stark mittenbetont, fast wie bei einem alten Telefon.

Das wird mitgeliefert: USB-C-Ladecase, USB-C-Kabel

So lange halten sie durch (Herstellerangabe): Bis zu sieben Stunden plus weitere 23 Stunden durch Aufladen am Case.

Das sind die Extras: Kabellose Ladefunktion für das Case; nach IPX7 wasserdichte Ohrhörer

Listenpreis: 45,99 Euro

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.