Soziale und ökologische Verantwortung von Handyherstellern Stiftung Warentest lobt Nischenanbieter

Wie nachhaltig produzieren namhafte Hersteller ihre Smartphones? Die Stiftung Warentest ist dieser Frage nachgegangen und auf viel Intransparenz gestoßen.
Shift-Smartphone: Gute Noten für Transparenz und soziales Engagement

Shift-Smartphone: Gute Noten für Transparenz und soziales Engagement

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

In modernen Smartphones stecken Hunderte Bauteile aus einer Vielzahl unterschiedlicher Rohstoffe. Durch weitverzweigte globale Lieferketten bestehen Menschenrechts- und Umweltrisiken auf der ganzen Welt. Die Stiftung Warentest wollte wissen, wie Hersteller mit dieser Verantwortung umgehen .

Dazu haben die Tester Fragebögen an mehrere Smartphone-Produzenten verschickt. Darin sollten die Unternehmen offenlegen, welche sozialen und ökologischen Anforderungen sie an ihre Lieferkette und die Rohstoffgewinnung stellen und wie sie die Einhaltung dieser Anforderungen kontrollieren. Anhand eines exemplarisch ausgewählten Smartphones sollten die Hersteller das belegen. Die Stiftung Warentest bat außerdem um die Genehmigung, die Fertigungsstätten per Videoschalte von unabhängigen Experten überprüfen zu lassen.

Viele Firmen antworteten gar nicht

Das traurige Ergebnis: Fünf der neun befragten Anbieter zeigten laut Stiftung Warentest kein nennenswertes Engagement in Sachen Unternehmensverantwortung. Demnach reagierten vier Unternehmen gar nicht auf den Fragebogen. Nokia machte zwar einige Angaben, die Antworten fielen aber so dürftig aus, dass die Tester sie mit der Note »mangelhaft« bewerteten.

Am besten schnitten im Test die beiden kleinen Hersteller Fairphone und Shiftphone ab, die beide mit »gut« bewertet wurden. Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung gehören bei diesen Firmen zum Markenkern. Beide Anbieter überzeugten die Tester mit hoher Transparenz. Zudem zahlen sie ihren Arbeitern deutlich mehr als den Mindestlohn und setzen sich für faire Rohstoffgewinnung ein. Allerdings: Selbst für diese engagierten Hersteller ist es bislang kaum möglich, alle wichtigen Rohstoffe bis zu deren Ursprung zurückzuverfolgen.

Keine Angaben zur Endmontage

Die beiden größten Smartphone-Produzenten für den deutschen Markt schnitten deutlich schlechter ab: Samsung erhielt die Note »befriedigend«, Apple das Prädikat »ausreichend«. Beide verpflichten ihre Zulieferer, soziale und Umwelts­tandards einzuhalten und verfügen über Mechanismen, mit denen Miss­stände in ihren Lieferketten gemeldet werden können.

Allerdings ermöglichten sie den unabhängigen Gutachtern keinen Einblick in ihre Endmontagen. Apple wollte Stiftung Warentest zufolge nicht einmal preisgeben, in welcher Fabrik sein iPhone 12 Pro Max gefertigt wird. Samsung zeigte sich im Test etwas transparenter und lieferte Belege über Arbeitsbedingungen und zur Herkunft von Akkus und anderen Bauteilen.

mak/dpa