Soziales Smartphone Facebook-Handy ist angeblich in Arbeit

Kommt es nun doch? Die Gerüchte verdichten sich, dass Facebook ein eigenes Smartphone entwickelt. Die Quelle der Nachricht gilt als zuverlässig, die genannten Firmen halten sich bedeckt - möglicherweise aus gutem Grund.
Facebook-Handy (HTC Cha Cha): Das Original muss mehr als einen Facebook-Knopf bieten

Facebook-Handy (HTC Cha Cha): Das Original muss mehr als einen Facebook-Knopf bieten

Neue Gerüchte, kein Kommentar von den Herstellern: Nach Informationen von AllThingsD  arbeiten Facebook und der Handy-Hersteller HTC an einem gemeinsamen, besonders "sozialen" Smartphone, einem Facebook-Handy, eben. Dem Bericht zufolge trägt das Projekt den Codenamen Buffy, in Anlehnung an die TV-Serie "Buffy - Im Bann der Dämonen".

Vermutungen, das soziale Netzwerk wolle ein eigenes Handy herausbringen, gibt es schon seit Jahren. Zuletzt hatte Ende 2010 TechCrunch berichtet, Facebook entwickele ein Mobiltelefon beziehungsweise "die Software für das Telefon, wobei sie mit einer dritten Partei zusammenarbeiten, welche die Hardware entwickelt". Der Konzern dementierte halbherzig, erklärte, man wolle "Mobilfunkgeräte und Anwendungen sozialer gestalten."

Und tatsächlich: Das Facebook-Phone blieb allen Gerüchten zum Trotz aus. Stattdessen versuchten sich verschiedene Handy-Hersteller daran, Smartphones mit dem Facebook-Label zu versehen und damit interessant zu machen. Microsoft etwa versuchte mit Kin One und Kin Two zwei Handys auf den Markt zu bringen, die den mobilen Zugang zu sozialen Netzwerken, vor allem Facebook und Twitter, vereinfachen sollten. Das Projekt war ein kolossaler Flop.

Anfang 2011 dann waren auf dem Mobile World Congress in Barcelona tatsächlich Facebook-Handys zu sehen. Oder zumindest Geräte, die von ihren Herstellern als solche bezeichnet wurden. Die britische Firma INQ Mobiles stellte zwei angeblich besonders soziale Mobiltelefone vor, die sich von anderen darin unterschieden, dass Icons für bestimmte Facebook-Dienste auf dem Homescreen abgelegt und damit schnell erreichbar sind. Gleichzeitig kündigte HTC die Modelle Chacha und Salsa an, deren Facebook-Spezifikum ist, dass sie über eine dedizierte Taste zum Starten einer Facebook-App verfügen.

Vermutungen, Facebook habe sich mit Apple zusammengetan, um sein Netzwerk im iOS-Betriebssystem von iPhone, iPad und iPod touch zu verankern, bestätigten sich nicht. Zwar veröffentlichte das soziale Netzwerk tatsächlich eine eigene iPad-App, aber Apple entschied sich dafür, statt Facebook Twitter mit dem aktuellen mobilen Betriebssystem iOS 5 zu verweben.

"Facebook-Funktionen tief im Betriebssystem verankert"

Da erscheint es nur logisch, dass sich Facebook mit HTC einen Hardware-Partner aus dem Android-Lager gesucht hat. Das ist auch nötig, denn Facebooks Beitrag zum angeblichen Facebook-Phone beschränkt sich AllThingsD zufolge auf die Software. Interessant seien nicht etwaige Facebook-Knöpfe am Handy, sondern die Veränderungen, mit denen Facebook Googles Smartphone-Betriebssystem an die Belange des sozialen Netzwerkes anpasse. Laut ungenannter Quellen von AllThingsD würden "Facebook-Funktionen tief im Betriebssystem verankert".

Was konkret damit gemeint sein könnte, erfuhr AllThingsD offenbar nicht - genauso wenig, welche Funktionen und Fähigkeiten die Handy-Hardware zu bieten hat. Was auch daran liegen kann, dass die Veröffentlichung des Facebook-Handys dem Bericht zufolge noch in ferner Zukunft liegt. Etwa zwölf bis 18 Monate werde es noch dauern, bis die Entwicklungsarbeiten abgeschlossen sind.

Einzig ein technisches Detail wurde bekannt: Das angebliche Facebook-Handy soll ganz auf HTML 5 als Medienbringer setzen. Spiele und andere Multimedia-Anwendungen bräuchten auf diesem Gerät keine Flash-Software (oder Vergleichbares), sondern könnten sich auf den offenen HTML-5-Standard aufsetzen.

Skepsis ist angebracht

Facebook und HTC wollten zu den Gerüchten nicht Stellung beziehen. Eine Sprecher des Konzerns erklärte lediglich, man sei bei Facebook überzeugt, jedes Gerät sei besser, wenn es sozial ist. Außerdem arbeite man mit Partnern aus der gesamten Mobilfunkindustrie zusammen. Entsprechend verhalten nahmen die Tech-Blogs die Buffy-Ankündigung auf - sogar AllThingsD selbst bremst die Hype-Maschine:

  • Beim Facebook-Handy wird es letztlich um Kontrolle gehen. Kontrolle darüber, wie viel Nutzerinteraktion Facebook ohne Einmischung des Handy- oder Betriebssystem-Herstellers für sich verwenden kann, etwa mobile Bezahl- und Abo-Systeme. Apple beispielsweise erlaubt Verkäufe, die nicht durch Apple-Abrechnungssystem abgewickelt werden und damit abgabepflichtig sind, auf seinen Handys nicht.
  • Veränderungen an Android als Betriebsystem-Basis bringe außer einigen Vorteilen auch erhebliche Nachteile mit sich. Etwa Probleme mit Google-Apps, die auf einer zu stark veränderten Android-Version nicht mehr funktionieren könnten . Und es ist besonders aufwendig, für ein solches Android Updates zu erstellen, wenn Google das System verbessert.
  • "Wired" betont , dass Facebook schon seit langem jedes Engagement in Sachen Facebook-Hardware strikt dementiert und auf seine Zusammenarbeit mit Handy-Herstellern verwies.

Buffy ist also womöglich nicht viel mehr als HTC-Projekt mit massiver Facebook-Unterstützung.

fko/mak
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