Standortsuche für Radarfallen TomTom verärgert australische Autofahrer

Die Navi-Nutzer in den Niederlanden haben sich vor wenigen Tagen noch darüber beklagt, dass TomTom ihre GPS-Daten an die Polizei verkauft hatte. Das Unternehmen entschuldigte sich dafür - und verhandelt nun mit Behörden in Australien.
Radarfalle: Mit Daten aus Navi-Geräten lassen sich geeignete Standorte ermitteln

Radarfalle: Mit Daten aus Navi-Geräten lassen sich geeignete Standorte ermitteln

Foto: dapd

TomTom bringt erneut Navi-Nutzer gegen sich auf: Gegenüber der Nachrichtenseite "The Australian Financial Review"  hat das Unternehmen zugegeben, GPS-Aufzeichnungen von Geräten australischer Kunden an den Meistbietenden verkaufen zu wollen. TomTom schließt dabei nicht aus, die Informationen auch den australischen Behörden anzubieten. Der Marketing-Vizechef des Unternehmens, Chris Kearney, sagt: "Wir haben mit einigen Forschungseinrichtungen in Australien gesprochen, die eng mit der Regierung zusammenarbeiten."

Alle Tomtom-Geräte, die in den letzten drei Jahren in Australien verkauft wurden seien so konstruiert, dass sie Aufzeichnungen über gefahrene Routen, Fahrzeiten und Geschwindigkeiten an den Hersteller übermitteln. Ursprünglich hatte das Unternehmen dieses Datenabgleich damit begründet, dass die Aufzeichnungen genutzt werden sollen, um die Streckenführung der Geräte zu optimieren. Tomtom vermarktet eine entsprechende Funktion seiner Navigationsgeräte unter dem Namen IQ Routes.

In den Niederlanden hatte TomTom mit ähnlichen Geschäften bereits in der vergangenen Woche seine Kunden verärgert. Das Unternehmen hatte der dortigen Polizei ebenfalls GPS-Aufzeichnungen seiner Kunden verkauft. Anhand der gespeicherten Geschwindigkeiten und der zugehörigen Ortsangaben plant die Polizei dort nun, geeignete Stellen für Radarfallen zu ermitteln. Denn aus den Informationen lässt sich herauslesen, auf welchen Strecken die Autofahrer am häufigsten rasen.

Für diese Aktion hat sich Unternehmenschef Harold Goddijn bereits öffentlich entschuldigt. Man sei davon ausgegangen, dass die Daten benutzt werden, um den Verkehr auf den Straßen sicherer zu machen, sagte Goddijn. Auch versicherte das Unternehmen, dass die Daten der Nutzer anonym ausgelesen werden. Einem Sprecher des Unternehmens zufolge können Raser anhand der ausgelesenen Daten nicht im Nachhinein identifiziert werden. Auch sei es nicht möglich, die gefahrenen Strecken einem bestimmten Navi-Nutzer zuzuordnen.

jbr
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