Vorsicht, nicht auf den Computer treten! Das Raspberry Pi getaufte Rechnerchen ist so winzig, dass man im Wohnzimmer gut aufpassen muss. Die Platine des Computers ist fast so groß wie die zwei Buchsen, in die Tastatur und Monitorkabel gestöpselt werden. Auf der einen Seite ein HDMI-Kabel, das zum Fernseher führt. Auf der anderen Seite das USB-Kabel, über das sich Tastatur und so weiter anschließen lassen.
Strom liefert eine Kabelverbindung an der Seite zu - noch existiert nur dieser Prototyp des Raspberry Pi. Entwickelt hat ihn der britische Spieledesigner David Braben mit einigen Mitstreitern. Sein Ziel ist es, so erklärt er einem Reporter der BBC, dass die Steckcomputer so billig hergestellt werden können, dass man sie Schülern schenken kann. 10 bis 15 Pfund Produktionskosten pro Rechner hält Braben für realistisch, derzeit kosten die Komponenten des Prototypen zusammen 15 britische Pfund - umgerechnet knapp 17 Euro.
Auf dem Raspberry Pi rechnet ein ARM11-Prozessor, der mit 700 Megahertz Taktfrequenz arbeitet. Als Speicherplatz dienen SD-Karten, die ein Kartenschacht aufnimmt. 128 Megabyte Arbeitsspeicher hat der Steckcomputer, das genügt für ein Ubuntu-Linux als Betriebssystem und einige Standardanwendungen wie das Office-Paket KOffice, den Browser IceWeasel und die Programmierumgebung Python.
Braben hofft, binnen zwölf Monaten Raspberry-Pi-Steckcomputer in Serie für Schulen produzieren zu können. Derzeit sucht seine Stiftung interessiere Schulen und Entwickler von Open-Source-Lernsoftware, die ihre Anwendungen für den Stick-PC anpassen wollen.
Braben hofft, dass die billigen Stick-Computer Kinder zum Experimentieren anregen. Skripte sollen sie schreiben, mit Hardware-Komponenten herumspielen. Ins Raspberry Pi können Zusatz-Module wie zum Beispiel Kameras oder W-Lan-Module über eine Schnittstelle eingestöpselt werden. Braben denkt aber auch an Kinder aus Familien, die keinen Rechner zu Hause haben - der Raspberry Pi soll ihnen auch die Möglichkeit geben, an alltäglichen Kommunikationsformen wie Facebook, Twitter und so weiter teilzuhaben.
Braben ist der Gründer des britischen Entwicklungsstudios Frontier Developments. Noch als Student in Cambridge entwickelte er mit Ian Bell das legendäre Weltraumhandelspiel "Elite". Das 1984 erschienene Spiel war weltweit auf vielen Plattformen ein Erfolg - C 64, Amiga, Atari, Nintendo NES, PC, Apple II. Im ersten Jahr verkaufte "Elite" sich 180.000-mal - gespielt haben dürften es weit mehr Computerbesitzer. Einer davon war der ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow - er spielte 1985 monatelang in Baku an seinem englischen Heimcomputer Acorn "Elite". Zuletzt hat Brabens Firma die knuddelige Tiersimulation "Kinectimals" entwickelt.
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Vorserienmodell: Wenn diese Version des Raspberry Pi die Tests passiert, soll das Billig-Computerchen im Januar in Serienproduktion gehen
Ankündigung: Im Mai 2011 zeigte Spieledesigner David Braben noch einen wesentlich kleineren Prototypen seines 19-Euro-Steckcomputers.
PC-Stick im Einsatz: Die Platine des Computers (links unterhalb des Monitors) ist fast so groß wie die zwei Buchsen, in die Tastatur und Monitorkabel gestöpselt werden. Auf der einen Seite ein HDMI-Kabel, das zu Fernseher oder Monitor führt. Auf der anderen Seite das USB-Kabel, über das sich Tastatur und so weiter anschließen lassen. Strom liefert eine Kabelverbindung an der Seite zu.
"Kinectimals": Zuletzt hat Brabens Spielefirma Frontier Developments die knuddelige Tiersimulation "Kinectimals" für die Xbox 360 entwickelt.
100-Dollar-Laptop OLPC: An solchen schnuckeligen Computern hätten auch Kinder in der westlichen Welt Spaß. Die US-Stiftung hat bisher 2,4 Millionen dieser Geräte in die Welt gebracht
Zielkundschaft: Die sechsjährige Mathilda durfte den 100-Dollar-Laptop ausprobieren.