Fotostrecke

EOS M3 im Test: Die Spiegellose von Canon

Foto: Horst Gottfried

Canon EOS M3 im Test Selfies mit Mimik-Kontrolle

Mit der EOS M3 will Canon den Wachstumsmarkt der spiegellosen Systemkameras erobern. Wir haben getestet, ob die kompakte Kamera das Zeug dazu hat.
Von Horst Gottfried

Wer eine Spiegelreflexkamera (SLR) gewohnt ist, wird beim Auspacken der EOS M3 staunen, wie klein die neue Systemkamera von Canon ist. Umso mehr, als in dem 365 Gramm leichten Gehäuse fast alles drin steckt, was Canons große Spiegelreflexkameras erfolgreich gemacht hat. Dass sie so viel kleiner ist, liegt daran, dass sie ohne Spiegelmechanik und optischen Sucher daherkommt.

Das Herzstück der EOS M3 ist derselbe 24-Megapixel-Sensor, der auch in den SLR-Modellen EOS 750 und 760 zum Einsatz kommt. Er steckt in einem solide verarbeiteten Kunststoffgehäuse, dem ein gut ausgeformter, griffig gummierter Handgriff sicheren Halt gibt. Wie die Kamera genau aussieht, zeigt unsere Fotostrecke.

Die Bedienelemente liegen wie bei SLRs üblich griffgerecht für den rechten Daumen. Damit spricht die M3 auch ambitioniertere Fotografen an, die zum Beispiel den schnellen Zugriff auf die manuelle Belichtungskorrektur per Drehrad zu schätzen wissen.

Der Drehring für weitere Einstellungen auf der Rückseite fällt sehr filigran aus und dient zugleich als Schaltwippe. Die versenkt eingebaute Ein/Aus-Taste könnte besser erreichbar sein. Ergänzt werden die mechanischen Bedienelemente durch den Touchscreen, auf dem sich zahlreiche Funktionen aufrufen lassen.

Guter Autofokus mit kleinen Schwächen

Der sogenannte Hybrid-Autofokus der M3 nutzt einige Pixel des Fotochips für den Fokusabgleich. Angesichts der 24-Megapixel-Auflösung fallen die dadurch fehlenden Pixel im Bild nicht auf. Wie bei vielen Smartphones kann man den Fokus per Fingertipp auf den Bildschirm festlegen und so auch eine Aufnahme auslösen.

Insgesamt funktioniert der Autofokus der M3 deutlich schneller als bei den ersten EOS-M-Modellen. Das gilt vor allem bei Tageslicht. Mein Autofokus-Testmotiv - eine U-Bahn, die in einen mehr oder weniger schummrigen Bahnhof einfährt - meistert aber auch die EOS M3 nicht zuverlässig. Doch damit befindet sie sich in bester Gesellschaft auch mit größeren und teureren SLR-Kameras.

Hat der Autofokus seine Arbeit getan, zeichnet die EOS M3 dank ihrer hohen Auflösung ein detailreiches Bild - in Schärfe, Farbe und Kontrast auf dem Niveau vergleichbarer SLRs. Auch wenn der ISO-Empfindlichkeitsbereich bis ISO 12.800 (erweiterbar sogar bis 25.600) reicht, empfiehlt es sich aus Gründen der Bildqualität, den Bereich der ISO-Automatik auf maximal ISO 3200 zu begrenzen. Höhere Werte haben ein stärkeres Bildrauschen und Detailverluste zur Folge.

Abwechslungsreiche Bildgestaltung

Für die Bildgestaltung bietet die EOS M3 neben automatischer Motiverkennung und -Programmwahl zahlreiche Einstellmöglichkeiten von rein manueller Aufnahmesteuerung bis hin zur HDR-Automatik und Freihand-Nachtaufnahmen. Dabei entsteht aus der Kombination mehrerer schneller Einzelbilder ein Foto mit ausgeglichenen Kontrasten oder weggerechneten Unschärfen. Mit dem "Kreativ-Assistenten" können auch vollautomatische Aufnahmen in Farbe, Kontrast und Schärfe variiert werden.

Bild-Effekte wie Ölgemälde, Aquarell, Miniatur oder Schwarzweiß lassen sich auch nachträglich auf Fotos anwenden. Diese Vorgehensweise ist auch empfehlenswert, da diese Spielereien ansonsten nur von einer bewussten Bildgestaltung ablenken.

Zur Bildkontrolle bietet die EOS M3 einen scharfen 7,5-cm-LCD-Monitor mit rund 345.000 RGB-Pixeln, der leider stark spiegelt. Der optionale Aufstecksucher erscheint deshalb als sinnvolles Zubehör. Der Monitor kann um bis zu 45 Grad nach unten und 180 Grad nach vorne geklappt werden. So kann man auch bei Selfies seine Mimik kontrollieren. Außer per USB und Speicherkarte lassen sich Bilder und Videos auch per WLAN aus der Kamera auslesen.

Fazit

Mit der EOS M3 liefert Canon eine konkurrenzfähige spiegellose Systemkamera, ohne jedoch - etwa mit 4K-Video - innovative Akzente zu setzen. Das Fotografieren mit der ebenso vielseitigen wie handlichen Kamera macht aufgrund der vielfältigen Funktionen und guter Bildqualität aber richtig Spaß.

Inklusive eines 18-55-Millimeter-Zoomobjektivs kostet die neue Canon knapp 750 Euro. Die Erweiterungsmöglichkeiten sind begrenzt. Bisher gibt es nur vier direkt passende Objektive mit EF-M-Verschluss. Andere Objektive aus dem EOS-System lassen sich zwar per Adapter anschließen, machen die Kamera dann aber klobig und bremsen den Autofokus aus. Auf diesem Gebiet hat die Konkurrenz einen deutlichen Vorsprung.

Technische Daten

Hersteller Canon
Modell EOS M3
Bildsensor 24,2 Megapixel
Empfindlichkeit ISO 100 – 12400, erweiterbar auf ISO 25600
Dateiformat JPEG, RAW, RAW+JPEG
HD-Video Full-HD
Autofokus Hybrid-AF, max. 49 Felder, Einzel-/Servo-AF, Gesichtserkennung
Belichtungsmessung Mehrfeld (384 Zonen), integral, selektiv, spot
Belichtungssteuerung Motivprogramme, Programm-, Blenden-, Zeitautomatik, manuell, Kontrastoptimierung, Belichtungskorrektur, Belichtungsreihen, Kreativ-Filter, Bildstile, Multishot-Modi (HDR, Freihand-Nachtaufnahmen)
Serienbilder max. 4,2 Bilder pro Sekunde
Monitor 7,5 Zentimeter, Touchscreen
Sucher optional
Schnittstellen HDMI, USB, ext. Mikrofon
Speichermedien SD/SDHC/SDXC
Sonstige Ausstattung Sensorreinigung, Funktionsspeicher, Blitz integriert, System-Blitzschuh, WLAN, NFC
Energieversorgung Ca. 250 Aufnahmen pro Akkuladung
Objektivanschluss EOS M-Bajonett
Maße 111 x 68 x 45 Millimeter
Gewicht 365 Gramm
Preis 750 Euro (inkl. Standardzoom)
Alle Daten sind Herstellerangaben
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