Tablet-PC Apples Mobil-Computer soll die Konkurrenz überrumpeln

Es soll kleiner als ein Notebook werden und größer als der Kindle - vor allem aber bunt und multimedial. Steve Jobs wird in Kürze Apples Touchscreen-PC zum Mitnehmen vorstellen, berichtet das "Wall Street Journal" und verrät neue Details über das Gerät. Schon im März soll es im Handel sein.
Apple-Chef Steve Jobs: Neuer Coup mit Mini-PC

Apple-Chef Steve Jobs: Neuer Coup mit Mini-PC

Foto: AFP

Hamburg - Apples Tablet-Computer wird kommen, da ist man sich beim " Wall Street Journal " sicher. Seit Wochen hielt sich in der Branche hartnäckig das Gerücht, das angeblich bahnbrechende neue Unterwegs-Gadget werde am 26. Januar in San Francisco der Öffentlichkeit präsentiert. Ein Termin, der naheliegt, denn der 26. ist ein Dienstag - also der Wochentag, den der Unterhaltungselektronikkonzern traditionell für seine Neuvorstellungen nutzt. Nun aber will das Blatt erstens erfahren haben, dass der Präsentationstermin um einen Tag verlegt wurde - und dass zweitens das Gerät schon im März auf den Markt kommen soll. Außerdem nennt die Zeitung neue Details zu dem bislang streng geheim gehaltenen Mobil-PC.

Demnach würden derzeit zwei Versionen des Apple-Tablets getestet. Der Firma nahestehende Personen hätten berichtet, es gebe sowohl ein Modell mit einem Zehn-Zoll-Bildschirm (25 Zentimeter) als auch ein weiteres mit einem Elf-Zoll-Display (28 Zentimeter). Das wäre weit größer als die bei E-Book-Readern üblichen Bildschirme, die meist nur fünf bis sechs Zoll (12,5 bis 15 Zentimeter) große Displays haben.

Apples Tablet würde damit eher in der Kategorie des Netbooks und ultraportablen Notebooks wildern und nicht so sehr, wie zuvor teils angenommen, bei den Smartphones. Bisher gibt es noch keine Computer mit Touchscreen von Apple. Solche Geräte werden nur, mit deutlichem Aufpreis, von der Firma Axiotron unter dem Titel Modbook angeboten.

Außerdem seien die beiden Tablet-Varianten aus unterschiedlichen Materialien hergestellt, heißt es in dem Bericht. Das könne darauf hinweisen, dass sich Apple derzeit noch in der Endphase der Produktentwicklung befinde, unterschiedliche Bauarten teste. Möglich wäre allerdings auch, dass Apple unterschiedliche Tablets aus verschiedenen Materialien zu unterschiedlichen Preisen anbieten will. Das könnte ungefähr so aussehen wie bei den Apple-Notebooks. Ein Macbook aus weißem Kunststoff bekommt man für 900 Euro, ein etwas magerer ausgestattetes Macbook Pro aus Aluminium kostet 1150 Euro.

Zeitungsabos via iTunes

Auf einem ähnlichen Niveau wird auch der Preis des kommenden Tablet-Macs erwartet. Etwa 700 bis 1000 Dollar werde das flache Gerät mit seinem berührungsempfindlichen Bildschirm kosten, viel mehr als beispielsweise Amazons erfolgreicher E-Book-Reader Kindle. Gegenüber solchen reinen Lesegeräten soll sich das angeblich auf den Namen iSlate getaufte Apple-Tablet allerdings durch seine Multimedia-und Netzwerkfähigkeiten abheben. So soll es auch Filme und Fotos wiedergeben und Musik abspielen können und zum Internetsurfen taugen. Vor allem aber erhofft sich die kriselnde Print-Branche von Apples Gerät einen neuen, lukrativen Vertriebsweg für ihre Inhalte. So könnten beispielsweise digitale Zeitungsabonnements über Apples iTunes-Store abgewickelt werden. Im Bereich Musik und Film ist das Unternehmen mit derartigen Vertriebsmodellen bereits sehr erfolgreich.

Im Zusammenhang mit dem - von Apple bislang nicht bestätigten - Tablet-Rechner ist auch Apples jüngste Neuerwerbung sehr interessant geworden. Wie das zum "Wall Street Journal" gehörende Technologie-Blog All Things D berichtet, wird der iPod-Konzern den Anzeigenvermarkter Quattro Wireless für 275 Millionen Dollar übernehmen. Quattro Wireless ist, ebenso wie die vor kurzem von Google übernommene AdMob, darauf spezialisiert, Anzeigenwerbung auf Smartphones zu vermarkten. Der Zukauf könnte allerdings auch genutzt werden, um das Apple-Tablet zu einer Anzeigenplattform auszubauen.

Apple muss sich beeilen

Ein wenig Zeit für ein solches Unterfangen bliebe den Marketing-Experten noch, denn laut "Wall Street Journal" ist mit der Markteinführung wie gesagt nicht vor März zu rechnen. Dass Apple das Gerät dennoch schon im Januar vorstellen wird, leiten Beobachter unter anderem davon ab, dass die Firma sicher sein will, das Tablet vorzustellen, bevor dazugehörende Schlüsselpatente öffentlich werden. Die Einführung des iPhone hatte der Konzern auf ganz ähnliche Weise geplant.

Dass der ursprünglich für den 26. Januar geplante Vorstellungstermin nun auf den 27. Januar verschoben worden sein soll, erklären die Redakteure allerdings auf ganz simple Weise: Das Yerba Buena Center for the Arts in San Francisco, traditionell Apples Veranstaltungsort für Neuvorstellungen, weise vom 25. bis zum 27. Januar keine einzige Veranstaltung auf - möglicherweise, weil Apple das Gebäude so lange gebucht hat.

Und wenn Apple tatsächlich ein Tablet-Produkt planen sollte, hat das Unternehmen allen Grund, sich zu beeilen: Auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas, die am 7. Januar offiziell eröffnet wird, werden etliche Hersteller neue Netbooks, Tablet-PC und E-Book-Reader vorstellen. Darunter Geräte wie den lang erwarteten QUE von Plastic Logic oder den Skiff von der US-Firma Hearst, der auf einem hochauflösenden, biegbaren Display basiert. Will Apple gegen solche Neuheiten auftrumpfen, muss das iSlate schon etwas ganz Besonderes werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.