Tastatur-Touchscreen-Blackberry Fackel im Sturm

Ist das der Befreiungsschlag für die Blackberrys? Mit viel Brimborium hat der kanadische Hersteller RIM am Dienstag sein neues Vorzeige-Smartphone Torch vorgestellt, in dem Tastatur und Touchscreen mit einem neuen Betriebssystem vereint wurden. Endlich ein Blackberry für jedermann?

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Research in Motion (RIM) will es jetzt allen Recht machen. Mit einem multimedial verbesserten Blackberry-Smartphone will das kanadische Unternehmen sowohl die Business-Stammkundschaft als auch neue Privatkunden locken. Weil das mit den bisherigen Blackberry-Smartphones nicht gelang, soll jetzt eine Hybrid-Lösung das Wunder schaffen: Der Blackberry Torch, zu deutsch Fackel. In ihm kombiniert RIM einen Touchscreen mit einer Tastatur zum Herausschieben, will so beide Kundengruppen zufriedenstellen.

Bisher waren RIMs Versuche, neben den Business-Kunden auch Privatanwender zu erreichen weitgehend gescheitert. Dabei ist gerade mit Privatkunden, die immer häufiger anstelle von Standard-Handys multimediale Smartphones kaufen wollen, derzeit ein gutes Geschäft zu machen. Davon profitieren aktuell aber in erster Linie Android-Handys und das iPhone, die vom Start weg als Endgeräte für Endnutzer konzipiert wurden. Das Resultat: RIM verliert kontinuierlich Marktanteile an die neue Konkurrenz.

Nur eines, aber ein wichtiges, Problem war dabei, dass RIM die Touchscreen-Technik jahrelang ignoriert hat. Traditionell sind Blackberrys eben mit einer Volltastatur in Kleinformat ausgestattet, auf der sich E-Mails schnell und zuverlässig tippen lassen. Mit dem iPhone aber wurden berührungsempfindliche Bildschirme zum Markenzeichen populärer Smartphones und gelten seither bei vielen Anwendern als unverzichtbarer Bestandteil eines modernen Mobiltelefons.

Storm im Wasserglas

RIM versuchte sich diesem Trend mit dem Blackberry Storm anzuschließen, erfand hierfür aber eine ganz eigene Touch-Technik. Die basierte darauf die Tastendrücke auf dem Bildschirm fühlbar zu machen, indem man das Display für jeden Tastendruck ein wenig herunterdrücken musste. Das hört sich gut an, wurde aber von manchen Nutzern in der Praxis als eher hinderlich und den Schreibfluss störend empfunden. Ein großer Erfolg jedenfalls war der Storm nicht.

Diese Scharte soll jetzt offenbar der Torch auswetzen, der auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches zu bieten hat, zumindest aus technischer Sicht. So kann man die Auflösung des 3,2-Zoll-Bildschirms mit 360 x 480 Bildpunkten ebenso als Mittelmaß verbuchen wie die Fünf-Megapixel-Kamera. Vier Gigabyte Speicher sind ab Werk eingebaut und werden durch eine beigelegte 4-GB-Speicherkarte ergänzt. Immerhin: Da Speicherkarten bis zu 32 GB unterstützt werden, kann man den Torch auf stattliche 36 GB aufrüsten. Dass er alle aktuellen W-Lan-Protokolle, HSDPA und Musik-Streaming per Bluetooth unterstützt und außerdem einen GPS-Empfänger hat, ist schön, sollte für eine besseres Smartphone aber auch selbstverständlich sein.

Was den aber von seinen älteren Blackberry-Kollegen und von der Konkurrenz abhebt, ist das neue Betriebssystem Blackberry 6, das mit etlichen Neuerungen aufwartet. So sind damit alle installierten Apps über den Homescreen erreichbar. Ähnlich wie bei iPhone und Android gelangt man durch seitliches Wischen zu weiteren Seiten, auf denen Apps abgelegt werden können. Bisher waren auf dem Startbildschirm nur wenige Apps erreichbar, der Rest wurde in Sub-Menüs und Unterordner wegsortiert. Außerdem gibt es eine akkumulierte Ansicht aller neuen Nachrichten und verpasster Anrufe. Außerdem hat man sich bemüht Social Networks zu integrieren. So kann man Status-Updates gleichzeitig an Facebook und Twitter senden.

Drahtlos mit iTunes verbandelt

Grundsätzlich überarbeitet wurde der Webbrowser. Er basiert auf der Webkit-Technik, die beispielsweise auch in Apples Safari steckt. Genau wie der Apple-Browser beherrscht er auch den Trick, Textspalten auf einen Doppeltipp hin auf die Bildschirmbreite zu vergrößern. Außerdem kann er mehrere Websites gleichzeitig öffnen und in Tabs hinterlegen.

Viel Arbeit ist offenbar auch in die Multimediafähigkeiten des neuen Systems geflossen. Das Highlight ist dabei die Wi-Fi-Music-Sync-Funktion. Sie soll es ermöglichen, Musik Fotos und Videos drahtlos per W-Lan mit dem Computer abzugleichen. Das sonst nötige USB-Kabel würde damit obsolet. Neben dem Windows Media Player soll das System auch Multimediadaten mit Apples iTunes austauschen können, eine Fähigkeit, die Nicht-Apple-Geräten sonst verschlossen bleibt. Welche Technik RIM nutzt, um mit der Apple-Software zu kommunizieren, ist noch nicht bekannt.

Ebenso wenig hat der Hersteller bisher bekanntgegeben wann der Blackberry Torch in Deutschland verfügbar werden wird. Bislang ist das Gerät nur für die USA angekündigt, wo es ab dem 12. August exklusiv von AT&T angeboten wird. Ebenso ist unklar, wann und für welche Blackberry-Smartphones es ein Update auf die Betriebssystemversion 6 geben wird. In einer Pressemitteilung hat das Unternehmen angekündigt, es werde solche Updates für den Bold 9700, Bold 9650 und Pearl 3G "sowie für weitere Modelle" geben, sobald diese Updates von den Netzbetreibern zertifiziert worden sind.

Ein Vorgang, der erfahrungsgemäß mehrere Monate dauern kann.



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Seite 1
blue0711 04.08.2010
1. ..
Das Hauptproblem bleibt und damit das NoGo als Business-Handy: Die Daten des Nutzers liegen in USA bei einer Privatfirma nach deren Recht. Ich frag mich immer wieder, wie man so blauäugig sein kann, als Firma so etwas in Kauf zu nehmen.
pwbaumann 04.08.2010
2. der falsche weg
wer braucht eine weitere iphone-spielekonsole? rim sollte bei dem bleiben, was sie können: die besten business-mobiltelephone herstellen.
Walther Kempinski, 04.08.2010
3. Abzocke
Von Blackberry würde ich abraten. Ich hatte mal eins und habe leider immernoch einen Vertrag mit denen über o2. Ein Push-Service Vertrag, damit am Blackberry das Internet freigeschaltet wird. Der Vertrag läuft über 2 Jahre und kostet monatlich 5 Euro. Unnötig wie ein Kropf, denn das Internet sollte über den Provider zur Verfügung gestellt werden und nicht über RIM.
Kabe 04.08.2010
4. Nix Halbes und nix Ganzes...
Im Privatbereich gegen Android und iPhone chancenlos. Es reicht nicht aus, einfach neue Features drauf zu klatschen, sie ziehen hier bestenfalls und nur stellenweise gleich, aber einen Vorsprung sehe ich hier wirklich nirgends. Für die klassische RIM-Klientel ist Stabilität und Funktionalität entscheidend, und das scheint mir unter diesem Hybridansatz eher zu leiden.
D0nJuAn 04.08.2010
5. Fehlinformation
Zitat von Walther KempinskiVon Blackberry würde ich abraten. Ich hatte mal eins und habe leider immernoch einen Vertrag mit denen über o2. Ein Push-Service Vertrag, damit am Blackberry das Internet freigeschaltet wird. Der Vertrag läuft über 2 Jahre und kostet monatlich 5 Euro. Unnötig wie ein Kropf, denn das Internet sollte über den Provider zur Verfügung gestellt werden und nicht über RIM.
ACHTUNG!!!! Das ist eine absolute Fehlinformation. Push Service funktioniert ohne extra Tarif solang es sich um ein Internetfähiges Blackberry handelt. Der zusätzliche Tarif bezieht sich darauf, dass man sein BB auch auf Firmenservern nutzen kann! Wer das nicht braucht bezieht seine emails automatisch über den Blackberry Internet Service. Funktioniert ohne Probleme und die Konfigiration der Mail adresse ist einfacher als über Outlook. Mail adresse angeben Passwort angeben und nach ein paar Sekunden suche hat das Blackberry alles eingerichtet und die emails kommen auch aufs Handy automatisch. JEDES Blackberry hat den Push dienst und ist Internetfähig. Ich hab selbst besitze ein Storm 2. Das neue OS hat die selben funktionen wie die Systeme der Konkurrenz. Wer ein Samsung Handy hat z. B wird auf dem neuen OS 6.0 nicht viel vermissen. Dass das ganze nicht aussieht wie eine Kaugummipackung ist klar. Das ist eben die Firmenphilosophie. Ein Handy für den Schulhof ist es natürlich nicht... Nachteil sind die Apps. Wer als App das Handelsblatt ThomsonReuters Bloomberg und finanz funktionen braucht und furz apps oder sprechenede Hamster etc. nicht misst ist mit einem BB richtig. Wer lieber ein Spaß Handy haben will mit allen möglcihen tollen kram und gadgets sollte zur Konkurrenz. Desweiteren ist eine BB Tastatur die beste auf dem Markt. Wer viel schreibt hat auch hier einen Vorteil. Tippen auf dem iphone ist schnell bequem und hübsch, aber lange Texte sind mit einem BB wesentlich angenehmer.
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