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Edel-Kaffeemaschine von Tchibo Die Quadratur der Kapsel

Eine Kaffeemaschine, die per Smartphone-App gesteuert werden kann? Genau das soll die You-Rista der Tchibo-Edelmarke Qbo sein. Doch die wichtigste Funktion fehlt.

Das Internet der Dinge ist bei den Kaffeemaschinen angekommen. Das jüngste Beispiel ist die You-Rista der Tchibo-Edelmarke Qbo. Sie brüht Kaffee mithilfe von Kapseln - wie die Nespresso-Maschinen des Marktführers Nestlé. Der Clou: Die Maschine ist per WLAN mit dem Internet verbunden, gesteuert wird sie per App.

Der auffälligste Unterschied zu Nespresso sind neben dem stolzen Preis (ab 300 Euro) zunächst die Kapseln: Sie sind quadratisch. Das macht sie besser stapelbar. Außerdem werden sie statt aus Aluminium aus verwertbarem Kunststoff hergestellt.

Von so einer vernetzten Kaffeemaschine wünscht man sich ja vor allem eines: Dass man ihr per App den Befehl zum Kaffeekochen geben kann. Zum Beispiel morgens, gleich nach dem Weckerklingeln. Oder am Wochenende, wenn man von einem Spaziergang oder Einkaufsbummel zurückkommt. Um das gleich vorweg zu nehmen: Ausgerechnet das kann die App der Qbo-Kaffeemaschine nicht.

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Qbo You-Rista im Test: Kaffeekochen per Smartphone

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Sie ist keine Fernsteuerung, sondern eher ein Rezeptbuch. Die Maschine bietet von sich aus schon neun Kaffee- und zwei Milchschaumvarianten an, die kann man nun mit eigenen Kaffeerezepten noch beliebig erweitern. Dazu kombiniert man in der App per Fingerwisch Milch, Kaffee, und Milchschaum nach seinen Vorlieben.

Ein Ristretto mit gleichen Teilen heißer Milch und Michschaum lässt sich so auf dem Smartphone zum Latte Ristretto Macchiato umbauen - oder zum Iced Caffé Latte mit extra viel Milchschaum. Per WLAN lassen sich solche Rezepte dann an die You-Rista schicken, die sie genau nach Anleitung nachkocht. Allerdings wird sie erst tätig, wenn man den Startknopf an der Maschine drückt.

Merkwürdigerweise bleiben die Rezepte in der Maschine auch nur für fünf Minuten abrufbar. Wenn ich also am allerliebsten meinen selbst kreierten Tristretto mit extra viel Schaum trinke, muss ich jedes Mal vor dem Kaffeekochen das Handy zücken, die Qbo-App starten, das Rezept auswählen, an die Maschine senden und schließlich noch Start drücken. Ich bin sicher, das könnte man auch einfacher hinkriegen.

Kann man trinken

Wenn die Qbo-Maschine dann zu Werke geht, ist es vorbei mit der digitalen Stille. Unter heftigem Zischen, Blubbern und Fauchen bringt sie Milch in Wallung und presst kochendes Wasser unter Hochdruck durch die Kaffeekapsel, die danach wie ein ausgewrungener Schwamm in einen Auffangbehälter plumpst.

Dem Getränk, das dabei entsteht, merkt man diese ausgesprochen exotherme Entstehungsgeschichte allerdings nicht an. An dem Kaffee, den die You-Rista zubereitet, gibt es nichts auszusetzen.

Zehn Sorten standen uns zum Test zur Auswahl die alle unterschiedlich, aber jede für sich doch recht gut schmeckten. Ein paar Testtrinker bemängelten lediglich, ihnen sei der Espresso nicht heiß genug. Da hätten wir wohl die Funktion zum Vorwärmen der Tassen verwenden sollen.

Fazit

Das Ergebnis ist also gut, aber der Weg dahin scheint etwas umständlich. Am Ende werden Käufer der teuren Kapselkaffeemaschine sicher häufiger zu den vorgefertigten Standardrezepten greifen, statt eigene Rezepte auszuprobieren.

Wer sich eine solche Maschine anschafft, muss sich der Konsequenzen bewusst sein. Zum einen produzieren Kapselmaschinen viel Müll. Klar, die quadratischen Kunststoffkapseln von Qbo sind schon mal besser als die Alukapseln der Konkurrenz. Ihre Produktion braucht weniger Energie, sie sind leichter zu stapeln und zu transportieren. Aber ob sie tatsächlich im Recycling landen oder nicht doch einfach im Mülleimer, lässt sich nicht kontrollieren.

Außerdem sind sie teuer, sehr teuer. Ein Paket mit acht Kapseln kostet 2,95 Euro, 27 Stück sind für 9,95 zu haben. In jeder Kapsel stecken 7,5 Gramm Kaffee. Umgerechnet sind das knapp 50 Euro pro Kilo, und das ist der Hauptgrund, weshalb Kaffeehersteller Kapseln so lieben: Die Gewinnspanne gegenüber abgepacktem Kaffee ist ungleich höher.

Und schließlich fehlt noch ein echter Vorteil durch die App. Zugegeben, eigene Kaffeemischungen zu basteln hat anfangs seinen Reiz. Aber, dass die Maschine sich keine davon merken kann, nervt auf Dauer dann doch. Vollkommen unbegreiflich ist mir, weshalb man den Brühvorgang trotz WLAN und App nicht aus der Ferne starten kann.

Das wäre die eine Killerfunktion, die viele der anderen Nachteile aufwiegen könnte.