Technik-Legenden Lederrechner, VW-Computer und Konsolen vom Army-Ausrüster

Spielkonsolen-Prototyp: Ralph Baer bastelte 1969 eine Videospielkonsole
dpa

Spielkonsolen-Prototyp: Ralph Baer bastelte 1969 eine Videospielkonsole

4. Teil: MITS - hier arbeitete Bill Gates als Programmierer


Der pompöse Name der Firma führt ein wenig in die Irre: "Micro Instrumentation and Telemetry Systems" hieß das Unternehmen, das der Ingenieur Ed Roberts mit seinem Kollegen Forrest Mims in Albuquerque gründete, um - nun ja - Bauteile für Raketenmodelle zu verkaufen.

Die beiden expandierten, von 1971 an verkauften sie einige Jahre lang erfolgreich Taschenrechner. Als die Kalkulator-Preise 1974 stark fielen, suchten sie sich ein neues, lukrativeres Produkt. Ed Roberts entwarf den ersten kommerziell vertriebenen Heimrechner der Geschichte: der Altair 8800. Der Bausatz zierte Anfang 1975 die Titelseite der von US-Elektronikbastlern gelesenen Zeitschrift "Popular Electronics". Mangels echter Konkurrenz war die Nachfrage entsprechend hoch.

Bill Gates, damals Student in Harvard, und sein Schulfreund Paul Allen, damals ganz in der Nähe angestellt bei Honeywell in Boston, lasen von dem Rechner und entschlossen sich dazu, einen Interpreter der Programmiersprache Basic für den neuen Bastelcomputer anzupassen.

Sie waren schnell genug, um einen Vertrag mit MITS zu ergattern: Die Firma vertrieb Altair Basic und bündelte die Software mit den Bastelcomputern. Für jedes verkaufte Paket wurde Gates und Allen ein fixes Honorar vertraglich zugesagt. Die beiden Programmierer zogen nach Albuquerque, um dort mit MITS an der Basic-Software zu arbeiten. Hier gründeten sie im Frühjahr 1975 dann auch ihre Firma Micro-Soft. Auf den Bindestrich verzichteten sie im Folgejahr, als sie Microsoft als Markenzeichen registrierten.

Die Wege von MITS und den Microsoft-Gründern trennten sich bald wieder: Gates und Allen stritten mit den Altair-Bauern um die Details ihres Software-Vertrags. Sie wollten ihre Basic-Interpreter auch selbst verkaufen dürfen. MITS interpretierte den Vertrag anders und glaubte, Exklusiv-Rechte zu haben. Der Streit zog sich bis 1977, als ein Gericht im Sinne von Gates und Allen entschied.

Die Heimcomputer-Pionierfirma MITS gehörte da längst nicht mehr den Gründern. Ed Roberts hatte das Unternehmen 1977 an den Bandlaufwerks-Hersteller Pertec verkauft, der wiederum 1979 von der deutschen Schreibmaschinen- und Kleincomputerfirma Triumph-Adler übernommen wurde.

MITS-Gründer Roberts studierte nach dem Verkauf seiner Firma Medizin und ließ sich im Städtchen Cochran im Südosten der USA nieder, wo er als Internist praktizierte.



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