Technik-Trends 3D zum Anfassen

Noch hat sich das räumliche Fernsehen und Kino nicht durchgesetzt, da basteln die Entwickler schon am 3D der nächsten Generation. Angestrebte Meilensteine: 3D-Monitore, für die man keine Brille mehr braucht - und 3D-Bilder, die man virtuell anfassen und manipulieren kann.

AFP / AIST

Räumliche Bilder sind eine feine Sache, sie machten im letzten Jahr James Camerons Kinospektakel Avatar zum lukrativsten Film aller Zeiten. Doch 3D-Technik für Kino und Fernsehen hat auch Nachteile: Man kann die Bilder nur wahrnehmen, wenn man ein elefantöses Nasenfahrrad trägt, das zu allem Überfluss auch noch rund 100 Euro pro Stück kostet. Gerade im privaten Kontext ist das ein echtes Hindernis, es treibt die Kosten hoch und mindert die Flexibilität - Besucher, für die beispielsweise keine Brille bereitliegt, sind vom 3D-Erlebnis ausgeschlossen.

Dabei gibt es seit langem Monitortechniken, die die Darstellung von 3-D-Bildern ohne Brille erlauben - es gibt nur bisher keine, die flexibel und qualitativ hochwertig genug wären. Denn bisher erlauben solche Displays nur eine Darstellung räumlicher Bilder aus eng definierten Blickwinkeln. Farb- und Bildqualität lassen zudem zu Wünschen übrig.

Das alles will (nicht nur) Toshiba - ein Mischkonzern, der weit mehr entwickelt als nur Laptops und Atomkraftwerke - nun ändern: Längst auch eine Größe auf dem Unterhaltungselektronikmarkt arbeiten die Entwickler der japanischen Großfirma an entsprechenden 3D-Displays, wie eine Sprecherin Anfang der Woche gegenüber einer japanischen Zeitung bestätigte.

Die Toshiba-Technik setzt dabei wohl auf die gleichen Grundprinzipien wie bisherige 3D-Displays, für die man keine Brille braucht: Der Monitor präsentiert sein Bild in mehreren Layern minimal verschoben, während eine Membran dafür sorgen wird, dass rechtes und linkes Auge leicht unterschiedliche Bilder serviert bekommen. Wann es soweit sein wird, dass man solche Bilder dann aus verschiedenen Blickwinkeln und Abständen räumlich und qualitativ gut wird sehen können, bleibt abzuwarten: Noch ist die Technik bei Toshiba in der (Weiter-) Entwicklungsphase.

So wie bei Sony: Japans größter Unterhaltungselektronikkonzern beeilte sich nachzuschieben, dass entsprechende Techniken natürlich auch dort in Mache seien.

Nur gucken, nicht anfassen? Doch, kann man

Einen ganz anderen Weg geht derweil die deutsche Firma Carl Zeiss. Sie verzichtet nicht auf die Brille, sondern auf den Monitor: Auf der Ifa wird die Traditionsfirma OLED-Display-basierte Brillen zeigen, die ganz neue Bildqualitäten für solche "Cyberbrillen" ermöglichen sollen. Die Einsatzmöglichkeiten sind nicht auf Film beschränkt, sondern schließen natürlich auch Spiele sowie Virtualisierungen im Business-Bereich ein.

In den zwei letztgenannten Bereichen sehen auch die Forscher und Entwickler der japanischen Tsukuba-Universität ihre spektakuläre 3D-Technik: Sie erlaubt erstmals, mit dreidimensional dargestellten Objekten zu interagieren, diese zu manipulieren und zu formen - Minority Report lässt grüßen. Das Ganze ist erst in der experimentellen Phase, ob und wann es den Markt erreicht, ist nicht abzusehen.

Doch es zeigt, dass den Entwicklern die Phantasie in Sachen 3D noch längst nicht ausgeht. Kein Wunder, gilt die Technik doch schon jetzt als einer der wichtigsten Wachstumsmotoren des Unterhaltungselektronik-Marktes. Der boomt kräftig, wie der Branchenverband Bitkom im Vorfeld der Ifa wissen ließ: Die Umsätze in dem Bereich sollen 2010 um rund 2,5 Prozent auf satte 12,7 Milliarden Euro steigen.

pat



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