Top Ten der Daten-Desaster Versunkene Festplatten und hungrige Haustiere

Wie viel freien Fall hält eine Festplatte aus, was passiert mit Daten in 600 Metern Wassertiefe, welchen Einfluss hat Tiefkühlfleisch auf die Datensicherheit? Solchen Fragen haben sich Computer-Forensiker im Jahr 2009 gegenübergesehen. Zehn kuriose Fälle von Datenverlust.

Kroll Ontrack

Im Alltag beschäftigen sich Datenrettungsspezialisten meist mit Fällen, die nur für den Betroffenen spektakulär sind. Oft sind das beispielsweise Fälle, die etwas mit Stürzen zu tun haben. Externe Festplatten etwa, die jemand mit einer ausholenden Armbewegung vom Tisch gerissen hat, Notebooks, die herunterfallen, weil jemand über deren Netzkabel stolperte. Oder einfach die Startfestplatte eines Desktop-PC, die nach Jahren eifrigen Speicherns plötzlich und unvermittelt den Dienst eingestellt hat - aus Ermüdung.

Doch solche Notlagen sind eben Standardfälle. Sie kommen immer wieder vor und sind für Datenrettungsunternehmen wie Aabboo, Attingo, CBL, Recovery Labs und viele andere das Brot-und-Butter-Geschäft. Mit Hilfe von Software oder in speziellen Reinräumen retten sie, was zu retten ist - in der Regel gegen eine saftige Gebühr.

Doch es gibt offenbar auch immer wieder jene Fälle, die aus dem täglichen Einerlei hervorstechen. Mal, weil die Situation, welche den Datenschaden verursacht hat, einfach ungewöhnlich ist, mal, weil die Datenträger selbst die Labore der Experten in einem derart desolaten Zustand erreichen, dass selbst die Profis bezweifeln, dass da noch etwas zu retten sein.

Um die spektakulärsten oder kuriosesten Fälle von Datenverlust herauszufinden, befragen die Computer-Forensiker von Kroll Ontrack jedes Jahr ihre weltweit verstreuten Datenrettungsexperten. Das Resultat ist eine Essenz aus den rund 50.000 Notfällen, bei denen die Techniker zu Hilfe gerufen werden. Jedes Jahr veröffentlicht das Unternehmen seine ganz eigenen Top Ten der Daten-Desaster - hier sind die für 2009.

10. Versprochen ist versprochen

Nach einer Urlaubsreise hatte eine Frau aus Hongkong die SD-Speicherkarte ihrer Digitalkamera formatiert, sie wollte wohl Platz für neue Fotos schafften. Zu spät fiel ihr ein, dass auf dem Datenträger noch ein Bild des Fujiyama gespeichert gewesen war, das sie für eine kameralose Mitreisende geknipst hatte. Dumm gelaufen, könnte man jetzt sagen, doch die Dame fühlte sich verpflichtet, ihr Versprechen einzuhalten. Sie wollte das Bild unbedingt ihrer neuen Freundin zuschicken können. Sie beauftragte Kroll Ontrack, und tatsächlich: Die vermeintlich gelöschten Fotos konnten wiederhergestellt werden. Damit konnte sie Wort halten - wenngleich das wohl nicht ganz billig war. Schließlich kostet dort schon die Diagnose einer Speicherkarte 90 Euro. Will man seine Daten tatsächlich retten lassen, werden dafür Zusatzgebühren fällig - und die können heftig ausfallen.

9. Katze knabbert Kabel an

Dass Katzen Mäuse jagen, ist ja nicht ungewöhnlich. Sogar, dass Katzen Computermäuse jagen, soll schon vorgekommen sein, doch eine französische Hauskatze interpretierte bei ihren Jagdspielen das Netzkabel einer USB-Festplatte als potentielles Opfer. Zumindest die daran angebundene Festplatte wurde das dann auch, flog zu Boden und musste aufwendig restauriert werden: Der Katzenbesitzer hatte darauf nicht nur persönliche Erinnerungen, sondern vor allem seine gesamten Steuerunterlagen abgelegt.

8. Flugexperiment

Wie es dazu kam, ist ungeklärt, dem Besitzer vielleicht zu peinlich: In Mexiko City wurde ein Notebook plötzlich zum bekannten, aber unbeabsichtigten Flugobjekt, als es aus dem zweiten Stockwerk eines Bürogebäudes zu Boden stürzte. Eine erste Diagnose lautete schlicht: "hoffnungslos". Doch im Speziallabor gelang's dann doch: Das nunmehr als flugunfähig erkannte Laufwerk konnte repariert, die Daten wiederhergestellt werden.

7. Eile mit Weile

Hektik ist nie gut, das musste ein britischer Geschäftsmann auf die harte Tour lernen. Warum er gestresst war, weiß man nicht, doch er war es offensichtlich, als er in höchster Eile seinen Wagen bestieg und losbrauste. Was er dabei vergaß: Als er die Autoschlüssel hervorkramte, hatte er sein Notebook auf dem Autodach abgelegt. Es dauerte allerdings nicht lange, bis ihm dieser Fehler wieder einfiel: Schon in der nächsten Kurve sah er sein Arbeitsgerät tangential davonfliegen, gegen eine Mauer krachen. Schlimm war das letztlich nicht - nur teuer.

6. Gewalt ist keine Lösung

Dem handfesten Streit zweier IT-Mitarbeiter fielen in einem britischen Rechenzentrum die Daten eines ganzen Unternehmens zum Opfer. Eine Rangelei unter den Kollegen artete derart aus, dass sie im Laufe der Rauferei einen Serverschrank umstießen. Zum Glück für die beiden konnten die Daten wiederhergestellt werden. Wie der Arbeitgeber reagierte, ist nicht bekannt.

5. Doppelpech

Dass beim Motorradfahren mal etwas schiefgehen kann, ist nicht ungewöhnlich. So viel Pech zu haben wie der Fotograf in dieser Geschichte, ist aber schon bemerkenswert. Während einer Ausfahrt mit dem Zweirad löste sich die Kameratasche des Fotoprofis, flog in weitem Bogen davon und sauste schließlich so unglücklich zu Boden, dass die Kamera darin zerbrach. Dieser Prozess der Selbstauflösung hatte wiederum zur Folge, dass die in die Kamera eingelegte Speicherkarte sich ihrerseits selbständig machte und erst in einer Pfütze zur Wasserlandung ansetzte.

4. Üble Übelkeit

Weshalb man als Tierbesitzer Tiefkühlfleisch zum Auftauen lieber nicht offen liegen lassen sollte, lernte eine amerikanische Familie auf ausgesprochen übelriechende Weise. Deren Haustier - ob Hund, Katze oder Maus, will man bei Kroll nicht verraten - bediente sich über alle Maßen an einer solchen Auftauportion. Dabei verdarb es sich den Magen, dessen Inhalt es daraufhin über dem Familien-Notebook entleerte. Das Resultat: Appetit verdorben, Notebook unbrauchbar, Festplatte kaputt. Zumindest letzteres Problem konnte behoben werden.

3. Ungemütlicher Ausritt

Nicht nur das Glück dieser Erde, auch die Gefahr, abgeworfen zu werden, liegt auf dem Rücken der Pferde. Sie ereilte auch eine Reiterin in der Türkei, die samt Digitalkamera von ihrem Huftier zu Boden geschleudert wurde. Dabei ging nicht nur der Stolz der Reiterin, sondern auch ihre Foto-Speicherkarte zu Bruch. Immerhin: Die Bilder konnten gerettet werden.

2. Nicht abgestürzt, sondern abgesoffen

Manchmal braucht es schon eine Weile, eine defekte Festplatte überhaupt aufzuspüren. So wie in jenem Fall, da der Datenträger samt wertvoller Daten im Bauche eines Schiffes lag, dass unterging: 600 Meter tief versank es. Erst sechs Monate nachdem das Wrack geortet worden war, wurde ein Bergungstrupp auf den Weg geschickt, um die demolierte Festplatte an die Meeresoberfläche zu holen. Trotz der starken Beschädigungen durch die lange Lagerzeit im Meerwasser konnten zumindest 99 Prozent der Daten wiederhergestellt werden.

1. Kriminelle Daten auf der Flucht

Als norwegische Ermittlungsbeamte sich anschickten, die Wohnung eines des Betrugs Verdächtigten zu durchsuchen, zog der die Reißleine, schleuderte sein Notebook aus dem Fenster. Der Mobilrechner, auf dem die Beamten belastendes Material vermuteten, nahm die Aktion zunächst gelassen, zerbarst dann aber doch, als er nach seinem kurzen Flug aus dem zwölften Stockwerk auf den Boden aufschlug. Notebook und Massenspeicher quittierten den abrupten Bewegungsstopp, indem sie in viele kleine Teile zersplitterten, sich dekorativ über den Gehsteig verteilten. Angesichts der Bilder, die von der zerlegten Festplatte gemacht wurden (siehe Bilderstrecke), ist es umso erstaunlicher, dass auch hier noch Hilfe möglich war: Fotos, Videos und E-Mails konnten wiederhergestellt werden.

mak



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