Bildbearbeitung Wie man in Lightroom mit Farbsättigung arbeitet

Die Natur sieht in Wahrheit oft flauer aus, als wir sie später in Erinnerung haben. Auf Fotos kann man diesem Phänomen begegnen, indem man an der Sättigung eines Bildes schraubt - aber wie geht das richtig? Ein paar wichtige Tipps für Lightroom.

Foto mit Früchten: Farbsättigung ist ein mächtiges Werkzeug
Christian Öser/ DOCMA

Foto mit Früchten: Farbsättigung ist ein mächtiges Werkzeug

Von Christian Öser


Nicht weniger als 17 Regler tragen in Lightrooms "Entwickeln"- Modul den Namen "Sättigung". Dazu gesellt sich noch der "Dynamik"-Regler, der eine "intelligente" Form der Sättigung darstellt. Egal, ob in den "Grundeinstellungen", "HSL", der "Teiltonung", der "Kamerakalibrierung" oder in den lokalen Werkzeugen "Verlaufsfilter", "Radial-Filter" und "Korrekturpinsel" - bei allen ist es möglich, Farben global sowie einzeln in ihrer Sättigung zu verstärken oder in Graustufen umzuwandeln.

Dabei stellt sich oft die Frage, wie die Regler miteinander interagieren. Auf den folgenden Seiten sehen Sie, dass nicht alle Regler dieselbe Priorität besitzen. So kann es etwa vorkommen, dass veränderte Einstellungen im Bild keine Auswirkung zeigen. Dies liegt daran, dass sich die "Sättigung"-Regler der einzelnen Bedienfelder teilweise gegenseitig überschreiben, aufheben oder ergänzen. Verstehen Sie erst einmal diese Wechselwirkungen, können Sie durch eine Kombination bewusst spezielle Farbeffekte in Ihren Fotos erzeugen.

Ob ein Bild stärker oder schwächer gesättigt sein soll, hängt stets von der subjektiven Einschätzung des Fotografen beziehungsweise Bildbearbeiters ab. In der Natur kommen stark gesättigte Farben relativ selten vor, weshalb Fotos naturgemäß eher flau aussehen. Hinzu kommen noch weitere äußere Einflüsse wie etwa Dunst. Nicht umsonst wird in Digitalkameras bei JPEGs oft die Sättigung schon bei der Aufnahme bewusst erhöht. Das menschliche Gehirn blendet allerdings problematische Einflussfaktoren aus und erinnert sich an Farben unter perfekten Bedingungen. Das ist auch der Grund, warum Betrachter ein höher gesättigtes Bild als realistischer wahrnehmen als ein naturgetreues, aber farbloses Foto.

Umfärben mit dem "Sättigung"-Regler
  • Christian Öser/ DOCMA
    Als Werkzeug zum Umfärben von Objekten ist Lightroom nicht gerade berühmt - häufig wird diese Fähigkeit nur Photoshop zugetraut. Zu Unrecht, denn mit dem Korrekturpinsel ändern Sie rasch jede beliebige Farbe. Die Hauptrolle nimmt hier der "Sättigung"-Regler ein. Verringern Sie dessen Einstellung zuerst auf -100 und malen Sie über das Objekt, das umgefärbt werden soll - dieses erscheint nun in Graustufen. Wählen Sie dann über das Farbfeld den gewünschten Farbton und verändern Sie anschließend bei Bedarf wieder die Sättigung, um die neue Farbe mit der ursprünglichen zu mischen - das war es auch schon. Wollen Sie den neuen Farbton in der Sättigung verstärken, duplizieren Sie einfach ein oder mehrere Male die Einstellungen des Korrekturpinsels, indem Sie mit "Strg/Befehl-Alt" auf den Bearbeitungspunkt klicken.
Die Regler im Vergleich: "Sättigung"

Die Funktion des "Sättigung"-Reglers ist sehr einfach zu verstehen, da die Ergebnisse leicht vorhersehbar sind: Ziehen Sie nach rechts in Richtung +100, erhöht sich die Farbsättigung aller Farben im Bild gleichmäßig. Zu hohe Werte können sich allerdings in übersättigten Farben und folglich Tonwertabrissen äußern. Nach links verschoben verringert sich die Farbintensität global, bis beim Wert -100 nur noch Graustufen im Foto vorherrschen.

Die Regler im Vergleich: "Dynamik"

Der "Dynamik"-Regler beeinflusst die Sättigung mittels eines intelligenten Algorithmus. Schwach gesättigte Bereiche werden bei einer Erhöhung wesentlich stärker beeinflusst als Farben, die bereits eine höhte Sättigung aufweisen. Besonders gut sehen Sie dieses Verhalten beim Wasser. Genauso verhält es sich umgekehrt: Bei einem Wert von -100 verlieren schwache Farben ihre Sättigung komplett, während intensive Stellen eine leichte Restsättigung behalten.

"Dynamik" im Detail

"Dynamik" bietet im Hintergrund noch zwei weitere Spezialfunktionen: Zum einen verhindert der Algorithmus, dass es bei einer Annäherung an den Maximalwert von +100 zu Tonwertabrissen kommt. Zum anderen sind Gelb- sowie Rottöne geschützt und deutlich schwächer verändert als andere Farben. Das hat insbesondere bei Porträts den Vorteil, dass Hauttöne bewahrt und nicht übersättigt dargestellt werden.

Kurve beeinflusst Sättigung

Mit einer Gradationskurve hellen Sie bestimmte Bereiche im Bild auf, dunkeln sie ab oder verstärken mit einer S-Form den Kontrast. Beachten Sie dabei, dass bei einer Kontrasterhöhung mittels Kurve immer auch die Farbsättigung ansteigt. Gegenteilig verhält es sich ebenso - eine umgekehrte S-Kurve flacht nicht nur den Kontrast ab, sondern verringert auch die Sättigung. Steuern Sie im Bedarfsfall mit dem "Sättigung"-Regler der "Grundeinstellungen" dagegen.

Sättigung in "HSL"

Eine detaillierte Korrektur der Sättigung für einzelne Farben führen Sie im "HSL"-Bedienfeld durch. Rufen Sie den entsprechenden Reiter auf, sehen Sie Regler für acht Farben. Erhöhen beziehungsweise verringern Sie entweder einzelne Regler oder nutzen Sie alternativ das Zielkorrekturwerkzeug oben links. Damit klicken Sie direkt im Bild auf eine bestimmte Farbe und ziehen nach oben oder unten. Lightroom erkennt die betroffenen Farben und verändert sie.

"Grundeinstellungen" vs. "HSL"

Prinzipiell gilt: Verwenden Sie die "Grundeinstellungen", wenn Sie die Farbintensität des gesamten Bildes beeinflussen wollen. "Sättigung" ist das Mittel der Wahl, wenn ein Foto allgemein flau oder zu stark gesättigt wirkt, "Dynamik" empfiehlt sich, wenn Sie natürlichere Ergebnisse bevorzugen. Nutzen Sie "HSL" zur Korrektur einzelner Farben. Im Beispiel wurde nach dem Einsatz von "Dynamik" der zu intensive Himmel mit einer Rücknahme von "Blau" korrigiert.

Sättigung bei lokalen Werkzeugen

Wann immer Sie die Sättigung nur von einzelnen Teilbereichen im Bild anpassen wollen, kommen die lokalen Werkzeuge ins Spiel. Aktivieren Sie oberhalb der "Grundeinstellungen" wahlweise den Verlaufsfilter (Taste M), den Radial-Filter (Umschalttaste-M) oder den Korrekturpinsel (Taste K). Verändern Sie vor der Anwendung im Bild zuerst den Wert bei "Sättigung" und ziehen beziehungsweise malen Sie dann im Foto über die gewünschte Stelle.

Priorität der einzelnen Regler

Durch die verschiedenen "Sättigung"-Regler in Lightroom ist das Zusammenspiel nicht immer einfach nachzuvollziehen. Stellen Sie in den "Grundeinstellungen" (kurz GE) den Regler "Sättigung" auf -100, verlieren die gleichnamigen Regler in den lokalen Werkzeugen (kurz LW) und in "HSL" ihre Wirkung (links). Sobald die "Sättigung" (GE) einen Wert größer als -100 aufweist, beeinflussen die lokalen Werkzeuge und "HSL" das Bild in der Farbintensität wieder (rechts).

Sättigung beeinflusst Graustufen

Auch wenn alle Farben mittels lokaler Werkzeuge oder "HSL" komplett entsättigt wurden, hat der "Sättigung"-Regler in den "Grundeinstellungen" eine Auswirkung. Verschieben Sie diesen zwischen -100 und +100, verändert sich die Schwarzweiß-Darstellung. Das hat zur Folge, dass der Regler im Hintergrund die Farbintensität weiterhin beeinflusst und dadurch die Graustufen bei der Umwandlung in Schwarzweiß unterschiedliche Luminanzwerte annehmen.

Entsättigte Farbe zurückholen

Ein sehr interessantes und nützliches Zusammenspiel bieten die "Sättigung"-Regler in "HSL" und den lokalen Werkzeugen. Beide in Verbindung ergänzen oder heben sich in ihrer Wirkung auf: Stellen Sie testweise alle Farben in "HSL" auf -100. Wählen Sie eines der lokalen Werkzeuge (in diesem Beispiel der Radial-Filter) und ziehen Sie mit der Einstellung "Sättigung" +100 eine Ellipse auf. Die Farbe erscheint nun mit ihrer ursprünglichen Sättigung wieder im Bild.

Colorkey per Korrekturpinsel

Das im vorigen Schritt beschriebene Verhalten eignet sich hervorragend für Farbeffekte. Einerseits ist es leicht möglich, einen Colorkey zu erzielen, der sich nicht nur auf die Isolierung von einzelnen Farben beschränken soll (linkes Bild, Vorgehen wie in Schritt 10, nur diesmal mit dem Korrekturpinsel). Andererseits werten Sie diesen Effekt noch auf, indem Sie im "HSL"-Bedienfeld die Entsättigung einer oder mehrerer Farben zurücknehmen (rechtes Bild).

"Sättigung" in der "Teiltonung"

In Schritt 8 haben Sie gelernt, dass die lokalen Werkzeuge und "HSL" sättigungstechnisch keine Veränderung im Bild mehr bewirken, wenn in den "Grundeinstellungen" die "Sättigung" auf -100 gesetzt wird. Zwei andere Bereiche können dies allerdings: Die "Teiltonung" besitzt für die Lichter und Schatten jeweils einen "Farbton"- und "Sättigung"- Regler. Damit überlagern Sie die Graustufen und erzeugen eine Farbstilisierung.

Knackiges Schwarz-Weiß

Der zweite Bereich mit Einfluss ist das Bedienfeld "Kamerakalibrierung". Verschieben Sie hier nacheinander die Regler "Sättigung" für "Rot", "Grün" sowie "Blau" und beobachten Sie, wie intensiv sich die Graustufen-Darstellung der Farben im Bild verändert. Entfernt erinnert das Verhalten an den Kanalmixer in Photoshop. Behalten Sie diese effektive Art der Bearbeitung im Hinterkopf, wenn Sie das nächste Mal ein Foto in knackiges Schwarzweiß umwandeln wollen.

Sättigung in "Kamerakalibrierung"

Beachten Sie, dass die "Kamerakalibrierung" eigentlich nicht für eine Farbkorrektur gedacht ist, sondern um eine sensorspezifische Farb- oder Sättigungsverschiebung zu neutralisieren. Kameras unterscheiden sich in der Farbwiedergabe mehr oder weniger stark - stellen Sie beispielsweise allgemein zu stark gesättigte Rottöne fest, können Sie in diesem Bedienfeld gegensteuern. Für kreative Ergebnisse lassen sich die Regler natürlich trotzdem einsetzen.

Vorgaben in "Kamerakalibrierung"

In jeder Kamera können Sie Bildstile für eine unterschiedliche Farbwiedergabe auswählen. In der "Kamerakalibrierung" finden Sie für die gängigsten Modelle Vorgaben, die solche Stile imitieren. Je nach Kamera und Einstellung erhalten Sie neutrale Farben ("Camera Neutral"), stark gesättigte Farbtöne ("Camera Landscape") oder optimierte Farben für Hauttöne ("Camera Portrait)". Diese Vorgaben stellen natürlich nur eine Ausgangsbasis für die weitere Bearbeitung dar.

Farbreflexion sichtbar machen

Bearbeiten Sie Fotos, in denen neutrale Farben sehr wichtig sind, ist auf den ersten Blick nicht immer sofort ersichtlich, ob eine störende Farbreflexion vorhanden ist. Erstellen Sie zur Kontrolle am besten eine Vorgabe, die den "Sättigung"- sowie "Dynamik"-Regler in den Grundeinstellungen und bei "HSL" alle Farben in der Sättigung auf +100 erhöht. Im Beispielbild wird so der ursprünglich nur schwer erkennbare Blaustich im Fell des Schimmels deutlich sichtbar.)

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
DerNachfrager 21.06.2015
1. Und nach dieser Werbung...
...machen wir wieder ein Bissl Journalismus.
Ajf04fu 21.06.2015
2. Den Artikel hätte man sich sparen können
Kann das unverständliche Docma-Wurstblatt nicht einfach Werbung buchen, wie andere Firmen auch? Die LR-User, die hier lesen, finden doch den Korrekturpinsel gar nicht. Der Tipp hat die Qualität eines heftig.co-Artikels: "Er startete Lightroom und sie werden es nicht glauben, was für konkret krasses Zeugs dann geschah..."
rosta 21.06.2015
3. Geht auch mit freier Software
Anstatt ständig Werbung für proprietäre Software zu verbreiten, könnten die gleichen Tipps und Anleitungen auch für freie Software, wie z.B. RawTherapee oder darktable, gegeben werden. Dort geht das alles auch und ausserdem stehen diese Softwarepakete für alle gängigen Betriebssysteme zur Verfügung, inklusive Linux.
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 21.06.2015
4. soll das ein Witz sein
Also wenn man schon Werbung für teure, proprietäre, sogenannte "Profi-"Software macht, sollte man doch schon auch von den Funktionen Berichten die man bei anderen Produkten nicht findet. Ein Profi der sich wirklich mit der Materie auskennt ist übrigens dazu in der Lage mit jedem Werkzeug vernünftige Ergebnisse zu erzielen. Deshalb richtet sich solcherlei Software eigentlich nicht an Profis, sondern an Leute die etwas mit einer einfachen Bedienung haben wollen. Und das schließt die meisten professionellen Fotografen mit ein. Denn Fotografie und Bildbearbeitung sind zweierlei und erstaunlich wenige beherrschen beides professionell.
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 21.06.2015
5. Nachtrag
Man installiere sich Gimp, importiere ein Bild und gehe im Menü auf Farben -> Farbsättigung, neben den zig anderen Optionen zu Farbveränderungen. Tata! Naja, Adobe lebt halt, wie viele andere Anbieter propitärer Software auch, von der Verbreitung durch aufwendiges Marketing und den entsprechenden Schulungen zu seiner Software, nicht aber von der Einzigartigkeit oder hervorstechenden Qualität der Software.
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