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iPad 3G: Das wichtigste Zubehör

Foto: Matthias Kremp

UMTS-iPad im Familientest Mickriges Spielzeug für magische Momente

Die Wartezeit ist vorüber. Ab Freitag wird Apples iPad auch in Deutschland ausgeliefert. Matthias Kremp hat das Top-Modell mit UMTS und GPS ausführlich getestet - und sah sich dabei mit unerwarteten Schwierigkeiten konfrontiert.

Ich hätte einfach die Klappe halten sollen. Aber kaum hatte ich beim Abendessen der Familie erwähnt, dass in meinem Heimbüro das neue iPad liegt, saß ich allein am Tisch, während Frau und Kinder mir das neue Gadget raubten. Das war neu. Eine solche Reaktion hatte bisher noch kein Testgerät, das ich mit nach Hause brachte, hervorgerufen. Aber auf dieses waren alle gespannt. Kurz ausprobieren konnten wir es ja schon kurz nach dem Verkaufsstart in den USA, aber jetzt hatten wir endlich Zeit, es ausführlich zu testen.

Zudem waren wir dieses Mal nicht mehr auf das Wohnzimmer und unser W-Lan beschränkt. Das neue iPad hat ein 3G-Modul für schnellen Datenfunk per UMTS und HSDPA eingebaut, dazu noch einen GPS-Empfänger und auch den kleinen Kompass, den man vom iPhone kennt. Stolze 799 Euro kostet es so in der Ausführung mit 64 GB Speicher, ein selbstbewusst von Apple festgelegter Preis, zu dem sich allerdings noch ein paar Extras addieren, die man für so ein iPad fast selbstverständlich braucht.

Zum einen das iPad Case, eine Schutzhülle für den Transport, die so konstruiert ist, dass man sie auch als Gerätestütze oder Schreibunterlage nutzen kann. Außerdem ein Paar Ohrhörer, die Apple nicht mitliefert - ein Beleg dafür, dass das iPad eben kein übergroßer iPod ist und man es nur selten zum Musikhören benutzen wird. Oder ein Beleg dafür, dass Apple selbstherrlich seinen Gadgets immer weniger Zubehör beilegt.

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Die besten iPad-Apps: Musik und Murmelspiele

Foto: Matthias Kremp

Deshalb braucht man auch die 29 Euro teuren Adapterstecker, mit deren Hilfe man eine Digitalkamera an das iPad anschließen oder Bilder von SD-Speicherkarten einlesen kann. Leider funktionieren diese Stecker nur in einer Richtung, also zum Auslesen von Daten. Fotos auf diese Weise aus dem Gerät herauszuholen, beispielweise auf einen USB-Stick zu überspielen, funktioniert nicht. Ein enttäuschendes Erlebnis bot auch das ebenfalls 29 Euro teure VGA-Adapterkabel, mit dem ich das iPad an unseren Fernseher anstöpselte. Zum Filmegucken nützt das wenig. Zumindest wenn man diese Filme im iTunes Store kauft oder leiht. Denn diese kopiergeschützten Werke lassen sich nur auf Bildschirmen ansehen, die das HDCP-Protokoll (High-bandwidth Digital Content Protection) unterstützen, das nur bei digitalen Verbindungen wie HDMI funktioniert, nicht aber per VGA. So bleibt der Fernsehschirm schwarz.

Schmierige Spielerei

Aber von solchen Kleinigkeiten lassen sich meine Kinder nicht abschrecken, sie schauen stattdessen mit Begeisterung den Animationsfilm "Oben" auf dem iPad an. Das macht Spaß, weil der Bildschirm auch ohne HD-Auflösung brillante und scharfe Bilder liefert, außerdem auch von der Seite gut und ohne Farbverfälschungen einsehbar ist. Das sieht wirklich prima aus, solange der Bildschirm leuchtet. Abgeschaltet offenbart sich dann das schmutzige Antlitz des großen Displays, das von der vielen Fummelei binnen Minuten voller Fingerspuren ist.

Die kommen natürlich auch von den vielen Spielen, die man andauernd darauf daddeln will. Das grafisch und spielerisch faszinierende Jump-&-Run-Spiel "Mirrors Edge" beispielsweise, das Autorennen "Shrek Karting" oder der Flippersimulator "Pinball HD". Vor allem aber Spiele, bei denen man mit bis zu vier Teilnehmern auf dem Bildschirm gegeneinander antritt. Das Kartenspiel "Uno" etwa, oder "Scrabble for iPad".

Start mit 5000 Apps

Solche Apps ziehen alle Familienmitglieder magnetisch an. Und Apps gibt es eine ganze Menge. Von den mittlerweile gut 200.000 für iPhone und iPod touch entwickelten Apps lasse ich am iPad aber lieber die Finger, auch wenn sie grundsätzlich darauf funktionieren. Solche Apps laufen entweder als kleines Fensterchen oder per Pixelverdopplung hässlich vergrößert, was beides keinen Spaß macht. Wirklich angewiesen ist man auf solche Notlösungen aber nur selten, da es bereits 5000 dedizierte iPad-Apps gibt, die den großen Bildschirm auch wirklich ausnutzen.

So wie die Software des Hotelportals HRS, die Hotels auf Google Maps anzeigt, mit Fotos und Infos der jeweiligen Herbergen ergänzt und die Buchung per Fingerzeig ermöglicht. Oder die "F1 2010 Timing App", die in Echtzeit Daten und Statistiken zu laufenden Formel-1-Rennen aufbereitet. Aber auch vollkommen neuartige Apps wie "Air Display", mit dem das iPad per W-Lan zum Touchscreen eines Apple-Computers wird. Nicht zu vergessen auch innovative Apps wie Korgs iElectribe, mit dem das iPad zum virtuell analogen Musik-Computer wird. Eine Übersicht einiger herausragender Apps zeigen wir in der Fotostrecke oben.

Bei aller Begeisterung für die neuen Apps wird schnell deutlich: Sie sind viel teurer als die meisten iPhone-Apps. Preise von 7,99 Euro oder gar 25,99 Euro sind keine Seltenheit. Allerdings dürfte man ein Spiel wie "Shrek Karting" auf einer anderen Mobilkonsole wohl kaum für den im App Store verlangten Betrag von 3,99 Euro bekommen.

An PC-Maßstäben gemessen eine Katastrophe

Im Kaufpreis inbegriffen ist die Akkulaufzeit des iPad 3G. Ganz egal ob man im Web surft, Filme anschaut oder spielt, es hält fast immer knapp zehn Stunden durch, bevor man es wieder aufladen muss. Was iPhone-Anwender dabei verwundern wird: Anders als beim iPhone scheinen die Nutzung von UMTS und Push-Diensten beim iPad nur marginale Auswirkungen auf die Akkulaufzeit zu haben.

Dafür braucht man eine kräftige Stromquelle, um den iPad-Akku überhaupt befüllen zu können. Apple liefert ein Zehn-Watt-Netzteil mit - und das braucht man auch. An einen Power Mac G5 oder einen von mehreren Test-PC per USB angeschlossen, nimmt Apples Gerät zwar Kontakt zum Rechner auf, weist aber selbst darauf hin, dass sein Akku auf diese Weise nicht geladen wird. Laut Norm müssen USB-Anschlüsse 500 Milliampere liefern, die dem großen iPad-Akku nicht zu genügen scheinen. Neuere Apple-Rechner haben entsprechend kräftiger ausgelegte USB-Buchsen. Selbst mein drei Jahre altes Macbook ist zu schlapp fürs iPad. Ein Ausweg ist, das iPad abzuschalten, dann reicht auch der USB-Strom älterer Geräte zum Aufladen.

Ohne Computer geht gar nichts

Eine Mär ist die Behauptung, das iPad sei der Computer für Leute, die eigentlich keinen haben wollen. Denn man braucht einen Computer, um das iPad überhaupt benutzen zu können. Das fängt bei der Aktivierung nach dem Kauf an und setzt sich über Updates der Systemsoftware fort, die nur via Computer eingespielt werden können. Ebenso wenig gibt es eine eingebaute Backup-Lösung, Daten lassen sich nur per iTunes-Software sichern.

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Die besten iPad-Apps: Musik und Murmelspiele

Foto: Matthias Kremp

Aber wer braucht denn nun wirklich ein iPad? Die klare Antwort: Ein iPad braucht kein Mensch. Aber wer eines hat, kann es gut gebrauchen - und damit eine Menge Spaß haben. Dabei ist die Hardware nebensächlich, denn das, was Apple als die Magie des iPad bezeichnet, sind eigentlich die Apps, die es dafür gibt. Die wiederum haben im Dauertest gezeigt, dass sich das iPad in erster Linie zum Konsumieren eignet. Spielen, Fotos und Videos schauen, lesen - all das geht damit wunderbar.

Damit zu schreiben oder gar komplexe Dokumente zu erarbeiten wird schon schwieriger, erfordert oft eine externe Tastatur. Als Musikgerät oder für einfache Bildbearbeitung, also Dinge, die man per Fingersteuerung erledigen kann, ist es dagegen bestens geeignet.

Das einzige Problem: Wann komme ich dran?

Damit manifestiert sich die Erkenntnis, dass das iPad eben doch kein Netbook-Killer ist. Wer ein Gerät zum Arbeiten sucht, braucht etwas anderes. Wer bloß unterwegs Musik hören oder kleine Filmchen gucken will, auch. Mit solchen Aufgaben ist Apples Tablet unterfordert. Denn das iPad ist so etwas wie ein unspezialisierter Spezialist.

Es kann viel weniger und gleichzeitig viel mehr als ein Netbook. Nach herkömmlichen PC-Maßstäben betrachtet, ist das Ding eine Katastrophe: Sein Prozessor hat eine niedrigere Taktfrequenz als billige Netbooks, sein Speicher ist mickrig und per Hardware ist es kaum zu erweitern. Außerdem verweigert es einen direkten Zugriff auf das Dateisystem, ihm fehlt eine echte Tastatur, es ist teuer, zu schwer und klobig, um stets mitgenommen zu werden.

Aber vielleicht ist es genau das, was Apples Tablet den Erfolg bringen könnte. Man muss sich eben nicht mehr darum kümmern, wo man welche Dateien gespeichert hat, braucht sich keine Verzeichnisnamen zu merken, muss keine Ordner anlegen. Solche Eigenschaften sind es, mit denen sich das iPad binnen kürzester Zeit einen festen Platz im Familienleben erobern könnte.

Und jetzt bin schon wieder ich derjenige, der sich hinten anstellen muss, wenn es darum geht, etwas mit dem Ding anzufangen. Mittlerweile wird die Nutzungszeit des iPad bei uns im Halbstundentakt vergeben - und ich komme natürlich immer als Letzter dran.

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