Update für Windows Phone 7 Microsofts Mango ist noch nicht reif

Der Software-Konzern Microsoft hat gelernt: Neben Hunderten neuen Funktionen soll das erste große Update fürs neue Handy-Betriebssystem des Konzerns mit gelockerten Hardware-Bestimmungen für Hersteller glänzen. Doch es wird noch lange auf sich warten lassen.


Hamburg/New York - Am Dienstagnachmittag kündigte Microsoft das erste signifikante Update für sein Handy-Betriebssystem Windows Phone 7 an. Die mit dem Codenamen "Mango" versehene neue Version der Software soll allerdings erst im Herbst 2011 veröffentlicht werden. Dann aber soll sie für alle Windows-Phone-Geräte kostenlos zum Herunterladen bereitstehen, kündigte Microsoft in New York an.

Zudem habe der Konzern weitere Hardware-Partner für Windows Phone 7 gewinnen können. Demnach wollen künftig auch Acer, Fujitsu und der chinesische Hersteller ZTE Smartphones mit der Microsoft-Software auf den Markt bringen.

Mit den neuen Partnern will sich Microsoft weitere wichtige Märkte wie China, Japan, Südkorea und Russland erschließen. Die neuen Geräte sollen unter anderem Sprachversionen wie Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Polnisch und Russisch verfügbar sein. "Wir wollen dort mit einer aggressiven Preisstrategie wachsen", sagte Microsoft-Manager Achim Berg der Nachrichtenagentur dpa.

Anpassung an aktuelle Entwicklungen

Microsoft und seine Hardware-Partner waren mit ihren ersten Windows Phones zunächst im oberen Preissegment an den Start gegangen. Microsoft hatte den Hardware-Herstellern hohe Ausstattungsauflagen gemacht. So müssen alle Windows-Phone-7-Handys denselben ein Gigahertz schnellen Prozessor benutzen und dieselbe Bildschirmauflösung bieten (WVGA, 800 x 480 Pixel). Außerdem müssen sie eine Kamera mit mindestens fünf Megapixeln Auflösung und mindestens acht Gigabyte eingebautem Speicher haben. Ein Steckplatz für Erweiterungskarten ist dagegen nicht vorgesehen. Dafür allerdings gehören GPS, ein Blitz, ein Kompass und ein Beschleunigungssensor zur Ausstattung.

Die strikten Hardware-Vorgaben hatten für Kritik gesorgt, weil Handys verschiedener Hersteller kaum individuelle Merkmale aufweisen können. Zudem hatte Microsoft die Hardware-Spezifikationen schon Monate vor der Markteinführung festgelegt. Dem Unternehmen war deshalb geraten worden, nicht allzu viel Zeit bis zum ersten großen Update und der damit einhergehenden Anpassung der Hardware-Richtlinien vergehen zu lassen.

Nun ist die Ankündigung da - aber eben mit einer für diese Branche gewaltigen Vorlaufzeit. Inzwischen seien neue Chipsätze verfügbar, die teilweise leistungsstärker, aber zugleich deutlich günstiger sind, als die bisher vorgeschrieben, sagte Berg. Außerdem gebe es Einsparmöglichkeiten bei weiteren Komponenten. So könne man die Kosten reduzieren, indem man die Display-Größe reduziere.

Mehr machen, weniger verbrauchen

Mit "Mango" würden Hunderte neuer Funktionen in das System eingeführt, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. So gebe es beispielsweise eine neue Betriebssystemfunktion namens "App Connect", welche die Integration und Interaktion unterschiedlicher Apps verbessere. Als Beispiel wird die Suche nach einem Kinofilm genannt. Die würde unter "Mango" nicht mehr nur Spielzeiten und Kinos zutage fördern, sondern beispielsweise auch eine App anbieten, mit deren Hilfe man Eintrittskarten kaufen kann.

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Windows Phone 7: Das können die Microsoft-Handys
Zudem sei das Multitasking verbessert und das Verhalten der sogenannten Live Tiles, die als Programmsymbole auf dem Bildschirm liegen, verändert worden. Diese können nun mehr Inhalte dynamisch anzeigen. Speziell für Apps, die viel Multitasking betreiben, so wie Augmented-Reality-Anwendungen, soll das System für mehr Leistung bei gleichzeitig verbesserter Akkulaufzeit optimiert worden sein.

Optimistische Prognosen

Am Mittwoch will Microsoft neue Werkzeuge für App-Entwickler ins Netz stellen. "Die von uns zur Verfügung gestellten Tools werden extrem gut angenommen", sagte Berg. Allein durch Nokia habe Microsoft zahlreiche ehemalige Symbian-Entwickler dazugewonnen. "Alle Symbian-Entwickler von Nokia kommen rüber." Nachdem Nokia die Partnerschaft mit Microsoft eingegangen ist, lässt der finnische Handy-Hersteller sein eigenes Betriebssystem Symbian auslaufen.

Mit den neuen Tools von "Mango" sollen Entwickler künftig bessere und schnellere Anwendungen programmieren können, die untereinander besser miteinander kommunizieren können. So soll es unter Mango zum Beispiel möglich sein, eine Unterhaltung personenbezogen zu führen und nahtlos zwischen SMS, E-Mail oder Chat zu wechseln. Soziale Netzwerke sollen besser integriert werden. Insgesamt 17.000 Apps gibt es nach Angaben von Microsoft bis heute im Marketplace.

Marktforscher setzen große Erwartungen in das neue Betriebssystem von Microsoft. Nachdem der Vorgänger Windows Mobile schon an den Rand der Bedeutungslosigkeit gerückt war, sagen die großen Institute Gartner und IDC dem neuen Windows Phone 7 Marktanteile bis über 20 Prozent bis zum Jahr 2015 voraus. Das habe sogar Microsofts eigene Erwartungen übertroffen, sagte Berg. Bislang liegt Microsoft aber im Markt der Smartphone-Betriebssysteme abgeschlagen hinter Google (Android), Apple (iOS) und RIM (Blackberry). Mit seinem komplett neu entwickelten Betriebssystem hatte Microsoft im Herbst 2010 den Neustart im Mobilfunkmarkt gewagt.

mak/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
dwhm 24.05.2011
1. Nordkorea???
"Mit den neuen Partnern will sich Microsoft weitere wichtige Märkte wie China, Japan, Nordkorea und Russland erschließen. " Echt? Nordkorea ist ein wichtiger Markt für Smartphones?? Spiegel-Leser lernen.....
n13l5 24.05.2011
2. wohl von Microsoft's Press Release abgeschrieben
Es muss wohl einen Grund geben warum keiner seinen Namen neben den Bericht gesetzt hat? Das meiste ist doch vom Microsoft rep kopiert. Und was genau dies heissen soll weiss kein Mensch: "Die strikten Hardware-Vorgaben hatten für Kritik gesorgt, weil Handys verschiedener Hersteller kaum individuelle Merkmale aufweisen können." häh? Der Kritikpunkt hatte ausschliesslich mit Kosten zu tun, jeder Windows Phone7 Hersteller hatte bereits Android Modelle im Program die selbige Anforderungen locker erfuellten. Fuer dieses Jahr sind diese Anforderungen schon in den Billigbereich abgerutscht, wenn man mal von Indien, China etc absieht. In Indien und China hilft das sicher Windows Phone billiger an den Mann zu bringen. In Europa bedeutet das eher, das Otto Normalverbraucher jetzt noch vorsichtiger sein muss, im Telekom Laden keine Gurke angedreht zu kriegen.
Tungay 25.05.2011
3. Keine Chance
Microsoft hat mit seiner schlechten I Phone OS Copy keine Chance. Viele User haben, wie ich auch auf ein PC kompatibles Betriebssystem gewartet, dass vor allem die Kommunikation mit Outlook perfektioniert. Herausgekommen ist, dass sich Windows 7 und Windows 7 Phone mobil wie Fremde begegnen und die synchronisation mit Outlook nur über die Wolke funktioniert. Welches Unternehmen lässt seine wichtigen Firmendaten durch eine US Wolke schweben? So doof kann doch wirklich niemand sein, den US Geheimdiensten Tür und Tor zu allen Betriebsgeheimnissen zu öffnen. Hier werden Bewegungsdaten, Termine, Emails, Kreditkarten, aktueller Standort usw. miteinander vernetzt. Orwell in Perfektion. Gute Nacht Windows Mobilphone.
johhro 25.05.2011
4. Du hast keine ahnung
Du hast keine Ahnung, Firmen Kunden haben Outlook und einen Exchange-Server. Und damit funktioniert es perfekt...
johhro 25.05.2011
5. Firmenkunden
haben ein Exchange-Server. Damit muss nichts in eine Cloud synchronisiert werden. Und damit funktioniert es perfekt.
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