Ablösung der Blechdeckel Kalifornien erlaubt digitale Nummernschilder

Für Firmenwagen sind die Hightech-Kennzeichen bereits in mehreren US-Staaten zugelassen, nun darf sie in Kalifornien jeder nutzen. Die Extras der Technik sind beachtlich, die Kosten auch.
Digitalkennzeichen mit App: Kann nicht das, was Sie denken

Digitalkennzeichen mit App: Kann nicht das, was Sie denken

Foto: Reviver

Autofahrerinnen und Autofahrer in Kalifornien können die Blechschilder an ihren Wagen künftig durch moderne Digitalkennzeichen ersetzen. Wie das Magazin »Ars Technica « berichtet, hat der Gouverneur des Westküsten-Bundesstaates, Gavin Newsom, Ende September ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet.

Die am Entwurf des Gesetzes beteiligte Abgeordnete Lori Wilson sagte, mit ihm werde zwischen Innovation und Datenschutz das nötige Gleichgewicht geschaffen, »indem es das Einzige digitalisiert, was an unseren Autos heute noch veraltet ist: die Nummernschilder«.

Technisch basieren die Displays der neuen Nummernschilder auf der sogenannten E-Ink-Technologie, die auch als elektronische Tinte bezeichnet wird und in erster Linie von E-Readern wie den Kindles und Tolinos bekannt ist.

Da könnte man natürlich auf den Gedanken kommen, dass es ein Leichtes sei, die angezeigten Ziffern und Buchstaben zu verändern. Doch mit den rotierenden Nummernschildern an James Bonds Aston Martin DB5 aus den Filmen »Goldfinger« und »Feuerball« hat das Projekt – entschuldigen Sie die Enttäuschung – nichts zu tun.

Die Aktivierung kann Tage dauern

Vielmehr muss man zur Aktivierung eines solchen Nummernschilds einen mehrstufigen Prozess durchlaufen: App installieren, Account anlegen, Nummer registrieren, Zulassung und Führerschein einscannen. Obwohl dieser Vorgang digitalisiert ist, solle man lieber eine Wartezeit von ein bis drei Tagen einplanen, bis die Zulassungsstelle die Aktivierung genehmigt, warnt der bisher einzige zugelassene Hersteller der Schilder, die US-Firma Reviver. Außerdem, darauf weist »Ars Technica« hin, sei es ja per Gesetz verboten, die Schilder »zu verändern, zu fälschen, nachzuahmen oder sonst wie zu hacken«.

Erlaubt ist es hingegen, sein Schild per App dem eigenen Geschmack anzupassen, etwa, indem man darauf einen Spruch anzeigen lässt wie »Wenn Sie das lesen können, sind Sie zu nah«. Zudem kann ein solch modernes Schild durch Blinken und eine Textmitteilung signalisieren, dass das Fahrzeug, an dem es montiert ist, als gestohlen gemeldet wurde. Ebenso kann es einen sogenannten Amber-Alert anzeigen. Hinter diesem Schlagwort verbirgt sich ein System, das in den USA Meldungen über vermisste Kinder verbreiten soll .

Wenig verlockend für die Besitzerin oder den Besitzer: Wenn die Zulassung für ein Fahrzeug abgelaufen ist, wird auch das automatisch auf dem Nummernschild angezeigt: »Invalid«.

Das Schild gibt es nur im Abo

In mehreren US-Bundesstaaten wird das System bereits seit 2018 getestet. In Kalifornien, Arizona, Michigan und Texas ist es für die kommerzielle Nutzung, etwa in Firmenflotten, bereits zugelassen.

Nachdem das System nun erstmals auch für die private Nutzung erlaubt wurde, stellt sich die Frage nach den Kosten, die, verglichen mit einem Blechschild, nicht unerheblich sind. Denn für das Schild mit den Digitalfunktionen wird nicht einmalig bezahlt, nein, man schließt dafür ein Abo ab. Monatlich werden 19,95 Dollar fällig, wenn man sich für einen Vertrag für vier Jahre entscheidet. Etwas günstiger wird es, wenn man die Gebühren eines solchen Vierjahresvertrags jährlich im Voraus zahlt, dann landet man bei viermal 215,40 Dollar.

Grundsätzlich hat man noch die Wahl zwischen einer batteriebetriebenen Version, die einfach angeschraubt wird, und einer mit der Autoelektrik verbundenen Variante, die man vom Profi installieren lassen muss. Letztere ist dafür mit einem GPS-Empfänger bestückt, der via Mobilfunk Alarm schlägt, sobald das Auto unerlaubt bewegt wird oder ein vordefiniertes Gebiet verlässt. Diese Funktionen, wirbt Reviver, sollen auch Firmenkunden helfen, per Telematik-Software nachzuverfolgen, wo ihre Fahrzeuge gerade unterwegs sind.

mak
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