Weltgrößter Drohnenhersteller USA setzen DJI auf schwarze Liste

Nach Huawei und etlichen anderen chinesischen Firmen wird jetzt DJI der Technologieaustausch mit US-Unternehmen erschwert. Diesmal sind allerdings nicht Spionagevorwürfe der Auslöser.
DJI-Drohne in Berlin

DJI-Drohne in Berlin

Foto: Omer Messinger/ Getty Images

Zum Ende ihrer Amtszeit verschärft die amtierende US-Regierung den Handelskonflikt mit China weiter. Am Freitag fügte das US-Handelsministerium Dutzende chinesische Unternehmen der sogenannten schwarzen Liste hinzu. Den betroffenen Firmen  soll der Zugang zu amerikanischer Technologie erschwert werden. US-Firmen dürfen ihnen beispielsweise nur noch mit Sondererlaubnis in den USA entwickelte Mikrochips und Software verkaufen.

Der Telekommunikationskonzern Huawei ist das bekannteste Opfer dieser Einschränkungen. Google musste dem Unternehmen Mitte 2019 den Zugang zu essenziellen Teilen seines Smartphone-Betriebssystems Android sperren, wodurch neue Huawei-Smartphones etwa keinen Zugang zum Play Store mehr haben.

Vor allem aber ist die Firma von der Versorgung mit wichtigen Chips abgeschnitten worden. Im August warnte das Unternehmen, dass die Produktion der Kirin-Prozessoren, die seine Smartphones antreiben, eingestellt werden müsse. Das erfolgreiche Smartphone-Geschäft ist damit ernsthaft gefährdet.

»Vergehen gegen die Menschenrechte«

Ähnlich scheint es nun DJI zu ergehen. Hier lauten die US-Vorwürfe allerdings anders. Während Huawei von den USA vorgeworfen wird, in seine Produkte Hintertüren einzubauen, durch die chinesischen Geheimdienste fremde Netzwerke ausspionieren könnten, werden DJI Vergehen gegen die Menschenrechte angelastet.

Das US-Handelsministerium wirft DJI vor, gemeinsam mit AGCU Scientech, China National Scientific Instruments and Materials (CNSIM) und der Kuang-Chi Group die »missbräuchliche Sammlung und Analyse von genetischen Daten sowie Hightechüberwachung ermöglicht zu haben«.

Im März hatte »Bloombeg Businessweek « zudem berichtet, DJI habe auf seiner Website 2017 eine strategische Partnerschaft mit der Behörde für öffentliche Sicherheit in der Uiguren-Provinz Xinjiang angekündigt, bei der es um die Lieferung von »Polizeidrohnen« gegangen sei. Nach einer Anfrage bezüglich dieser Kooperation sei die entsprechende Mitteilung aber von der Seite entfernt worden. Weitere Informationen zu dem Thema hatte DJI »Bloomberg Businessweek« mit der Begründung nicht gegeben, dass die Person, die mit den Absprachen vertraut gewesen sei, das Unternehmen verlassen habe.

DJI beherrscht den Markt

Während Huawei in den USA nur als Lieferant für Netzwerkhardware an Unternehmen aufgetreten ist und als Handyhersteller dort keine Bedeutung hat, sieht das für DJI anders aus. Aktuell wird DJIs Anteil am Weltmarkt für kommerzielle Drohnen auf 70 bis 80 Prozent geschätzt , in den USA dürfte er ungefähr bei 77 Prozent liegen.

Wie wichtig DJI in den USA auch im professionellen Bereich ist, zeigte sich Ende 2019, als das US-Innenministerium ankündigte, seine DJI-Drohnen aus Furcht vor chinesischer Spionage nicht mehr einsetzen zu wollen. Rund 800 dieser Geräte waren damals für das Ministerium im Einsatz. Auch Fotografen, Fernsehsender und Filmstudios würden sicherlich ungern auf die Multicopter aus chinesischer Produktion verzichten, da deren professionelle Varianten vergleichsweise günstig und einfach Luftaufnahmen ermöglichen.

Ob DJI nun ein ähnliches Schicksal droht wie Huawei, die seit eineinhalb Jahren versuchen, US-Technologien durch eigene Entwicklungen zu ersetzen, ist derzeit noch unklar. DJI will sich einer Stellungnahme vom Samstag zufolge allerdings nicht aus den USA zurückziehen. Man sei von der Entscheidung des US-Handelsministeriums enttäuscht, sagte ein Sprecher »Techcrunch « und ergänzte: »Kunden in Amerika werden DJI-Produkte weiterhin normal kaufen und nutzen können.«

Auf den Verkauf von DJI-Produkten bezieht sich der US-Bann gegen DJI freilich auch nicht. Fraglich ist vielmehr, ob und wie lange die Firma ihre Produktion aufrechterhalten kann, wenn sie von Zulieferungen amerikanischen Unternehmen abgeschnitten ist.