»Anti-Apple-Gesetz« EU-Vorgabe zum einheitlichen Ladekabel könnte im Sommer kommen

Auch, wenn es dem iPhone-Hersteller Apple nicht passt: Mit der Einigung im Binnenmarktausschuss des EU-Parlaments rückt die Pflicht zu USB-C als Standardanschluss in der EU näher.
Eines für alles: USB-C-Ladekabel

Eines für alles: USB-C-Ladekabel

Foto: Alexander Yakimov Nickolaevich / Getty Images/iStockphoto

Einheitliche Ladekabel für Smartphones und andere Geräte rücken näher, manche sprechen von einem »Anti-Apple-Gesetz«: Die EU-Parlamentarier im Ausschuss für den Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) einigten sich am Mittwoch auf ihre Position zu dem Vorhaben , das Plenum dürfte diese voraussichtlich im Mai bestätigen. Danach können die finalen Verhandlungen zwischen Europaparlament und den EU-Staaten beginnen. Eine Einigung könnte in diesem Sommer erzielt werden – wenn dies gelingt, würde das einheitliche Ladekabel in der EU voraussichtlich Mitte 2024 Realität werden.

In vielen Punkten sind sich die Positionen der EU-Staaten und des EU-Parlaments bereits recht nah. Beide Seiten wollen etwa, dass USB-C einheitlich für Mobiltelefone, Tablets, Laptops, Kopfhörer und Digitalkameras verwendet wird. Faktisch ist USB-C bereits der Standardanschluss dieser Geräte. Apple allerdings setzt in den iPhones und bei den günstigsten iPads weiterhin auf den selbst entwickelten Lightning-Anschluss. Mac-Computer und die übrigen iPads hingegen verfügen bereits über USB-C-Anschlüsse. Das Unternehmen betrachtet eine Pflicht zu einheitlichen Ladebuchsen als innovationshemmend.

Ein einziger Standard spare Ressourcen, vermeide Tausende Tonnen Elektroschrott und schone den Geldbeutel der Verbraucherinnen und Verbraucher, sagte die Vorsitzende des Binnenmarktausschusses, Anna Cavazzini (Grüne). Sie sei erfreut, dass sich das Parlament dafür einsetze, dass mehr kleinere Geräte unter die neuen Regeln fallen sollen.

Der Ausschuss fordert nämlich, dass auch Smartwatches und andere Wearables unter die neuen Vorgaben fallen, sofern sie groß genug für einen USB-C-Anschluss sind. Bis Ende 2026 muss die Kommission dem Ausschuss zufolge einen Vorschlag machen, um weitere Produktkategorien hinzuzufügen.

Auch für kabelloses Laden soll bis 2026 ein einheitlicher Standard gefunden werden.

Vor mehr als zehn Jahren brachte die Kommission die Ladekabelfrage erstmals auf den Plan. 14 Hersteller – unter ihnen auch Apple – einigten sich in einer Selbstverpflichtung auf einen einheitlichen Standard für Handy-Netzteile. Bei den Buchsen in Smartphones und Tablet-Computern blieben von einst mehreren Dutzend Typen noch drei übrig: USB-C, Apples Lightning-Anschluss sowie Micro-USB. Nach Angaben der EU-Kommission fallen jährlich geschätzt 11.000 bis 13.000 Tonnen Elektroabfall durch entsorgte und nicht benutzte Ladegeräte an. Davon könnten durch die neuen Regeln knapp 1000 Tonnen eingespart werden.

pbe/dpa