Große USB-Sticks im Test Terabytes in der Tasche

USB-Sticks sind für den Datentransport kaum zu ersetzen: Sie sind handlich, flott und billig. Das Computermagazin "c't" hat besonders große und schnelle Exemplare auf den Prüfstand gestellt.

Heise

Von "c't"-Autor


USB-Sticks sind die wohl praktischste Art, große Datenmengen mitzunehmen. Mit ihrem gängigen USB-A-Stecker passen sie an die allermeisten PC und speichern viele Daten für wenige Euro.

Doch bei der Geschwindigkeit hapert es häufig. Zwar gibt es nur noch wenige Sticks, die mit dem vergleichsweise lahmen USB 2.0 arbeiten, aber auch viele Sticks mit USB 3.0 lesen deutlich langsamer als das USB-3.0-Maximum von rund 450 Megabyte pro Sekunde (MB/s). Beim Schreiben ist es sogar noch wesentlich schlechter: Viele kommen nicht einmal über 100 MB/s hinaus.

Ansonsten unterscheiden sich USB-Sticks auf den ersten Blick vor allem durch ihre Speicherkapazität: Mehr als 3000 Sticks listet der Online-Preisvergleich der "c't" auf, davon rund 80 Prozent mit Kapazitäten zwischen 8 und 64 Gigabyte. Das Angebot wirklich großer Sticks ist überschaubar: Gerade einmal 75 Sticks fassen 256 Gigabyte oder mehr.

Wir haben uns vier Sticks mit einer Kapazität von 256 Gigabyte auf den Prüfstand geholt. Dabei sind Kingston HyperX Savage, SanDisk Extreme PRO, Verbatim Store'n'Go Vx400 sowie Xlyne Pro Rocket Speed. Allen gemein ist eine Mindestgeschwindigkeit von 200 MB/s beim Schreiben, wie unsere Benchmark-Messungen unter Windows gezeigt haben. Dazu gesellt sich als einziger Vertreter der wirklich großen Sticks der Kingston DataTraveler Ultimate Generation Terabyte mit einer Speicherkapazität von 2 Terabyte.

Alle getesteten Sticks arbeiten mit USB 3.0 - mit Ausnahme von Kingstons HyperX Savage und SanDisks Extreme Pro, die beide USB 3.1 für sich reklamieren. Die USB-Stecker einiger Sticks lassen sich über einen Schiebemechanismus versenken; das ist nach unserer Ansicht besser als eine aufsteckbare Kappe, denn diese geht doch recht schnell verloren. Ob eine blinkende Zugriffs-LED notwendig ist, ist Geschmackssache - um Datenverluste zu vermeiden, sollte man USB-Sticks eh vor dem Ausstecken vom System abmelden. Beiliegende Software spielt eine untergeordnete Rolle: Verschlüsselungsprogramme und Rettungs-Tools für versehentlich gelöschte Daten gibt es kostenlos, einige sogar als Open Source.

Vorsicht vor Billigangeboten

Bei Ebay und AliExpress kann man für wenige Euro USB-Sticks mit Kapazitäten von 1 oder gar 2 Terabyte kaufen. Doch nach dem Kauf folgt fast immer die Enttäuschung: Mehr als 8 oder 16 Gigabyte stecken nicht drin, praktisch alle Billigangebote sind Fälschungen.

Wir haben bereits vor 13 Jahren das Testprogramm H2testw veröffentlicht, das Datenträger auf das Vorhandensein der beworbenen Kapazität prüft; und auch heute ist sein Einsatz noch sinnvoll. Nach unserem Kenntnisstand gibt es bislang lediglich einen Hersteller, der USB-Sticks mit einer Kapazität von mindestens einem Terabyte verkauft: Kingston. H2testw bestätigte dem Ultimate GT seine Kapazität - nach einer Testdauer von fast fünf Stunden. Gefälschte Sticks arbeiten häufig noch mit USB 2.0, da schätzt H2testw die Testdauer schon mal auf einige Hundert Stunden. Möglicherweise vertrauen die Fälscher auch darauf, dass kein Käufer so lange auf die Bestätigung der beworbenen Kapazität warten möchte.

Innenleben

USB-Sticks sind prinzipiell ähnlich aufgebaut wie SSDs: Ein Controller speichert die Daten auf einem oder - im Fall unserer großen Testmuster - auf mehreren Flash-Chips. Dazu gesellt sich noch der USB-Wandler, der die Signale vom USB-Port umsetzt; häufig ist dieser im Controller integriert. Einen DRAM-Cache haben die Sticks nicht. Auch andere Methoden zur Schreibbeschleunigung wie ein Pseudo-SLC-Cache werden unseren Messungen zufolge nicht eingesetzt - bei großen Dateien schreiben die Sticks allesamt mit recht gleichmäßiger Geschwindigkeit.

Woher der Speicher stammt und welcher Controller eingesetzt wird, kann man den Sticks nicht ansehen; die Hersteller hüllen sich in Schweigen, und auch Testprogramme liefern keine Auskünfte. Billigheimer verkaufen USB-Sticks vermeintlich gleichen Typs auch schon mal mit unterschiedlichen Controllern und Firmware-Versionen, auch die Zulieferer der Flash-Chips wechseln. Einzig der SanDisk-Stick gibt per SMART-Abfrage Auskunft über verschiedene Parameter. Ob diese Angaben stimmen, ist zweifelhaft: Sowohl CrystalDiskInfo als auch HardDiskSentinel meldeten beim nagelneuen Extreme Pro, dass nicht mehr ausreichend Reserveblöcke vorhanden seien; auch die angezeigte Temperatur lag mit 8°C außerhalb des Realistischen.

Benchmarks

USB-Sticks dieser Größenordnung dürften meistens als Transportmedium für große Dateien dienen. Daher haben wir das Hauptaugenmerk bei diesem Test auf die Geschwindigkeit beim sequenziellen Lesen und Schreiben gelegt. Die Leistung bei zufälligen Zugriffen haben wir ebenfalls gemessen; diese spielt jedoch vor allem bei der Sicherung vieler kleiner Dateien oder beim Einsatz des Sticks als Bootmedium eine Rolle - dafür sind diese Sticks überdimensioniert.

Schon beim Kopieren einer großen Zahl von MP3-Dateien auf den Stick trennt sich die Spreu vom Weizen: Deutlich langsamer als beim Schreiben einer großen Videodatei sind sie alle. Doch während der SanDisk Extreme Pro immerhin noch mit handgestoppten 46 MB/s schreibt, kommt der Kingston Ultimate GT auf gerade einmal 16 MB/s; die anderen Sticks liegen bei rund 30 MB/s. Kopiert man eine große Anzahl kleiner Dateien - etwa Teile des Linux-Quellcodes - auf die Sticks, sinken die Übertragungsraten wie bei anderen Sticks auf Werte zwischen 0,1 und 1,5 MB/s. Sowohl bei den kleinen Dateien als auch bei den etwas größeren MP3-Dateien legen die Sticks beim Schreiben immer wieder Pausen ein; das passiert beim Schreiben einer großen Videodatei nicht.

Die Leistung bei sequenziellen Zugriffen haben wir auch an einem USB-2.0-Anschluss gemessen. Für den Einsatz am PC spielt der alte USB-Port zwar kaum eine Rolle mehr, aber beispielsweise an Smart-TVs. Langsame Sticks verhindern hier die gleichzeitige Aufnahme und Wiedergabe von Sendungen. Bei unseren doch recht teuren Testkandidaten aber gab es keinen Anlass zu Beanstandungen: Alle erreichten beim Lesen und auch beim Schreiben rund 45 MB/s, das entspricht dem Maximum von USB 2.0.

Fazit

Alle Sticks lesen und schreiben schnell, solange man sie mit großen Dateien beschäftigt. Der 2-Terabyte-Stick von Kingston kann bei den Schreibraten nicht ganz mithalten; er erreicht mit maximal 202 MB/s gerade einmal die Anforderungen für diesen Test. Der schnellste Stick stammt von SanDisk, aber in der Praxis liegen die Modelle von Kingston, Verbatim und Xlyne unmerklich dahinter.

Für die Sicherung vieler kleiner Dateien eignen sich USB-Sticks weniger; Werte von maximal 2 MB/s verursachen lange Wartezeiten. Für solche Aufgaben nutzt man besser ähnlich teure externe SSDs. Wer aber häufiger große Dateien transportieren muss, macht mit den schnellen und großen USB-Sticks nichts falsch.

Dieser Artikel erschien zuerst in "c't" Ausgabe 8/2017, die aktuelle Ausgabe finden Sie hier.



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
spmc-12355639674612 30.04.2017
1. Billig?
Bei den Preisen der USB-Sticks ist es meist immer noch billiger, die Daten auf DVD zu schreiben, besonders wenn man Daten an jemanden weitergeben will, ohne sie in irgendeine Cloud zu laden. Verliehene USB-Stick erhält man schließlich nur selten zurück. 1TB DVD-Rohlinge kosten meist nicht mehr als 25 Euro.
mam71 30.04.2017
2.
Billiger vielleicht, aber auch entsprechend aufwändiger und auch vom Medium her unhandlicher und wenige robust. Mal ganz abgesehen davon, dass viele Geräte über kein optisches Laufwerk mehr verfügen. Der USB-Stick ist heute einfach Standard für das Hin- und Herschaufeln großer Datenmengen, wenn kein Netzwerk zur Verfügung steht.
toledo 30.04.2017
3. USB 2.0 Schnittstellen
spielen entgegen der Darstellung im Bericht sehr wohl noch eine große Rolle. Selbst allerneueste Notebooks kommen nur bei höheren Preisklassen mit 2 USB 3.0 Schnittstellen, 1 Schnittstelle 3.0 ist immer noch Standard.
Thoregon 30.04.2017
4. Das
Zitat von spmc-12355639674612Bei den Preisen der USB-Sticks ist es meist immer noch billiger, die Daten auf DVD zu schreiben, besonders wenn man Daten an jemanden weitergeben will, ohne sie in irgendeine Cloud zu laden. Verliehene USB-Stick erhält man schließlich nur selten zurück. 1TB DVD-Rohlinge kosten meist nicht mehr als 25 Euro.
sollten Sie mal vorrechnen. Für 1 TB bracht man ca. 214 DVDs. 100 DVDs kosten ca. 23 Euro, 200 also 46 Euro plus den Rest, sagen wir also, dass die DVDs gut 50 Euro kosten. Nimmt man Double-Layer-DVDs, sieht es noch schlechter aus. Da kosten 25 Stück ca. 15 Euro. man braucht davon etwa 113 DL-DVDs, also ca. 5 25er Spindeln, macht 75 Euro. Wie lange das Beschreiben von über 200 DVDs bzw. über 100 DL-DVDs dauert, können sie ja selbst ermitteln. Ergo: es kann keine Rede davon sein, dass DVDs billiger wären als USB-Sticks, von allen anderen Nachteilen ganz zu schweigen.
Creedo! 30.04.2017
5.
Bei den Preisen für die Sticks nehme ich dann doch lieber eine externe Festplatte. Der 2TB Stick von Kingston kostet 1.550€. Eine externe Festplatte kommt da nur auf schlappe 100€. Und auch der 512 GB Stick HyperX Savage von Kingston ist mit 225€ nicht gerade günstig. Eine vergleichbare externe Festplatte kostet nur um die 50€. Klar, die USB Stick sind schneller. Aber 1500 Euro für 2 TB? Mit so einem Teil in der Hosentasche könnte ich auch gar nicht ruhigen Gewissens rumlaufen. Die Leute können ja schon nicht auf ihre Smartphones aufpassen. Und dann auf so einen kleinen USB-Stick? Am Ende sind dann nicht nur 1500 Wuro weg, sondern auch noch 2 TB Daten.
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